Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Havelberger Tafel appellieren an Supermärkte der Region, für die Tafel Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Ob frisches Obst und Gemüse oder Wurst, Fleisch und Käse - es gibt genug Ware, die nicht mehr in den Verkauf geht, dafür aber im Müll landet oder gar über Entsorgerfirmen in Biogasanlagen wandert, wissen die Mitarbeiter.

Havelberg. "Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass es auch hier zurückgeht mit den Lebensmitteln, die wir für die Tafelnutzer zur Verfügung stellen können", sagte der Leiter der Havelberger Tafel Gerhard Imig gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Elfriede Neubauer und Heidi Gensch hatte er dazu eingeladen, weil die Mitarbeiter mit Sorge sehen, wie Lebensmittel nicht für bedürftige Menschen zur Verfügung gestellt, sondern etwa im Müll entsorgt werden.

"Vom Supermarkt in die Tonne" war ein Beitrag in der Volksstimme am 19. Februar, in dem stand, dass deutschlandweit jährlich rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden, nur ein geringer Teil gehe an die Tafeln. Ein Trend, der auch in Havelberg beobachtet wird. "Unsere Sorge ist, dass wir immer weniger Lebensmittel bekommen", so Gerhard Imig. In Havelberg sind es mit Edeka und dem sogenannten schwarzen Netto zwei Märkte, die die Tafel regelmäßig unterstützen. Vom sogenannten roten Netto gibt\'s sehr selten etwas, von Norma am Anfang nach der Neueröffnung. Es seien nicht die Verkaufsstellenleiter vor Ort, die den Tafeln nichts abgeben möchten, sondern offensichtlich die übergeordneten Stellen. Dabei sei im Internet anderes zu lesen. Nicht nachzuvollziehen sei für ihn auch, dass Aldi Nord die Tafeln nicht unterstützt, Aldi Süd aber schon.

Der Tafel-Vorsitzende appelliert deshalb an die Supermarktketten, über den Umgang mit Lebensmitteln und der Abgabe an die Tafeln nachzudenken. "Wir wissen von Leuten, die in den Mülltonnen wühlen und sich dort Lebensmittel heraussuchen", berichtete Elfriede Neubauer. Schon öfter hätten sie und andere ehrenamtliche Tafel-Mitarbeiter in Märkten sonnabends abends preisreduzierte Ware kurz vorm Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums gesehen. Ob diese wirklich bis Ladenschluss verkauft wird, bezweifeln sie. Diese Wurst oder der Käse zum Beispiel könnte an Tafelkunden abgegeben werden, denn - so stand es auch in dem Volksstimme-Bericht - das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum. Verbraucherschützer hatten darauf verwiesen, dass zum Beispiel Joghurt und Marmelade oft noch nach Ablauf des MHD genießbar sind.

"Unser Problem ist, dass wir sehr weit fahren müssen, um ausreichend Lebensmittel zu haben", sagte Elfriede Neubauer. Gerade jetzt, wo die Ein-Euro-Jobber nicht mehr da sind und die beantragten Bürgerarbeiter erst zum 1. April erwartet werden, sei die Lage besonders prekär. Nicht jeder traue sich, mit Fahrzeug und Anhänger zum Beispiel durch Hamburg zu fahren, um von der Tafel dort dringend benötigte Ware abzuholen. Hilfe wäre auch etwa von den Tafeln aus Verden oder Naumburg möglich, doch sind das ebenfalls weite Wege. "Woher wir Ware kriegen können, wissen wir, aber nicht immer, wie wir sie herbekommen sollen", so Elfriede Neubauer.

In der derzeitigen Situation wäre die Tafel besonders erfreut, wenn weitere Supermärkte der Region an die Bedürftigen denken und Lebensmittel abgeben würden. "Wir haben ja genug Supermärkte hier", so Gerhard Imig und hofft auf großzügigere Unterstützung - gerade in der derzeitigen Situation.

Weil die Tafel rührig ist und sich Vorratsware angelegt hat, kann sie auch mal mit anderen Tafel tauschen. Zum Beispiel Cornflakes aus Tangermünde gegen Wurst aus Waren an der Müritz. Frischware ist nicht so viel vorhanden. "Wir hatten schon einen Sonnabend ohne ein Stück Obst oder Gemüse", so Heidi Gensch.