"Drachen" heißt die neue Ausstellung in der Galerie Lange Straße 1, die an diesem Sonntag auf der Havelberger Stadtinsel eröffnet wird. Kulturberater Reinhart Richter hat sie organisiert und freut sich auf viele interessierte Besucher. Die Sechstklässler des Gymnasiums gestalten die Ausstellung mit ihren Fabeltieren mit.

Havelberg. Albrecht Dürer steht als bedeutender Künstler der Renaissance im Mittelpunkt des Kunstunterrichts in der Klasse 6. Dabei geht es auch um sein Nashorn beziehungsweise Rhinozeros, das er Anfang des 16. Jahrhunderts nach einer ungenauen Vorlage und Beschreibungen von Augenzeugen gezeichnet hatte. Zu Gesicht hatte er ein Nashorn nie bekommen. Die dicke Haut des Tieres hatte es ihm besonders angetan, weshalb er Wert auf die Oberflächenstruktur legte. Nach seiner Federzeichnung wurde ein Holzschnitt angefertigt.

Dürers Rhinozeros muss den Menschen zu seiner Zeit wie ein Fabeltier erschienen sein. Kunstlehrerin Annedore Schmidt nutzte die Vorlage des Künstlers bereits des öfteren im Unterricht. So auch in der jetzigen 6. Klasse des Gymnasiums. Sie hatten die Aufgabe, aus dem Rhinozeros ein Fabeltier zu entwickeln. Sie nutzten Teile der Fotokopie, um zum Beispiel Drachen, Saurier oder andere Phantasietiere entstehen zu lassen. So wie Dürer legten auch die Sechstklässler Wert auf die Oberflächenstruktur, setzten die vorhandene fort oder setzten neue ein. Dazu erfanden sie lateinisch klingende Namen und eine wissenschaftliche Geschichte zu ihren Fabelwesen - unterschrieben fast ausschließlich von Professor Doktor ...

Fleißig haben die 28 Mädchen und Jungen in den vergangenen Wochen daran gearbeitet. Am Dienstag beendeten sie ihre Werke. Was herausgekommen ist, können Besucher der Ausstellung "Drachen" in der Langen Straße 1 ab diesem Sonntag sehen. Denn das Thema passt zum Drachenprojekt, das Reinhart Richter, Initiator des Kulturprojektes Stadtinsel, vorbereitet hat.

"Draco Hornus Stachelus" hat Felix Rauls seinen Stachelhorndrachen genannt. Weil die Landschaft damals karg war, gibt es auf seinem Bild nur wenige Pflanzen, dafür aber einen Vulkan. "Rhinozeranus" heißt der Pflanzenfresser, den Tim Bockler angefertigt hat. "Es ist ein friedliebendes Tier, das nur zur Verteidigung ein großes Horn hat", berichtet er. "Quarsus Rhinus Hornus Vegetarus" ist der klingende Name des Fabeltiers von Elisabeth Schneider. Sie hat ein Jungtier mit seiner Mutter kreiert, das bei Sonnenaufgang vor einem Vulkan zu sehen ist. "Ich wollte, dass der Vulkan blaue Lava speit, aber alle hielten das für Wasser. Nun speit er fruchtbares Wasser", erklärt die Sechtsklässlerin.

Tiere, die leuchtende Quaddeln gegen ihre Feinde spucken können, zehn Meter lang und 100 Jahre alt werden können, im Wasser leben oder fliegen können, sind entstanden. Die Arbeit hat viel Spaß gemacht, sagt zum Beispiel Alena Bloch. Nicht nur das Entwerfen eines neuen Fabeltieres und das Zeichnen, sondern auch die Beschreibung des Tieres, so Alena.