Aus Sicht der Schatzmeisterin Jutta Krüger der "Freunde und Förderer des Wiederaufbaus der Sandauer Kirche" - so der komplette Name des Kirchturmvereins - ist das Vorjahr recht gut verlaufen. Immerhin kamen fast 35 400 Euro an Spendengeldern zusammen, war auf der Versammlung am Montagabend im Pfarrhaus zu erfahren.

Sandau. "Das Spendenaufkommen ist 2010 erheblich gestiegen", so die Sandauerin in ihrem Bericht. Der am 3. März 1996 gegründete Förderverein verzeichnet mit den insgesamt 35 396,23 Euro das vierthöchste Aufkommen in seiner Geschichte. Dadurch wurde auch der kürzlich erfolgte Einbau dreier Fenster in der Konferenzetage möglich.

Die höchste Einzelspende kam aus der Hansestadt Hamburg: Immerhin 10 000 Euro überwies ein Herr zur Weihnachtszeit, nachdem er einen Artikel über den rührigen Verein in einer Zeitschrift gelesen hatte. Der zweithöchste Posten sind die etwa 7000 Euro, die eingenommen wurden, weil die Kirche seit dem Vorjahr den Status "Radfahrerkirche" trägt. Für die Touristen müssen dazu täglich die Türen offengehalten werden, zudem steht Verpflegung gegen eine Spende bereit. Sogar zwei Paddler nutzten die Gelegenheit, die offene Kirche zu besichtigen und sich zu stärken. Sie hatten kein Geld dabei und spendeten im Nachhinein jeweils 50 Euro.

Der drittgrößte Posten an Spenden kam mit 2800 Euro wiederum aus Hamburg, die Kirchgemeinde im Stadtteil Neugraben ist seit Jahren den Sandauern freundschaftlich verbunden. Federführend bei der Organisation der Basare hier ist die ehemalige Sandauerin Ursula Dasse, ihre Tochter Gabriele unterstützt die betagte Dame dabei.

Die Sandauer Vereinsmitglieder und viele Freunde erwirtschafteten mit 2200 Euro den vierthöchsten Betrag. Basare zu Ostern und zu Weihnachten, eine Pflanzentauschbörse und Konzerte wurden dazu veranstaltet. In diesem Jahr steht ein besonderer musikalischer Höhepunkt bevor: Zu Himmelfahrt am 2. Juni wird der berühmte Organist Professor Matthias Eisenberg ab 16 Uhr ein Benefizkonzert auf dem Cembalo in der Kirche geben. Der Organist hatte die Kirche besucht und war von der Herzlichkeit der Gastgeber so angetan, dass er spontan zusagte, berichtete Peter Busse.

Erfreuliches konnte auch Vorsitzender Wolfgang Hellwig berichten: Für den Turmbau wurde von der zuständigen Arbeitsgruppe die Höchstförderung aus dem Leader-Programm bewilligt. Die 75-prozentige Förderung mit insgesamt 350 000 Euro soll auf drei Jahre aufgeteilt werden, hinzu kommen Eigenmittel in Höhe von 25 Prozent.

Der Pferdefuß bei dieser Förderung: Die Kirche muss innerhalb von drei Jahren zur Nutzung fertiggestellt werden. Doch sind dazu, wie Planer Christian Fleischhack aus Wismar errechnet hatte, insgesamt 837 000 Euro nötig. Deshalb müssen weitere Geldgeber gefunden werden, Förderanträge laufen bereits.

"Mit dieser Kofinanzierung steht und fällt das Vorhaben"

"Mit dieser Kofinanzierung steht und fällt das Vorhaben", so Wolfgang Hellwig. Ein Antrag wurde zu Lotto-Toto geschickt, hier hoffen die Sandauer auf den Höchstsatz von 75 000 Euro. Im Mai wird darüber entschieden. Ein weiterer Antrag über 40 000 Euro ging ans Landesverwaltungsamt, hier ist die Denkmalschutzbehörde gefragt. Allerdings blieb dieser Antrag versehentlich bei der Landeskirche liegen, er musste nachgereicht werden. Der Verein hat sich zudem um den Romanik-Preis sowie den Titel "Goldener Kirchturm" beworben.

In diesem Jahr hat der Verein über zehn Veranstaltungen geplant. Die nächste wäre der Osterbasar am 16. April, wobei auch wieder eine Pflanzentauschbörse stattfindet. Am 2. Juli gibt der Havelberger Kammermusikkreis ein weiteres Benefizkonzert. Und nach dem Laurentiusfest am 14. August wird Gottfried Förster, einstiger Domkantor in Havelberg, ein Orgelkonzert geben.

Einen Lichtblick gibt es beim Brandschutz, ein störanfälliger Melder im Kirchenschiff hatte des öfteren Fehlalarme ausgelöst. Mit dem Elektriker wurde nun eine Lösung gefunden.

In diesem Jahr soll der Rohbau für die nächsten beiden Turmgeschosse angeschoben werden, informierte Christian Fleischhack. Hinzu kommt der Ausbau der Ebene 1, hier fehlen noch Fußboden, Heizung und Elektrik. 2012 soll die Dachkonstruktion folgen, 2013 dann die Innenausstattung der kompletten Ebenen.