Seit März sind in Sandau und Havelberg Langzeitarbeitslose im Rahmen von Bürgerarbeit in den Kommunen aktiv. Träger des Projektes ist die Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung des Landkreises Stendal. Volksstimme-Redakteur Holger Thiel sprach mit dem Geschäftsführer Bernd Rümschüssel über die ersten Erfahrungen mit Bürgerarbeit und über die Zukunft des zunächst auf drei Jahren angelegten neuen Instrumentariums der Arbeitsmarktpolitik.

Volksstimme: Die Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung (GfAuS) des Landkreises Stendal betreut die Bürgerarbeit in Havelberg und Sandau. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen und ist es ein Mittel, um die Arbeitslosenquote im Landkreis zu senken?

Bernd Rümschüssel: Die GfAuS hat per 1. März 76 Arbeitnehmer für drei Jahre eingestellt. Am Jahresende sollen es 180 Langzeitarbeitslose sein, die Bürgerarbeit wahrnehmen. Schon diese Zahl zeigt, dass damit die Arbeitslosenquote beeinflusst wird.

Ja ich meine, bei ordentlicher Anwendung und Bereitstellung der finanziellen Mittel ist es ein guter Weg, um Langzeitarbeitslosen eine Beschäftigung zu geben. Sie erhalten Zuwendungen vom Staat und geben eine Leistung für die Gesellschaft zurück.

Volksstimme: Wie finanziert sich Bürgerarbeit?

Bernd Rümschüssel: Finanziert wird die Bürgerarbeit aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und vom Landkreis Stendal. Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter sind finanziell nicht direkt eingebunden.

Volksstimme: Wie ist das Auswahlverfahren für die Bürgerarbeit organisiert und was machen die Arbeitnehmer?

Bernd Rümschüssel: Durch einen Bildungsträger werden die Teilnehmer auf einen möglichen Einsatz im ersten Arbeitsmarkt überprüft. Bei denen, die keinen Einsatz erwarten dürfen, werden Bildungsmaßnahmen angesetzt. Die anderen gehen in Bürgerarbeit. Über den Inhalt der Weiterbildung kann ich keine Aussagen treffen.

Wir arbeiten mit den uns anvertrauten Langzeitarbeitslosen im Landschafts- und Naturschutzbereich. Damit helfen wir den Städten Havelberg und Sandau und auch Gemeinden, ihre gepflegte Flora und Fauna zu erhalten. Eine gute Sache für die Kommunen.

Dabei darf ich auf die fachlich gute Zusammenarbeit zwischen der Berufsbildungsakademie (BBA) Havelberg, dem Jobcenter Havelberg und uns verweisen. Es kommt etwas dabei heraus.

Volksstimme: Wer legt die Aufgaben fest und weshalb können Sie als Arbeitsförderungsgesellschaft bei der Bürgerarbeit im Landschaftsbereich tätig sein, im übrigen Gebiet des Landkreises aber nicht?

Bernd Rümschüssel: Die Aufgaben werden durch den Beirat zur Bürgerarbeit bestimmt. In diesem Gremium sind soziale Institutionen wie DRK und Paritätischer Wohlfahrtsverband sowie Kreishandwerkerschaft, Bürgermeister, Jobcenter Havelberg, BBA, der Landkreis und wir zusammengefasst. Vorsitzender ist der Bürgermeister der Stadt Havelberg, Bernd Poloski. Im Beirat werden die Arbeitsaufgaben abgestimmt und beschlossen. Wir stellen dann die Anträge beim Bundesverwaltungsamt Köln und nach Zustimmung durch die Bundesbehörde werden diese Projekte realisiert.

Zur Zeit arbeiten wir im Landschaftsbereich. Weitere Aufgaben, zum Beispiel für Museen und Sportvereine, sind beschlossen und beantragt. Die Genehmigungen zum 1. Mai 2011 sind noch offen.

Die Frage, ob in anderen Regionen des Landkreises auch so verfahren werden kann, wird zur Zeit geprüft. Ich hoffe im Interesse unserer Mitgliedskommunen, das sich da etwas tut. Aber das Verfahren, wie es in Havelberg praktiziert wird - alle sitzen an einem Tisch und legen die Arbeitsaufgaben fest - hat sich bewährt und sollte meiner Meinung nach übernommen werden.

Volksstimme: Die Bürgerarbeit ist also ein Modell, das erweitert werden sollte?

Bernd Rümschüssel: Wenn die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt sind, kann man das bei einer Arbeitslosenquote von über 18 Prozent nur empfehlen.