Ausbau der Ortsdurchfahrt und die Zukunft des Kindergartens gehörten zu Themen, die auf der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend in Kuhlhausen diskutiert wurden. Bürgermeister Bernd Poloski schilderte den rund 30 Gästen zunächst die Situation der Hansestadt Havelberg und warb für weiteres bürgerschaftliches Engagement.

Kuhlhausen. Die Ortsdurchfahrt in Kuhlhausen könnte voraussichtlich 2014 ausgebaut werden. Die in Jederitz ist in diesem Jahr an der Reihe, für Warnau laufen die Planungen fürs nächste Jahr. Garz soll 2013 ausgebaut werden, berichtete Bernd Poloski über die Pläne des für die Landesstraße zuständigen Landesbetriebes Bau. Das höre sich nicht so optimistisch für Kuhlhausen an, sagte Ralf Winter auf der Einwohnerversammlung. Dabei sei die Sanierung der Straße wichtig, denn zu Hause fallen fast die Tassen aus dem Schrank und von den Autos die Radkappen ab. Das Ziel sei, die Durchfahrten in den vier Ortschaften bis zur Bundesgartenschau 2015 fertigzustellen. Würden Verkehrszählungen für die Notwendigkeit des Ausbaus zugrunde gelegt, gebe es sicher andere Straßen im Land, die einen größeren Bedarf haben, sagte der Bürgermeister. Mit dem Vorhaben Buga und dem damit zu erwartenden Besucherstrom wäre der Bedarf jedoch gerechtfertigt.

Die Ortsdurchfahrt werde seit Einführung der Maut für Lkw in viel höherem Maße genutzt als zuvor, gab Steffan Warnstedt zu bedenken. "Wir liegen an einer günstigen Verbindung von Berlin in die alten Bundesländer, das nutzen die Lkw-Fahrer." Es sei nicht nur so, dass in den Schränken das Geschirr klappere, sondern es entstünden auch Risse an den Häusern. Eine Tonnage-Begrenzung wäre wichtig, ebenso ein Tempolimit. Denn von Jederitz aus kommend bremsen manche Kraftfahrer erst hinter der Friedhofsmauer.

Auf die Gefahr an der Feuerwehrausfahrt einerseits für die Fahrzeuge und andererseits aufgrund des hohen Tempos an der Auffahrt auf die Landesstraße für die Insassen der Feuerwehrautos wies Herbert Dierkes hin. Zudem berichtete er vom Grünstreifen und der Mauer seines angrenzenden Grundstückes, die Schaden nehmen. "Der Bereich wird von Bussen, Lkw und landwirtschaftlichen Maschinen mit benutzt, weil sie es müssen an dieser engen Stelle." Bei Gegenverkehr werde auch der Gehweg genutzt, ergänzte eine Anwohnerin der Havelberger Straße. Für all diese Fragen ist der Baulastträger zuständig. Die Stadt werde Anträge von Anwohnern auf Geschwindigkeits- und Tonnagebegrenzung weiterleiten an den Landesbetrieb, sagte Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich. Welche Chancen es für die Durchsetzung gebe, müsse man sehen. Letztendlich seien die Schilderungen weitere Argumente dafür, dass die Erneuerung der Ortsdurchfahrt dringend erforderlich ist.

Ein anderes Thema, das die Kuhlhausener bewegt, ist die Zukunft der Kindertagesstätte. Diese Diskussion ist noch lange nicht abgeschlossen, machte der Bürgermeister deutlich. Das Alter der Kinder von der Krippe an bis zum Hort sei sehr unterschiedlich, so dass drei Erzieherinnen notwendig wären, um die Aufsichtspflicht und die Öffnungszeiten absichern zu können. "Wir wollen den Kindergarten nicht morgen schließen, aber wir müssen uns darüber unterhalten, wie wir künftig mit der Einrichtung umgehen", sagte Bernd Poloski und erinnerte an die Vereinbarung beim Zusammenschluss zur Einheitsgemeinde, dass die Kosten pro Kind in den Kitas der Ortschaften nicht höher als die in den Havelberger Einrichtungen sein sollen. Es gebe freie Kapazitäten in der modernisierten Warnauer Kita, ebenso in Havelberg. Geplant sei eine Klausursitzung mit Sozialausschuss, Stadt, Ortschaftsrat und Elternvertretern. "Wir müssen sagen, wann die Schmerzgrenze für alle Beteiligten erreicht ist." Angesichts der schwierigen finanziellen Lage der Hansestadt schaue die Kommunalaufsicht genau auf die Kosten. Empfehlungen lauten, eine generelle Übergabe der Kitas an freie Träger zu prüfen. Zudem müsse man bedenken, dass die Mehraufwendungen von allen mitgetragen werden.

"Wir könnten es uns als Stadt einfach machen und auf den Vertrag pochen, denn dieser wird seit langem nicht mehr eingehalten", sagte der Bürgermeister. "Wir brauchen eine Kita hier im Quappenwinkel, aber ob wir auf Dauer beide brauchen, müssen wir zur Diskussion stellen." Dabei beachtet werden müsse auch die dringende Reparatur des Daches. Um Kosten für die Stadt zu sparen, würden Fördergelder beantragt. Doch müsse eine Einrichtung dann 15 Jahre Bestand haben.

Michael Ebendorf-Heidepriem zeigte Verständnis für die Nöte der Stadt, obwohl er als Vater von drei Kindern im Kindergarten- und Hortalter von einer Schließung betroffen wäre. Bei einer Zahl von unter zehn Kindern wäre die Schmerzgrenze erreicht, schätzte er. Dann wäre auch eine zweite Kraft nicht mehr finanzierbar. "Dann muss auch ich als Vater sagen, dass das Risiko zu groß ist."

Steffan Warnstedt erinnerte daran, dass die kurz vor der Wende eröffnete Kita in den vergangenen 10, 15 Jahren immer mal wieder zur Debatte stand. Ohne die Einrichtung hätte der Ort nichts mehr, was ihn hervorhebe und was junge Familien reizt, dorthin zu ziehen. Gabriele Kant pflichtete ihm bei und sagte, dass die Dorfgemeinschaft immer zum Kindergarten gestanden habe. Hauptamtsleiter Hannes Warnstedt ergänzte, dass die Kita zur Identität des Dorfes beitrage und niemand sie aus Jux und Tollerei schließen wolle. Allerdings spielen die Finanzen eine wichtige Rolle. Zum Vergleich: Für einen Kita-Platz in Havelberg beträgt der Zuschuss 115 Euro, in Kuhlhausen 200 Euro.