Reservisten der Bundeswehr mussten sich am Freitag und Sonnabend wieder die Uniform anziehen, um sich in der Havelberger Elb-Havel-Kaserne mit dem Stützpunkt für Zivil-Militärische Zusammenarbeit vertraut zu machen. Denn im Katastrophenfall würden sie in diesen einberufen.

Havelberg. Das Panzerpionierbataillon 803 in Havelberg besteht aus fünf aktiven und einer nichtaktiven Kompanie. Letztere trägt die Bezeichnung Pionierkompanie 952 und bildet mit ihrem Personalbestand die Masse der militärischen Einsatzkräfte, die im Katastrophenfall für den Stützpunkt für Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) in Havelberg zusammengezogen würden.

Oberleutnant René Ramlow, Zugführer in der Pionierkompanie 952 und einer von insgesamt 26 aktiven Soldaten, die in dieser Einheit ihren Dienst tun, stellte am Freitag und Sonnabend Reservisten der Bundeswehr den ZMZ-Stützpunkt in der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg vor. Denn im Einsatzfall würde die Kompanie mit 101 Reservisten auf dann insgesamt 127 Mann aufgefüllt. Zugleich sollten sich die eingeladenen Reservisten bei einem Kameradschaftsabend schon einmal gegenseitig kennenlernen - und natürlich auch die aktiven Soldaten der Kompanie. "Zu gegebener Zeit werden wir uns dann zu Reservistenübungen und -ausbildungen wiedersehen", kündigte Oberleutnant René Ramlow an. Aber auch zur Teilnahme an Übungen der Katastrophenschutzbehörden.

Denn selbstverständlich müssen die Reservisten auch die Technik kennen und beherrschen lernen. Zu ihrem Fahrzeugpark gehören unter anderem der Pionierpanzer Dachs sowie verschiedene Arten von Pionier-Baumaschinen und -gerätesätzen. Einen Teil davon konnten sie bei einer Vorführung am Freitag schon einmal in Aktion sehen.

16 Stützpunkte für Zivil-Militärische Zusammenarbeit gibt es derzeit in Deutschland. Nur drei davon im Pionierwesen. Weitere für Spezialpioniere, die ABC-Abwehr und den Sanitätsdienst (von letzteren existieren allein neun). Sie wurden aufgestellt, um im Ernstfall den Einsatz in enger Zusammenarbeit mit zivilen Behörden, Organisationen, Einrichtungen und militärischen Partnern der Wirtschaft zu koordinieren.

Der ZMZ-Stützpunkt für Pioniere in Havelberg ist vorrang für Einsätze zur Unterstützung der Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zuständig. Allerdings nur dann, wenn Kräfte und Mittel auf der zivilen Seite nicht mehr ausreichen, um die Gefahr einer Umwelt- oder anderen Katastrophe abzuwenden beziehungsweise ihre Folgen zu beseitigen. "Wir sind das letzte Mittel", beschrieb es Oberleutnant René Ramlow am Freitag in seinen Ausführungen vor den Reservisten.

Werden sie zu Hilfe gerufen, können die Pioniere unter anderem bei der Beseitigung von Hindernissen helfen, wasserseitige pioniertechnische Arbeiten erledigen, Sprengungen ausführen (zum Beispiel Damm, Eis, Abbruch), Behelfsdeiche, Behelfsbrücken und Wege bauen oder Dämme und Uferbefestigungen mit entsprechenden Materialien verstärken.

Eine Zeitlang befand sich der vor gut zwei Jahren aufgestellte ZMZ-Stützpunkt Havelberg wegen der Bauarbeiten in der Elb-Havel-Kaserne vorübergehend in Klietz; jetzt zieht er wieder in die Domstadt zurück.