Der Altmarkrundkurs ist vor allem eines - überarbeitungswürdig. Die Wege, auf denen Radtouristen in die sehenswerten Städte der Altmark geführt werden, sind alles andere als attraktiv oder gar einladend. Zu diesem ersten Urteil kommen 22 Studenten der Hochschule Osnabrück, die den Radweg zwei Tage lang unter die Pedale nahmen und dabei eine Vielzahl von Eindrücken sammelten. Bis Juli soll daraus ein Konzept werden, das den Rundkurs und die Region touristisch aufwertet.

Stendal. Die Reise in die Altmark führte für Dirk Manzke, Professor für Städtebau und Freiraumplanung an der Hochschule Osnabrück, über den Umweg Rumänien. Dort weilte er für eine Vortragsreise, während der er einen Altmärker kennenlernte. Ein Kontakt, der ihn in der Folge mit dem Regionalverein Altmark zusammenbrachte. Kurz darauf machten sich der Professor, sein Kollege Prof. Dr. Cort Petermann und der Regionalverein auf den gedanklichen Weg hin zu einem studentischen Projekt, den Altmarkrundkurs dem völlig unbefangenen Blick künftiger Landschaftsarchitekten und Regionalentwickler auszusetzen. Deren spontane Ideen könnten helfen, den Rundkurs weiter- zuentwickeln, so der Projektansatz.

Guter Eindruck verpufft

Seit Beginn der Woche befindet sich das Projekt mit 22 Studenten der Osnabrücker Hochschule in die Praxisphase. Sie schwangen sich am Montag in die Sättel und nahmen die Streckenabschnitte in Augenschein, an denen die Städte Stendal, Salzwedel, Gardelegen, Osterburg und Tangerhütte an den Altmarkkurs "angedockt" sind. Die erste Erkenntnis: Nicht in jedem Fall stimmt die Theorie, sprich: die Radlerkarte, mit der Praxis, also der Radwegführung überein. Nachbesserung tut Not, nicht nur in diesem Punkt. Einige der Schwächen, wenn es um die touristische Attraktivität des 500 Kilometer langen Rundkurses geht, waren schon vorher bekannt. Die Beschaffenheit einiger Wegabschnitte lässt zu wünschen übrig. Es fehlt an Gastronomie entlang der Strecke und Übernachtungsmöglichkeiten, weiß Sybille Paetow vom ILE-Management Altmark. Das zu ändern, bedürfe der Bündelung aller Kräfte in der Region, ist ihre Hoffnung.

Doch zurück zu den radelnden Studenten. Denen fiel auf, dass die Wege, über die Radtouristen in die Städte geführt werden, nicht die attraktivsten sind. Der erste Eindruck, den der Radtourist gewinnt, wird zur schlechten Werbung. Gravierendstes Beispiel: Salzwedel. Lühke Lühken, Student aus der Projektgruppe, die sich diese Stadt und deren Umland erradelten: "Da wird man durch eine schöne Lindenallee auf Salzwedel zugelenkt. Doch dieser erste tolle Eindruck verpufft, wenn man durch das Gewerbegebiet in die Stadt hineinfahren muss." Einmal in Salzwedel angekommen, herrscht aber Begeisterung pur - für die gastfreundlichen Menschen, für eine wunderbare Altstadt und für die kluge Idee, den Altmark- rundkurs ans "Grüne Band" anknüpfen zulassen.

Nahezu deckungsgleiche Erfahrungen machten die anderen vier Radlergruppen. Es gebe schönere Wege, auf denen man Radtouristen nach Seehausen, wo der Weg an leerstehenden maroden Gebäuden vorbei führt, oder nach Tangerhütte, wo der Stadtpark mit seinen beiden Fabrikantenvillen nicht auf Kurs liegt, hineinführen könnte. Was den Studenten an ihrer südlichsten Station des Altmarkrundkurses auffiel, war der Tangerhütter Ortsteil Briest mit Bismarckschem Herrenhaus und Lehrpfad in idyllischer Natur. Bestrebungen, ihn aus dem Altmarkrundkurs herauszunehmen, von denen die Studenten vor Ort erfuhren, sollten schleunigst fallen gelassen werden. Der entgegengesetzte Weg ist der richtige: Alternativrouten - von den Studenten ebenfalls erradelt - sollten in den Rundkurs aufgenommen werden. Eine solche Route sollte dann auch durch Gardelegen führen. An dieser Stadt - im Juni 2011 Gastgeber für den Sachsen-Anhalt-Tag - führt der Altmarkrundkurs derzeit schlichtweg vorbei.

Konzept folgt im Juli

Apropos Gastgeber: Das wiederum ist ein Pfund, mit dem die Altmark wuchern kann. So empfanden es die studentischen Gäste. Überall wurden sie sehr freundlich aufgenommen, hatten keine Probleme, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, lernten sie als für ihre Heimat engagierte und auf diese sehr stolze Menschen kennen.

Nicht zuletzt deshalb wollen die Osnabrücker Studenten im Rahmen ihres Projektes im Juni noch einmal in die Altmark und dann vielleicht auch mit Radtouristen ins Gespräch kommen, auf die sie in den vergangenen drei Tagen noch nicht stießen.

Beim dritten Besuch im Juli wollen sie ihr Konzept für einen attraktiveren Altmarkrundkurs dann vorstellen. Zielsetzung: Die Potenziale, die dieses radtouristische Angebot durchaus hat, herausstellen und aufzeigen, für welche Gruppen von Radtouristen es reizvoll ist.