Der von Kamern ausgehende Frau-Harke-Sagenpfad zieht immer größere Kreise. In der ersten Ausbau-Etappe plant Initiator Günter Klam vom Kamernschen KulTour-Verein, den Pfad über die Havel bis nach Stölln, nach Rathenow, zur Hünemörder-Stelle nahe Gülpe sowie zum Gahlberg bei Strodehne auszudehnen.

Von Ingo Freihorst

Strodehne/Kamern. Perspektivisch soll sich - mit Blick auf die Buga 2015 - der mystische Wanderpfad am Ende sogar bis Brandenburg erstrecken. Darüber informierte Günter Klam vor kurzem beim siebenten Touristikforum, das erstmals in einem anderen Bundesland - nämlich im brandenburgischen Strodehne - stattgefunden hatte.

Dieses Konzept wolle er auch dem Buga-Geschäftsführer Erhard Skupch in Premnitz präsentieren, so der Kamernsche. Das ist inzwischen erfolgt, der Vorschlag wurde wohlwollend aufgenommen.

Günter Klam hatte eine hölzerne Frau-Harke-Figur zum Forum mitgebracht, die er vor 25 Jahren anlässlich der 200-Jahr-Feier von Neukamern aus einem Stück Mooreiche geschnitzt hatte. So ähnlich solle auch der Aussichtsturm aussehen, den er in den Kamernschen Bergen errichten wolle.

Die Pläne mit dem Wanderpfad seien nicht neu, so Günter Klam. In den 1950er Jahren hatte es dazu in Kamern bereits erste Ideen gegeben. Auch Schollene und die Westprignitz sollen als Erlebnisräume in das Wegenetz der mystischen Art einbezogen werden.

Dass Stölln mit in den Sagenpfad eingebunden wird, kommt schließlich nicht von ungefähr. - In einer der vielen Harke-Sagen wird auch davon berichtet, wie die riesige Frau Harke die Rhinower Berge entstehen ließ: Sie hatte in ihrer Schürze Sand gesammelt und wollte damit den ihr verhassten Dom in Havelberg zuschütten. Doch beim Schwungholen rissen die Schürzenbänder und der Sand landete nahe Rhinow.

Günter Klam schweben verschiedene Übergänge des Wegenetzes über die Havel vor. So könnte neben der Havellandbrücke auch mit dem Boot wie früher nach Gülpe übergesetzt werden. Doch war Wolfgang Schwuchow, Bürgermeister der Gemeinde Havelaue - zu der auch Strodehne gehört - bei letzterem skeptisch. Die Hünemörderstelle sei ein bedeutendes Vogelschutzgebiet, was nicht so einfach durchwandert werden dürfe. Auch das Wehr am Gahlberg sei wegen des Naturschutzes nicht zu nutzen. Einen Sagenpfad, der auch Strodehne tangiert, begrüßte der Bürgermeister jedoch.

Die vor allem auf den Wassertourismus setzende brandenburgische Gemeinde Havelaue hatte einst geplant, eine Fährverbindung von Parey nach Schollene herzustellen, doch sei dies leider gescheitert: Die beiden Schollener Fährbesitzer haben keine Genehmigung, auf der Bundeswasserstraße zu fahren. Statt dessen schwimme auf der Havel nahe Schollene ein großer Schiffsanleger ungenutzt herum, kritisierte Wolfgang Schwuchow.

Maik Stampehl vom Beirat der F.U.N.-Initiative - FUN steht für Flusslandschaft Untere Havelniederung - riet, parallel zum Pfadaufbau auch Dienstleister mit ins Boot zu holen. Am 30. April um 12 Uhr werde im Rathenower Optikpark die Saison eröffnet, es gibt einen kompletten Überblick über die Wassertourismusangebote für die Havel.

Diese Initiative ist es auch, welche in den Orten an der Havel einheitliche Informationsschilder aufstellen wird. Eine Studie sei erstellt worden, dieses Jahr werde sie umgesetzt. Probleme gebe es mit der Beschilderung in den Landschaftsschutzgebieten, das könnte auch beim Harke-Pfad zum Problem werden, meinte der Redner.

Neu in der Runde waren Vertreter aus Vehlgast-Kümmernitz. Michael Thiele vom Heimatverein und Ortsbürgermeister Udo Mintus stellten ihr Tourismuskonzept vor. Demnach sollen die Ausflugsziele der Ortschaft mit Hinweisen auf Pulten ausgestattet werden, eine große Tafel in Kümmernitz informiert bereits über den Rundkurs. Vor allem Radtouristen wollen die Vehlgast-Kümmernitzer anziehen, mit dem Bahnhof Breddin sei eine gute Anbindung vorhanden.

Ein Problem sah Wolfgang Schwuchow mit der Anbindung des Radelnetzes um Vehlgast-Kümmernitz an seine Kommune. Der Knackpunkt sei für ihn die Brücke über die Dosse, die in einem sehr schlechten Zustand sei, so der Bürgermeister. Eigentlich sei die Brücke gesperrt, eine Sanierung sei mittelfristig ins Auge gefasst, erste Vorgespräche liefen dazu. Zudem lässt es sich auf dem Deich wegen der löchrigen Platten mit dem Rad schlecht fahren.

Udo Mintus erklärte, dass viele einstige Scheunen in Vehlgast ihre Bestimmung als Viehstall und Lager verloren hätten, Geld kann jetzt hier nur noch mit dem Tourismus verdient werden. Die Buga 2015 biete dafür eine große Chance. Deshalb unterstütze er auch die Havelrenaturierung, damit in dem Zuge der verschlammte Altarmstummel für Wasserwanderer wieder durchgängig gemacht wird.

Wolfgang Schwuchow verwies auf den Wasserwanderrastplatz Strodehne als Aushängeschild des Ortes. Der Platz werde von einem Verein lediglich ehrenamtlich bewirtschaftet, die Gaststätte profitiere vor allem von rastenden Kanuten und Skippern kleinerer Boote. Johanna Leue aus Warnau hatte allerdings Probleme mit dem Anlegen gehabt, kritisierte sie. Sie musste erfahren, dass sie zuvor erst eine der drei am Steg aufgeführten Telefonnummern anrufen müsse, dann werde ihr aufgeschlossen. So wolle man eventuellem Vandalismus vorbeugen.

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