Havelberg. Die einschlägigen Modemagazine geben uns für einen modisch erfolgreichen Frühling eindeutige Trends vor: Ballerinas werden von Budapestern abgelöst. Also: Schnürschuhe gehören an die Füße der Damen. Aus dem klassischen Trenchcoat wird das Cape. Jeansjacken erleben ihr Revival. Schlaghosen auf Leibhöhe, sowie Maxiröcke aus den Fünfzigern bilden einen Kontrast zu dem neuen sportlichen American College Look. Overalls und Chino Hosen laufen zu ihrer Hochform auf.

Bei all diesen ständigen Neuerungen, die jedes Quartal mit dem Erscheinen der neuen Kollektionen angepriesen werden, entsteht schnell der Eindruck, dass Menschen, die gerne mit der Mode gehen, spätestens jedes halbe Jahr ihren gesamten Kleiderschrankinhalt austauschen müssen. Es ist ein hartnäckiges Klischee, dass Mode teuer sein muss. Dabei ist es durchaus möglich, sich auch ohne dickes Konto gut und modisch einzukleiden.

Stars wie Sienna Miller, Alexa Chung und Kate Moss machen es uns vor. Anstatt sich mit den neuesten Kreationen von Gucci, Chanel oder Armani einzudecken, streifen sie lieber über Flohmärkte und durchstöbern stundenlang kleine Second-Hand-Läden. Nachhaltigkeit und ein gesunder Umgang mit dem Massenkonsum sind die Stichwörter und Vintage lautet das neue Zauberwort der Modewelt. Aus alt macht neu. Sachen, die noch vor wenigen Jahren scheinbar für immer in die hinterste Ecke des Schrankes verbannt wurden, werden jetzt wieder hervorgekramt.

Gebrauchte Sachen sind heute nicht nur ein Schnäppchen, sondern auch Trend. Was vor fast zwei Jahren mit der Rückkehr von alten abgetragenen Lederschultaschen und sogenannten Satchel Bags begann, boomt mittlerweile in allen Modemetropolen dieser Welt. An vielen Straßenecken der Großstädte gibt es mittlerweile Geschäfte mit Kleidung aus zweiter, dritter oder sogar vierter Hand. Überall schießen kleine Vintage-Läden wie Pilze aus dem Boden und finden reißenden Absatz.

Keine Scheu vor Kleidung aus zweiter Hand also. Das beweist in unserer Region auch die Kleiderkammer in Havelberg. Jeden Dienstag und Donnerstag können vor allem Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und generell Menschen mit wenig Einkommen hierher kommen und für wenig Geld verschiedenste Produkte aus zweiter Hand erwerben. "In der Kleiderkammer gibt es alles, was für den täglichen Gebrauch benötigt wird", sagt Christine Taege. So gibt es auch gebrauchte Haushaltswaren wie Geschirr oder Bettbezüge und sogar Bücher und Spielzeug für die Kinder.

Das Hauptaugenmerk aber liegt eindeutig auf der auf über drei Räumen verteilten Kleidung. Mehr als tausend Einzelstücke liegen hier in den Regalen und hängen an den Kleiderstangen. Sauber nach Größen geordnet, sind sie unterteilt in eine Herren-, Damen- und Kinderabteilung.

Die Kleidung ist hochwertig, teilweise sogar noch ungetragen und neu verpackt. "Wir achten sehr darauf, dass die Sachen, die hier abgegeben werden, auch noch tragbar sind und keine Löcher oder Flecken haben, die man nicht mehr rauswaschen kann", erklärt Christine Taege, die seit vielen Jahren die Kleiderkammer führt. Selbst bekannte Markennamen, wie s.Oliver, Tom Tailor oder Adidas finden sich hier neben nicht minder schönen "No-Brand-Sachen".

Wer hier ein wenig stöbert, wird bald fündig.

Die Volksstimme hat genau das getan und schnell wurden nicht nur tolle Outfits für die Frühjahrssaison gefunden, sondern zusätzlich auch noch bestätigt: Um sich gut zu kleiden, muss man kein Millionär sein. Egal, ob hochmodern, superbequem, elegant oder sportlich. Ob das kleine Schwarze oder ein elegantes Abendkleid für den großen Auftritt, eine schöne Jeanshose für den Alltag oder lieber etwas Legeres. Hier ist für jede Gelegenheit, für jeden Menschen etwas dabei, und wer ein Auge dafür hat, erkennt schnell: Viele der gespendeten Sachen sind dank der ständigen Mode-Revival immer wieder modern. Der Vintage-Trend funktioniert auch hier.

Für das Frühjahr 2011 sind die 50er und 70er mal wieder groß im Kommen, und wirft man einen Blick in die Kleiderkammer, so stapeln sich massenhaft 70er Jahre Schlaghosen mit hoher Bundfalte in fast allen Formen und Farben, die vor einiger Zeit ungeliebt abgegeben wurden. Ebenso wie die bis vor kurzem noch als "Oma-Röcke" verschrienen überlangen Röcke. Die in diesem Frühling plötzlich wieder als Hommage an die 50er als hochmodern hervorgekramt werden.

Durch Dinge wie diese wird aus der Kleiderkammer nicht nur ein buntes Sammelsurium an gut erhaltenen modernen und bald wieder modernen Stücken, sondern sie macht vor allem möglich, dass auch Leute mit wenig Geld sich modern und qualitativ hochwertig einkleiden können.