Mit dem "Havelberger Osterspiel" starten die Dommusiken 2011 in die neue Saison. Nach der Premiere der Wiederaufführung des mittelalterlichen Musikspiels im vorigen Jahr durch Domkantor Gottfried Förster, wird es dieses Mal von seinem Nachfolger Mike Nych geleitet. Über die Bilanz zu den Dommusiken 2010 sprach die Volksstimme mit dem Domkantor, der im November in den Ruhestand gegangen ist.

Von Andrea Schröder

Havelberg. Von den Zuhörerzahlen her gab es, wie auch in den Jahren zuvor, ein stetes Auf und Ab. Der Wunsch, dass mehr einheimische Gäste das kulturelle Angebot annehmen, erfüllt sich nicht immer. Doch gibt es traditionelle Konzerte, zu denen auch die Havelberger gern hingehen, sagt Domkantor i.R. Gottfried Förster beim Rückblick auf die Dommusiken 2010.

Fest zum Programm gehört seit mittlerweile fünf Jahren das Poetenpack aus Potsdam, das jeden August Theater im Klosterhof anbietet. 80 bis 100 Zuschauer, darunter Stammpublikum aus Havelberg, werden dazu begrüßt. "Ich hoffe, dass das Theater auch weiterhin auf dem Spielplan stehen wird, die Regelmäßigkeit ist wichtig, um Dinge zu etablieren", so der Domkantor im Ruhestand.

Fester Bestandteil im Programm der Dommusiken ist seit vielen Jahren der MDR-Musiksommer. Die "Augsburger Domsingknaben" präsentierten ein sehr gutes Konzert. "Die Qualität war ausgezeichnet, das ist ein Knabenchor, der sich sehen lassen kann", blickt Gottfried Förster zurück. Für dieses Jahr steht für den 9. Juli der Dresdner Kreuzchor bereits fest im Programm.

Auch die Musik im Kreuzgang mit den Leipziger Kammersolisten ist terminlich festgelegt: für den 18. Juni. Allerdings musste sie aufgrund des Wetters oft in den Dom verlegt werden, erinnert Gottfried Förster, weshalb diese Konzerte künftig besser Kammermusik im Dom heißen sollten. Auch hier hat sich über die Jahre ein Stammpublikum von bis zu 50 Zuhörern herauskristallisiert.

Sehr gut angekommen sind im vorigen Jahr die Posaunenklänge im Kreuzgang Anfang August und Schuberts "Winterreise" anlässlich des Totensonntags im Paradiessaal mit Volker Schwarz als Solisten. Mehr Zuhörer hätte sich Gottfried Förster zur Aufführung des Oratoriums "Die Schöpfung" von Joseph Haydn Mitte Oktober in der Stadtkirche gewünscht. Solisten, Gastchöre, Mitglieder des Bachorchesters Leipzig und der einheimische Kantatenchor waren die Akteure. Monatelanges Proben der Sängerinnen und Sänger aus Havelberg und Umgebung gehörte zur Vorbereitung.

Bei solchen großen Chorwerken zeigte sich bereits des Öfteren, dass sie von Einheimischen nicht wie gewünscht wahrgenommen werden und viel mehr Leute von außerhalb zu diesen Konzerten kommen. Dass dafür 15 Euro Eintritt bezahlt werden musste, sollte nicht die Hürde gewesen sein, denkt Gottfried Förster.

In den Sommermonaten jedes Wochenende Musik im Dom zu bieten, das war sein Ziel. Deshalb hatte er vor einiger Zeit an den konzertfreien Sonnabenden die "Orgelmusik zum Verweilen" im Dom ins Programm aufgenommen. Unterstützt wurde er dabei von seinem Sohn Andreas. Vier bis 50 Zuhörer erfreuten sich an dieser Art Musik.

"Ob es vier oder hundert Zuhörer sind - jeder kommt mit einer Erwartung in den Dom."

"Ob es vier oder hundert sind, ist aber vordergründig erstmal egal, auch die vier Zuhörer kommen mit einer Erwartung, wollen Kirchenmusik hören und vielleicht Ruhe finden", sagt der Kantor, dass er mit seiner Musik zuallererst etwas für die Menschen machen wollte.

Das trifft generell auf die Dommusiken zu. "Im Durchschnitt kann man mit der Besucherzahl zufrieden sein. Sie hängt immer auch von der touristischen Situation ab, ist das Wetter schön, sind Gäste da, dann sind auch die Konzerte gut besucht. Allein auf das Havelberger Publikum kann man nicht bauen." Für ihn sind die Dommusiken ein Bestandteil dessen, was die Kleinstadt zu bieten hat. Und Kirchenmusik im Unterschied zu anderen Konzerten zu vermitteln, ist eine wichtige Aufgabe aus Sicht von Gottfried Förster.

Um die Dommusiken bekannt zu machen, hatte er 1992 den ersten Kalender zu diesem Thema herausgebracht. Um diesen will er sich auch weiterhin kümmern. Mittlerweile schreibt dieser schwarze Zahlen und könnte in zwei, drei Jahren auch mit zur Finanzierung der Konzertreihe beitragen.

Die Orgelmusik zum Verweilen hat sich ebenfalls bewährt. "Sie kostet nichts, aber die Kollekte kommt der Orgelmusik zugute." Eine andere wichtige Einnahmequelle sind die Domführungen mit Orgelmusik. "Dieses Angebot wird sehr gut angenommen. Mittlerweile werden zwei Drittel der Führungen mit Orgelmusik gebucht", so Gottfried Förster.

Um den touristischen Bereich im Dom will er sich gemeinsam mit Manuela Schiffbauer auch in seinem Ruhestand kümmern. Die Dommusiken liegen nun in den Händen seines Nachfolgers Mike Nych.

Das "Havelberger Osterspiel" am Ostersonntag ab 17 Uhr im Dom, für das Gottfried Förster den Grundstein gelegt hat, wird vom neuen Domkantor geleitet. Diese Aufführung des lateinischen Gesangs, für die die Prämonstratenser Chorherren vor 500 Jahren die Liturgie vorgaben, wurde im vorigen Jahr zu einem großen Erfolg. Mit 30 bis 40 Zuhörern hatte der Kantor gerechnet. 140 waren es. "Das war für uns als Darsteller überwältigend."

Die Vorbereitung war nicht einfach. Schon die lateinischen Texte zu lernen, war für die Sängerinnen und Sänger eine große Herausforderung, die sie aber hervorragend meisterten. Zusammen mit dem Germanistik-Professor Dr. Martin Langner, der sich mit der Geschichte von Osterspielen befasst hat, hatte Gottfried Förster das Havelberger Osterspiel, für das die Texte zum Teil aufgearbeitet und die Musik teilweise nach alten Vorgaben neu geschrieben werden mussten, vorbereitet.

Am Ostersonntag, 24. April, wird es wieder aufgeführt. Ein Schritt in Richtung der Erfüllung des Wunsches von Gottfried Förster, dass dieses "Havelberger Osterspiel" zur Tradition in der Hansestadt wird.