USA, Ägypten, Kolumbien - Steffi Brüser aus Hohengöhren zieht es über die Austauschorganisation AFS immer wieder in die weite Welt. Ihrer Gastfamilie in einem Vorort der amerikanischen Metropole Dallas, wo sie einst als Gymnasiastin für ein Jahr lebte, hat die Studentin für Geoökologie im sächsischen Freiberg nun erneut einen Besuch abgestattet. Sie schreibt:

Ich war im Schuljahr 2003/2004 im Schüleraustausch mit der Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen im Süden der USA - in Mesquite in Texas. Damals hatte ich die 11. Klasse der Poteet High School besucht und bei der Familie Cheney Fox gelebt. Mein Gastvater hieß Robert, die Mama Cheryl und meine Schwester Hayley, außerdem gehörten vier Hunde und eine Katze dazu. Sie leben in einem kleinen Haus in einer dieser typischen Mittelklasse-Wohnsiedlungen. Es war für mich als 17-Jährige nicht leicht, sich in eine neue Familie einzuleben. Rückblickend ist es komisch, darüber nachzudenken, welch banale Dinge für Probleme gesorgt haben oder welch alberne Missverständnisse wegen der kulturellen Unterschiede entstanden waren. Und die Probleme, die zwei Teenager machen können, brauche ich wohl nicht zu erklären. Meine Gastmama hatte immer gesagt: Teenager sind wohl überall auf der Welt gleich! Dem kann ich nur zustimmen!

Nun war ich vor kurzem wieder bei meiner Gastfamilie zu Besuch. Nicht zum ersten Mal: In den zurückliegenden sieben Jahren war ich schon zweimal Gast. Aber irgendwie war es diesmal anders. Meine Gastschwester, die inzwischen verheiratet ist, hat mich mit ihrem Ehemann Chris vom Flughafen abgeholt und ich habe gleich gemerkt, dass ich wieder bei meiner Familie bin, obwohl meine Gastschwester und ich uns nie so richtig gut verstanden haben und auch viel gestritten haben. Als ich dann im Haus ankam und die Hunde alle schwanzwedelnd auf mich zugelaufen kamen, war klar: Ich bin wieder zu Hause! Leider war mein Gastpapa nicht da, denn er ist zwei Wochen zuvor nach Afghanistan aufgebrochen, um in einem Armee-Camp als Koch zu arbeiten.

Als ich im Schüleraustausch bei der Familie war, hatten wir leider nicht die Möglichkeit zu reisen und so habe ich damals leider nicht sehr viel von diesem wunderschönen und vielseitigen Land gesehen. Denn Ferien haben die Schüler in den USA eigentlich nur im Sommer. Nur eine von meinem AFS Komitee organisierte Reise für uns Austauschschüler nach New York war für mich drin. Es waren fünf wunderschöne und aufregende Tage und ich wusste schon damals: Ich will mehr von diesem Land sehen!

Also habe ich beschlossen, mit Hayley und Chris einen Roadtrip nach Arizona zu machen. Wir haben ein Auto gemietet und ab ging es 5000 Kilometer quer durch Texas, New Mexico und Arizona nach Sedona und zum Grand Canyon und von dort wieder zurück durch Utah und Colorado bis nach Dallas. Sechs Tage hatten wir Zeit für die wunderschönen Landschaften, atemberaubenden Ausblicke, netten Menschen und vielen bleibenden Eindrücken.

Ich gebe zu, dass ich, als ich mich 2002 bei AFS Interkulturelle Begegnungen beworben hatte, nur daran gedacht habe, Englisch zu lernen und etwas von der Welt zu sehen. Aber bekommen habe ich eine Familie am anderen Ende der Welt, die für mich genauso Familie ist wie meine Eltern und Großeltern, Onkel, Tanten etc. hier in Deutschland.

Es war für mich auch unglaublich schwer, von meiner US-Familie Abschied zu nehmen, die drei Wochen gingen einfach viel zu schnell vorbei und wir hatten uns schon so sehr aneinander gewöhnt! Erstaunlicherweise waren meine Schwester und ich in der ganzen Zeit unzertrennlich und haben uns nicht einmal auch nur annähernd gestritten! Auch für meine Gastfamilie war es nicht einfach, dass ich wieder gehen musste. Als ich am Flughafen wartete, habe ich noch eine SMS von Cheryl bekommen: Nun hast du mich auch zum Weinen gebracht und Hayley ist auch ganz traurig, es war schwer, dich gehen zu lassen.

Für mich steht fest, dass diese Erfahrung mir sehr viel mehr gebracht hat als nur einen schönen Eintrag in meinen Lebenslauf. Meine Erfahrungen in den USA haben mich geprägt und verändert und waren wegweisend für mein jetziges Leben. Dafür bin ich meiner Familie in den USA dankbar und vor allem meiner Familie hier, dass sie es mir ermöglicht hat. Obwohl ich manchmal glaube, sie bereuen es ein wenig. Denn irgendwie habe ich - mit den Worten meiner Mutti Bettina gesagt - Blut geleckt, und ich kann einfach nicht hier bleiben. Mich zieht es immer wieder in die Welt hinaus. Ich kann jungen Leuten nur empfehlen: Wenn ihr die Möglichkeit habt, ins Ausland zu gehen, nutzt diese Chance!