Die Fassade sieht schon richtig gut aus und auch im Innern geht es vorwärts: Die Sanierung der Domkurie D8 geht voran, auch wenn der lange Winter den Zeitplan etwas durcheinander brachte. Vom Baufortschritt überzeugten sich über Ostern anlässlich des Frühlingsfestes viele Besucher.

Havelberg. Viele Gäste aus der Stadt und von außerhalb nahmen am langen Wochenende das Angebot des Vereins "denkMal und Leben" wahr und schauten sich auf der lebendigen Baustelle der D8 um. Lebendig deshalb, weil sich Vereinsmitglieder in den Räumen und an der Fassade beim Arbeiten über die Schultern schauen ließen. So etwa beim Streichen der Fassade, beim Mauern und beim Ausfüllen der Gefache mit Lehm.

Zahlreiche Führungen fanden statt. So erklärte auch der stellvertretende Vereinsvorsitzende Norbert Kühnel gern den Besuchern, was in dem fast 300 Jahre alten Haus schon geschehen ist und wie die Arbeiten weitergehen. Das Fachwerk der Fassade ist nun komplett mit Eichenholz erneuert worden. Um 1724 wurde nur für die vordere Fassade zur Straße hin Eiche verwendet, nach hinten war es Kiefernholz. Im Treppenhaus, wo die Holzstaken in den Gefachen mit Lehm verfüllt werden, müssen die Wände aus Brandschutzgründen verputzt werden. Auch die alte Holztreppe muss raus. Von vorn aus gesehen linkerhand des Hauses wird eine Stahltreppe für einen schnellen Fluchtweg angebracht. Das Haus soll zudem einen Behindertenaufzug erhalten, berichtete Norbert Kühnel.

In der einen Hälfte des Hauses sind die Sanierungsarbeiten im Innern schon sehr weit fortgeschritten. Zahlreiche Lehmstrohsteine - alle handgefertigt - wurden bereits als zweite Schicht vermauert. Zwischen Außenwand und diesen Steinen wird Zellulosematerial eingeblasen, das zusätzlich Dämmung bringt. Ähnlich einer Fußbodenheizug funktioniert die Wandheizung an den Außenwänden, die in der D8 künftig für wohlige Wärme sorgen soll. Geheizt wird mit Holzpellets. In den Decken sind alle Lehmwickel eingebracht. Das Dach wird ebenfalls mit der Zellulosemischung gedämmt. Es ist neu eingedeckt. Die Fenster sind fast alle eingesetzt.

Museumspädagogik und Stadtbibliothek, ein größerer Raum für Versammlungen, Seminare, Lesungen und anderes mehr in der ersten Etage sowie im Dachgeschoss eine Künstler- und eine Betreiberwohnung sind geplant, so Norbert Kühnel.

Das ehrgeizige Ziel, die Kurie am 3. Oktober einzuweihen, besteht weiterhin. Dann wird in Havelberg zum Tag der Regionen eingeladen. Für den 11. Oktober gibt es schon die erste Reservierung, berichtete Vereinsvorsitzende Ute Schröter. Eine Seniorin, die zehn Jahre in der Domkurie wohnte, möchte dann ihren 93. Geburtstag im Haus feiern.

 

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