Schollene (sl). Noch ganz genau erinnert sich Otto Thiemig an seine ehemaligen Schüler, an sein Lehrerkollektiv und die anfangs nicht einfachen Bedingungen des Unterrichts in einem wenig komfortablen Backsteinhaus. 30 Jahre war er Direktor der Schollener Schule. An seinem gestrigen 90. Geburtstag gab es Glückwünsche von vielen Gratulanten, auch von den Lehrerinnen, mit denen er sich an die guten alten Zeiten erinnerte.

In Kade bei Genthin geboren und zur Schule gegangen, heiratete er 1944 seine Charlotte. Nach Kriegsende wieder daheim, bot sich die Gelegenheit, Lehrer zu werden. Zu einigen Schülern seiner allerersten Genthiner Klasse - inzwischen selbst Senioren - hat Otto Thiemig heute noch telefonischen Kontakt.

1952 zogen Thiemigs, die zwei Töchter aufzogen, nach Schollene, wo ein Direktor gesucht wurde. Otto Thiemig stellte sich der Herausforderung, unterrichtete neben all dem Organisatorischen in der Schulleitung noch Deutsch und Geografie und baute die Zentralschule auf. Zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Pferdegespann kamen die Schüler aus Ferchels und Neuwartensleben nach Schollene. "Das Essen war knapp, Unterrichtsmaterial gab es kaum - wir haben das Beste daraus gemacht." Später wuchs die Schollener Schule um Mädchen und Jungen aus dem Havelwinkel, "wir hatten im Schnitt zwischen 250 und 300 Schüler".

1982, nach 30 Jahren Arbeit als Direktor, ging Otto Thiemig in den Ruhestand. Nun hatte er Zeit für sein geliebtes Hobby, das Angeln. Vom Ufer aus oder auf dem Kahn auf der Havel genoss er die Ruhe inmitten der Natur. Diese Idylle weiß er bis heute zu schätzen. Sein Haus steht nur einen Steinwurf vom Schollener See entfernt. Diesen Frühling konnte er kaum erwarten. Denn nach einem halben Jahr, in dem Tochter Uta und ihr Mann Mario ihn nach einem Oberschenkelhalsbruch bei sich zu Hause in Eberswalde pflegten, ist Otto Thiemig kurz vor dem runden Geburtstag wieder zurück nach Hause gekommen. Ein Pflegedienst kümmert sich um die alltäglichen Dinge des Lebens, so dass der Senior gut versorgt ist. Immer an seiner Seite ist Hündin Maxi.

Den Besuch von Kollegen, Nachbarn und Bekannten zum Geburtstag hat der Senior sehr genossen. Er bedauert, dass er nun nicht mehr ganz so gut laufen kann, ("schließlich sind meine Beine ja nun auch schon ziemlich alt"), weshalb er sich über den Plausch am Gartenzaun und den regelmäßigen Besuch von Uta und Bernd sehr freut. Und an seine Geburtstagsfeier im "Haus am See" wird sich Otto Thiemig sicher auch noch lange gern erinnern.

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