Die Entwicklung der Wildschäden bereitet der Jägerschaft Havelberg Sorgen. Immer ausgedehntere Mais- und Rapsschläge, die das Wild magisch anziehen, lassen sich nur sehr schwer oder gar nicht mehr bejagen. Darüber und über weiteres wurde am Sonnabend in Klietz beraten.

Klietz. Das neue Jagdgesetz, das am 1. April des Jahres in Kraft trat, war vom Magdeburger Landtag einstimmig beschlossen worden. Das sei in anderen Bundesländern nicht immer so, informierte Dr. Hans-Heinrich Jordan, Präsident des Landesjagdverbandes, in seiner Ansprache. Auch weiterhin seien Nachtsichtgeräte oder Schalldämpfer bei der Jagd verboten, ebenso die Pirsch mit Pfeil und Bogen, vom Motorboot oder aus dem Auto heraus.

Die hohen Schalenwildbestände müssten nicht nur mit Blick auf die Wildschäden reduziert werden, sondern auch wegen der Verkehrsunfälle. Zur Vorbeugung von Wildschäden plädierte der Präsident für die Anlage von Bejagungsschneisen in den Kulturen.

Dazu sei ein Modellprojekt erfolgreich verlaufen, ergänzte Kreisjägermeister Günter Scheffler aus Scharlibbe in seinem Bericht. Doch müssten hoher bürokratischer Aufwand und Verluste für den Landwirt vermieden werden. Noch nie habe es so massive Klagen wegen der Wildschäden gegeben wie im jüngsten Jagdjahr. Oft seien diese auch finanziell nicht mehr beherrschbar - mit der Folge, dass sich für die Flächen kein Jagdpächter mehr findet. Das neue Gesetz erleichtert die Jagd - sicher auch mit Blick auf die Wildschäden.

Das neue Gesetz bringt teils neue Jagdzeiten - wie beim Rotwild - mit sich. Mit der Folge, dass diese sich in Sachsen-Anhalt und Brandenburg unterscheiden. Das sei bei den Jagden mit Gastjägern auf dem Klietzer Übungsplatz ein Problem, wie Kurt-Werner Balke vom Klietzer Bundesforstamt in seinem Grußwort mitteilte. Der Platz erstreckt sich nämlich über beide Bundesländer. Die Jagdgäste kommen aus fast der ganzen Welt nach Klietz, aus Skandinavien, Europa, den USA und Kanada. Somit sind sie auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region.

Der Förster bat die heimischen Jäger, die Jagden künftig besser abzustimmen. So müssten bei Jagden auf dem Übungsplatz auch in der Umgebung Jäger ansitzen, damit das Wild sich nicht dorthin verziehe und Schäden in der Landwirtschaft anrichte.

Kurt-Werner Balke brach auch eine Lanze für die Wölfe, die bereits ganz in der Nähe, auf dem Platz in Altengrabow, ein Rudel gegründet haben. Dieser Tage folgt der neue Wurf, die Jungtiere aus dem Vorjahr müssen sich neue Reviere suchen. In nur einer Nacht kann ein Wolf in der Region sein. Etwa 1000 Stück Schalenwild wurden dort im Jahr gerissen. "Erst klagen wir über zu hohe Schalenwildbestände, jetzt ist endlich der Prädator da", kommentierte Kurt-Werner Balke. Ein Prädator ist ein Beutegreifer oder Fressfeind. Ist ein Wolf im Revier, müsse die Jagdstrategie eben angepasst werden.

Großen Schaden beim Niederwild richten weitere Neubürger an: Mink und Waschbär. Zur Bejagung des Minks hat der Landesjagdverband aus Mitteln der Jagdabgabe 240 Fallen gekauft und auch in der Region an die Jäger verteilt.