Die Deiche an Havel und Elbe in der Region halten einem nächsten Hochwasser stand, so das Resümee von Bereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) nach der Deichschau. Am letzten Tag waren die Haupt- und Teilschutzdeiche zwischen dem brandenburgischen Voigtsbrügge, Vehlgast, Wöplitz und Havelberg geschaut worden.

Havelberg. Doch nicht alle Deiche sind gut in Schuss, war am Freitag bei der Auswertung im Hafenhotel zu erfahren: Das vergangene Havelhochwasser hat massive Schäden vor allem an den Teilschutzdeichen Lütow und Burgwall im Bereich bei Wöplitz hinterlassen. Drei große Deichbrüche von bis zu 50 Metern Länge mit enormen Materialaustrag und tiefen Ausspülungen wurden hier bei der Deichschau in der Vorwoche festgestellt.

Doch sei dies für ein solch großes Hochwasser nicht ungewöhnlich, informierte Reinhard Kürschner. Teilschutzdeiche schützen - wie der Name schon sagt - bei kleinerem Hochwasser lediglich landwirtschaftliche Flächen und werden bei solch extremen Hochwasser wie im Winter überströmt.

Allerdings kommen die Deichbrüche dem LHW nicht ganz ungelegen: Im Zuge der Havelrenaturierung war ohnehin geplant, diese Deiche zu schlitzen. Die nötige Sanierung der Deiche könnte nun also gleich mit dem Renaturierungsprojekt verbunden werden.

Reinhard Kürschner hatte sich deshalb bereits mit dem Renaturierungs-Projektleiter Rocco Buchta in Verbindung gesetzt. Geplant ist die Schlitzung eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt, der LHW will jedoch erreichen, dass diese Aktion nun in die erste, jetzt anlaufende Phase der Renaturierung vorgezogen wird. Dazu finden in Kürze Abstimmungen mit dem Projektleiter und der Naturschutzbehörde statt.

Schäden durchs Hochwasser wie Böschungsabbrüche und Ausspülungen wurden auch an den Jäglitz-Deichen bei Vehlgast-Kümmernitz festgestellt. Teilweise kamen sogar die Faschinen zum Vorschein. Im Winter waren hier - bedingt durch das relativ seltene Eigenhochwasser der Havel - enorm erhöhte Durchflüsse zu verzeichnen gewesen. "In den letzten zehn Jahren habe ich solche massive Schäden hier noch nicht gesehen", urteilte bei der Auswertung Dieter Härtwig vom Havelberger Ordnungsamt.

Allein bei den Teilschutzdeichen wären etwa 250 000 Euro zur Sanierung nötig. Auf jeden Fall wird das ausgespülte Material vom Acker geholt, die ursprüngliche Deichkronenhöhe wird mit Blick auf die Renaturierung allerdings nicht mehr wiederhergestellt.

Die geplante Deichrückverlegung bei Jederitz wird trotz der Proteste und Widersprüche der Einwohner in Angriff genommen, informierte Reinhard Kürschner zu diesem Thema. Der Petitionsausschuss des Landtages, der sich der Angelegenheit im Vorjahr angenommen hatte, hat inzwischen seine Arbeit an dem Thema beendet. Das teilte der zuständige Minister auch in einem Schreiben an den für die Region zuständigen Landtagsabgeordneten Nico Schulz (CDU) mit. Zu dieser Maßnahme existiert bereits ein Planfeststellungsbeschluss.

Kompromiss beim Jederitzer Altdeich

Einen Kompromiss konnten die Jederitzer mit ihren Protesten dennoch erreichen: Der Altdeich wird nach Fertigstellung des neuen Deiches nicht sofort geschlitzt. Zwei Jahre danach wird beraten, wer die Unterhaltungspflicht für den Altdeich erhält.

Reinhard Kürschner rechnet damit, dass in der zweiten Jahreshälfte mit ersten bauvorbereitenden Arbeiten begonnen wird. Beispielsweise müssen die Archäologen vor Baubeginn die Trasse für den Deichneubau untersuchen. Erste Bauerlaubnisverträge mit Jederitzer Flächenbesitzern liegen dem LHW bereits vor.