Mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und jeder Menge Mut für die Zukunft sind 22 Mitglieder der Stendaler Äthiopien-Kinderhilfe am Dienstag aus dem ostafrikanischen Land zurückgekehrt. Anlass der einwöchigen Reise war die Einweihung eines neuen Schulhauses, das den Namen "Stendal" trägt.

Stendal. "Wir wurden mehr als herzlich begrüßt. Es ist toll, wenn alle ¿Welcome\' rufen, wenn man die Klasse betritt", erinnert sich Detlev Pohl, Lehrer am Tangermünder Diesterweg-Gymnasium, an die Ankunft in Shafamu, einem Dorf im äthiopischen Hochland. Als einer von insgesamt 22 Mitgliedern der Stendaler Äthiopien-Kinderhilfe reiste er in das afrikanische Land, um das dortige Schulprojekt und dessen Entwicklung vor Ort zu sehen. Mit dabei hatten die Altmärker Koffer voller Geschenke: Sport, Spiel- und Schulsachen sowie Kleidung sorgten für freudige Gesichter bei den Kindern im Dorf.

Neben Grüßen des Stendaler Oberbürgermeisters überbrachten die Äthiopienhelfer auch Geld - allen voran 1000 Euro für den Bau einer Bibliothek, wichtiger Bestandteil der Schulentwicklung, wie Mitglied Jürgen Roswandowitz befindet. Weiterhin wurden 780 Euro für Personalkosten, 200 Euro für zwei Tischtennisplatten und weitere 200 Euro für zwei Esel übergeben. "Diese sollen die schweren Kanister tragen, in denen das Wasser von der 500 Meter entfernten Wasserstelle mehrmals täglich geholt wird", erklärt Gerd Engel. Denn Wasser und Essen sind nicht - wie bei uns - Bestandteile des Schulalltags. Strom gibt es in dem afrikanischen Dorf schon gar nicht.

Für die Jugendarbeit in der Region gab es weitere 200 Euro, die der stellvertretende Bürgermeister des Bezirks Welkite entgegen nahm. Detlev Pohl hatte zudem einen Wacholderbaum dabei, der zusammen mit 150 Euro an den Schulleiter der "Marathonschule" übergeben wurde. Davon sollen heimische Bäume wie Guave gekauft werden, damit die Kinder sie ernten und auch eine Art Schulgarten anlegen können. "Wir müssen unterstützen, was die Menschen vor Ort wollen", so Jürgen Roswandowitz. Nur so könne das Projekt vorangetrieben werden. Dazu trägt auch ein Solartelefon bei, das der Schule ermöglicht zu kommunizieren.

Doch der wohl größte Erfolg für die Kinder in Shafamu ist, dass sie jetzt bis zur achten Klasse gemeinsam lernen können. "Nur so haben alle einen Abschluss, der die Grundlage für eine Ausbildung bietet." Die neue Perspektive wird auch durch die geplante Bibliothek immer realer. Ein Experimentierraum soll Physik und Chemie nahe bringen.

"Wir wollen aber nicht nur Geld überbringen. Das ganze Projekt muss eine Struktur haben und darf kein Fass ohne Boden sein", meint Roswandowitz. Die Schule müsse weiterhin ihre Bedürfnisse darlegen, nur so könne nachhaltig etwas getan werden. Die Errichtung der Schule und die vielen Neuerungen haben bereits erste Eigeninitiativen in der Region hervor gerufen: die Infrastruktur wird derzeit ausgebaut. Generell zeigt sich das Schulgelände in einem schöneren Zustand als noch vor anderthalb Jahren.

Jeden Tag müssen die Kinder bis zu sieben Kilometer Schulweg zu Fuß zurücklegen. Umso besser soll es den Jungen und Mädchen dann in der Schule gehen. Wie Sport- und Deutschunterricht aussehen könnten, zeigten die Tangermünder Lehrer den Kleinen. Auch zwei Schülerinnen der zehnten Klasse kamen mit den Kindern in Kontakt. Zukünftig müsse die Stendaler Kinderhilfe die Prioritäten der Schule berücksichtigen. So gebe es zwar Hochspannungsleitungen in der unmittelbaren Nähe, aber Strom sei im Dorf noch nicht verfügbar. Trotzdessen bildet die inhaltliche und bauliche Entwicklung der Schule den zukünftigen Schwerpunkt. 500 Schüler lernen in neun Klassen im Schichtunterricht. 40 Kinder und mehr sitzen meist in einem Klassenraum. "Unser Ziel ist es, die Qualität der Schule zu verbessern, den Betrieb aufrecht zu erhalten", so Gerd Engel. Dafür werden auch weiterhin kräftig Spenden gesammelt.