Die Tage der alten Sero-Scheune in der Amtstorstraße in Havelberg sind gezählt. Der Stadtrat hat am Donnerstag den Abriss beschlossen. Eine Entscheidung, die nicht bei jedem auf Zuspruch stößt.

Havelberg. Intensiv hat sich der Havelberger Verein "denkMal und Leben" für den Erhalt der alten Sero-Scheune in der Amtstorstraße eingesetzt. Pläne wurden entwickelt, wie das Gebäude im Domgebiet im Zusammenhang mit der Domkurie D8 genutzt werden kann. Der Verein hatte einen Kaufantrag an die Stadt gestellt und vor kurzem zu einer Info-Veranstaltung eingeladen, bei der die Absichten vorgestellt wurden. Ziel war es, dazu beizutragen, das geschlossene Areal der Domfreiheit zu erhalten.

Auf der Stadtratssitzung am Donnerstag stand der Beschluss zum Abriss der Scheune auf der Tagesordnung. Den Räten lag zudem eine Tischvorlage von diesem Tag vor, in der die Vereinsvorsitzende erklärte, dass der Verein von seinen Kaufabsichten zurücktritt. "Kräftemäßig bekommen wird das nicht gestemmt", sagte Ute Schröter im Gespräch mit der Volksstimme und ergänzte, dass sich der Verein derzeit auf die D8 konzentriert. Dass der Abriss der Scheune somit nicht verhindert werden kann, bedauert sie sehr. Ebenso auch der Bauplaner der D8, Jan-Ludwig Bauditz, wie er in einer E-Mail an die Volksstimme schrieb: "Ich finde es bedauerlich, wenn es Menschen in der Stadt gibt, die mit bürgerschaftlichem Engagement versuchen, die Besonderheiten der Stadt zu retten und die Stadträte keine Alternativen suchen."

Den Versuch, Zeit zu bekommen, um eine Alternative zu finden, hatte Stadtrat Lothar Krater, Vorsitzender der SPD-Fraktion, noch unternommen. Er sagte auf der Sitzung, dass mit dem zu fassenden Beschluss eine Aussicht auf Wiederverwendung für die Scheune nicht mehr besteht, "das hat sich dann endgültig erledigt". Er plädierte dafür, den Beschluss auszusetzen und jemanden zu suchen, der das Konzept des Vereins oder ein anderes umsetzen könnte. "Wir haben doch verschiedene Beispiele in der Stadt, dass totgeglaubte Gebäude wieder aufleben können. Damit meine ich nicht nur die D7 und D8, sondern auch den alten Lokschuppen. Wir hätten noch ein, zwei Jahre Zeit für Vorschläge und könnten die Scheune, wenn es keine Alternativen gibt, immer noch rechtzeitig bis zur Buga abreißen. Ich weiß nicht, warum so gedrängelt wird", so

Lothar Krater. Einen Antrag stellte er nicht, er verkündete lediglich seine Ansicht.

Doch stand er mit seiner Meinung in dem Gremium so ziemlich allein da. Hans-Peter Lazar (CDU) wies darauf hin, dass seit 2007 mehrere Beschlüsse gefasst wurden, mit dem Ziel, "die Scheune zu entsorgen". Der Beschluss sollte nun gefasst werden. Mehr gab es nicht mehr in der Diskussion am Donnerstagabend. 13 Stadträte stimmten für den Abriss, einer dagegen, zwei enthielten sich der Stimme.

Der Beschluss bezieht den Abriss der alten Konsumbaracke mit ein. Dieser stand allerdings nie zur Debatte. Die Stadt hatte die Grundstücke gekauft, um eine Verbesserung der Stadtansicht erreichen zu können. "Um einer Folgenutzung des Grundstückes alle Möglichkeiten offenzuhalten, soll vorerst nur die Raumkante zur Amtstorstraße mit einer Hecke abgeschlossen werden", heißt es im Beschluss.

Im Gespräch mit der Volksstimme hatte Bürgermeister Bernd Poloski nach der Ratssitzung erklärt, dass er einer der wenigen gewesen sei, die sich für den Erhalt der Scheune ausgesprochen hatten, wenn es dafür einen potenziellen Investor gibt, der in die Verantwortung geht und das Gebäude bis zur Buga auf Vordermann bringt. "In dem Augenblick, wenn es denjenigen nicht mehr gibt, kann man nicht weggucken und alles so lassen wie es ist. Das darf keine unendliche Geschichte werden." Er habe deshalb bewusst für den Abriss gestimmt.

Zum Frage des Denkmalschutzes in der Domfreiheit sagte der Bürgermeister, dass die Scheune an sich keinen denkmalpflegerischen Wert besitze, weder von ihrer Historie noch von ihrer Bauausführung und Architektur. Die sogenannte Raumkante, die sie in dem Dombereich bildet, lasse sich mit anderen gestalterischen Elementen sichtbar machen.