Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Blumen blühen - und doch ist Friedrich-Wilhelm Mewes nicht so ganz zufrieden, wenn er durch seinen Garten geht.

Fischbeck. "Die Weintrauben sahen so gut aus. Doch fast alle haben den Frost nicht überlebt, schade! Und die Erdbeeren stehen auch nicht so besonders, im Winter war es zu kalt, es haben sich nur wenige Früchte gebildet. Der Frost Anfang Mai hat ihnen zum Glück nicht geschadet." Auch die Kartoffeln, die in vielen Gärten in den kalten Nächten Ende vergangener Woche schwarz geworden sind, haben keinen Schaden genommen. Aber nur, weil sich der Fischbecker viel Mühe gemacht hat. Die Pflanzen, die er am 1. April bereits in Blumentöpfen vorgezogen in die Erde gebracht hatte, deckte er aufwändig mit Folie ab. "Am 1. Juni gibt es Pellkartoffeln mit Quark", freut sich der Senior schon. Das ist aber nicht die erste Ernte 2011, die er und seine Frau sich schmecken lassen werden. "Den ersten Kopfsalat aus dem Gewächshaus haben wir schon gegessen." Er öffnet die Tür zu dem gläsernen Häuschen und holt die eingetopften Tomaten- und Paprikapflanzen heraus. "Tagsüber stelle ich sie raus unter den Nussbaum. Aber nachts kommen sie wieder rein. Das ist mir mit den Nachtfrösten noch zu gefährlich, ich traue dem Frieden nicht. Auch wenn das in der vergangenen Woche wohl die Eisheiligen waren, kann immer noch etwas kommen. Ich warte bis zum 15. Mai, dann kommen die Pflanzen raus."

Skeptisch sieht sich der Senior die Süßkirschen an. Verfroren sind sie zwar nicht, "aber die Kirschfruchtfliege hat bereits ihre Eier abgelegt, aus denen dann bis zur Reife die schönen dicken Raupen werden". Chemisch behandeln will Friedrich-Wilhelm Mewes die Schädlinge nicht. "Die Blau- und die Kohlmeisen brüten und holen sich das Futter für die Jungen ja direkt aus dem Garten, das würde dem Nachwuchs nicht guttun." Bereits ausgeflogen sind die beiden jungen Ringeltauben. "Es ist ein herrliches Schauspiel, der Mutter zuzugucken, wie sie das Futter ganz gerecht unter den beiden aufteilt."

Auch wenn der Garten viel Arbeit macht, so hat der Fischbecker doch immer noch viel Freude an seinem Hobby. "Abends setze ich mich hin und genieße es, den Vögeln zuzusehen oder die Fische in den Teichen zu beobachten. Auch wenn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alles so ordentlich und in Reih und Glied steht wie vor ein paar Jahren, macht die Gartenarbeit immer noch viel Spaß."

Wenn dann die Zeit der Ernte beginnt, haben nicht nur Mewes\' Freude an frischem Obst und Gemüse, sondern auch Nachbarn, Freunde und auch Nutzer der Stendaler Tafel, an die der Fischbecker auch gern etwas abgibt.