Am Donnerstag, 12. Mai, starten die Tarifverhandlungen zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Delipapier GmbH in Arneburg. Die Forderung lautet, den Flächentarifvertrag Papier Ost durchzusetzen und eine stufenweise Angleichung zu erwirken.

Arneburg. Bisher schauten die 270 Beschäftigten der Delipapier GmbH der Gruppe Sofidel in Arneburg auf die Zellstoff Stendal GmbH, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihrem Werk im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) befindet. Dort einigte man sich Anfang März auf die schrittweise Angleichung an den Flächentarifvertrag Papier Ost bis 2015. Zuvor hatten die dortigen Mitarbeiter ihren Forderungen mit Warnstreiks Nachdruck verliehen.

Ab dieser Woche soll es auch für die Mitarbeiter bei Delipapier ernst werden. Am kommenden Donnerstag nimmt die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern der Delipapier GmbH auf. "Wir hoffen auf eine Angleichung an den Flächentarifvertrag Papier Ost", erklärt die Betriebratsvorsitzende Kerstin Klieckmann. Die Flächentarifverträge der Papierindustrie sowie die stufenweise Angleichung an das Tarifniveau sind die Ziele der Verhandlungen.

Wie Erhard Koppitz, Bezirksleiter und Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), die auch die Zellstoff Stendal GmbH betreut, mitteilt, wird am Donnerstag zunächst zu klären sein, ob die Verantwortlichen bei Delipapier "diesen Weg mit uns gehen wollen." Die "grundsätzliche Bereitschaft in Tarifverhandlungen zu treten", gilt es bei diesem Termin im IGPA auszuloten und eine Gesprächsbasis auf Augenhöhe zu erreichen.

Die Beschäftigten des Unternehmens erwarten eine bessere Vergütung ihrer Arbeitskraft. Seit 2006 produziert das Unternehmen in Arneburg. Der Stand des Arbeitslohns hat sich für die Mitarbeiter seitdem aber nicht verändert, sagte Kerstin Klieckmann. Das Entgeltniveau liegt bei etwa 70 Prozent des Flächentarifvertrage. Der Betriebsrat hat seit langem Gespräche mit der Geschäftsführung gesucht, sie aber abgebrochen, weil es zu keiner Einigung kam. Infolge dessen, forderte sie die IG BCE zur Verhandlungenaufnahme auf.

Manteltarifvertrag und Angleichung des Lohns

Dass Verhandlungen notwendig sind, macht Klickmann an einem Beispiel deutlich: "Bei uns arbeiten Mitarbeiter im Schichtdienst und müssen zum Amt laufen und Hartz IV beantragen, um ihre Familien versorgen zu können." Wie sie mitteilt, stehen die Kollegen hinter dem Betriebsrat und wollen einen Tarifvertrag.

Fernerhin soll es, soweit es zu weiteren Gesprächen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern kommt, auch um den Manteltarif, also die allgemeinen Arbeitsbedingungen, gehen, erläutert Koppitz im Volksstimme-Gespräch. Unter anderem wollen sich Geschäftsführung und Gewerkschaft dabei über Arbeitszeiten oder Urlaubstage verständigen.

Zur Einstimmung auf den "Arbeitskampf", den Beginn der Tarifverhandlungen, gab es am Sonnabend das "Tariffeuer" - einem Familienfest, zu dem die IG BCE die Delipapier-Arbeitnehmer und deren Angehörige einlud.

Zu Gast waren Mitarbeiter der Zellstoff Stendal GmbH, die sich mit ihren Kollegen von Delipapier solidarisch zeigen und sie bei ihren Verhandlungen unterstützen wollen. Ebenso waren im März die Delipapier-Beschäftigten beim Warnstreik vor den Toren des Zellstoffwerks dabei.

Die Delipapier GmbH in Arneburg ist ein renommierter Hersteller von Hygienepapieren in Deutschland. Dort werden unter anderem Küchenrollen, Taschentücher, Toiletten- papier und andere Papiersorten hergestellt.