Havelberg (as). Der Havelberger Sebastian Maslow ist vom japanischen Kobe aus wieder in seiner Wahlheimat Sendai angekommen. Seine Wohnung, die nach dem Erdbeben unbewohnbar war, kann er wieder nutzen. Die Schäden wurden repariert. In den nächsten Tagen will sich der 28-Jährige um die Spendenaktion kümmern, die er gemeinsam mit dem Rotary Club und der Volksstimme in Havelberg ins Leben gerufen hat.

Gut 9000 Euro sind bereits auf dem Spendenkonto eingegangen (siehe Kasten). Er will vor Ort prüfen, wo Spendengelder zum Einsatz kommen könnten.

In Havelberg findet zugunsten der Erdbebenopfer am 28. Mai ein Benefizkonzert statt. Squeezebox Teddy, der letzte lebende Troubadour, wird unter anderem mit irischem und schottischem Folk im Domhof für gute Unterhaltung sorgen.

Wie die aktuelle Lage in Sendai ist, hat Sebastian per E-Mail an die Volksstimme geschrieben:

"Seit einigen Tagen bin ich wieder in Sendai und die Erde bebt noch immer - selbst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe. In der Innenstadt sind die Schäden des Erdbebens natürlich noch zu sehen. Gebäude wie etwa der Hauptbahnhof der Stadt sind verhüllt, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen. In den Cafés hört man Menschen reden, man fragt: Wo warst du am 11. März? Wie hast du das Erdbeben erlebt? Wie geht es deiner Familie?

Die vergangene Woche war gefüllt mit Feiertagen - der traditionellen ¿Golden Week\'. Menschen in ganz Japan verreisen. In diesem Jahr hat die Katastrophe viele Japaner aus dem ganzen Land in die Krisenregion gezogen, um den vielen tausenden freiwilligen Helfern dabei zur Hand zu gehen, die Trümmer entlang der zerstörten Küste zu beseitigen und die Menschen vor Ort zu versorgen.

An den Abenden der vergangenen Tage war Sendai gefüllt mit Menschen verschiedenen Alters und Herkunft. Mit schweren Rucksäcken und anderem Gerät auf den Rücken, kam man in der Innenstadt zusammen, trank und erzählte.

Die Stimmung in der Stadt, wie auch im ganzen Land, ist hell und optimistisch. Man blickt nach vorn, stellt sich auf die beschwerlichen Jahre des Wiederaufbaus ein.

Jeder Hoffnungsschimmer wird gefeiert. Am 29. April wurde die Shinkansen-Strecke zwischen Tokio und Tohoku wieder vollständig in Betrieb genommen. Tausende Menschen feierten auf den Bahnhöfen und entlang der Strecke, begrüßten die Züge und ihre Passagiere. Jeder Zug trägt die Worte ,Tsunageyou Nippon\' (Japan verbinden) und ,Ganbarou Tohoku\' (Gibt nicht auf Tohoku). Im ganzen Land, auch in Kobe, macht man sich auf diese Weise gegenseitig Mut. Hier und da liest man Sätze wie ,kokoro ni hitotsu, Nippon\' (Japan im Herzen vereint).

Gleichwohl man in den japanischen Medien keine Bilder der unmittelbaren Katastrophe mehr sieht, liest man nun die vielen Berichte der Menschen, die vom Tsunami getroffen wurden und um ihr Leben kämpften. Zu erfahren ist von Kindergärten, die von den Fluten überrascht wurden und Kinder in den Tod riss. Behörden legen in Turnhallen die aus den Trümmern geborgenen persönlichen Gegenstände wie Fotoalben aus, mit der Hoffnung, ihre Besitzer werden sich finden.

Der Aufbau beginnt erst. Und die Folgen sind noch immer nicht abschätzbar.

Der Stand am 4. Mai: Das Erdbeben und der Tsunami forderten bisher 14755 Tote, 10705 Menschen gelten weiterhin als vermisst. 125550 Menschen leben auch zwei Monate nach dem verheerenden Unglück in mehr als 2500 Notunterkünften. Mit Blick auf das havarierte AKW in Fukushima gibt es kaum Neuigkeiten. Gehofft wird auf eine stabile Kühlung in sechs bis neun Monaten. Natürlich sind die Langzeitfolgen der Katastrophe für die Region und vor allem für die Landwirte verheerend."