Bewohner von elbnahen Orten hatten in den letzten Monaten oft Wasser im Keller zu stehen - besonders schlimm war dies in Sandau. In Wulkau erwischte es in diesem Jahr Heinz-Joachim Katzur: Das Kellergeschoss seines Eigenheimes an der Gänsekuhle hatte er zum Wohnraum ausgebaut, weshalb der Schaden besonders hoch gewesen ist.

Von Ingo Freihorst

Wulkau. Auch die biologische Kläranlage der Familie war samt Elektronik über Wochen ausgefallen. Hier zahlte zum Glück die Versicherung.

Allerdings sei bei seinem Wasserschaden menschliches Eingreifen die Ursache, berichtete der Wulkauer. Er wohnt seit 1995 in diesem Haus, aber so etwas hatte er bislang noch nie erleben müssen.

Wulkau hatte bis zur Wende ein funktionierendes Grabensystem besessen. Ein Graben führte direkt vor seinem Haus entlang von der Dorfstraße hin zum Trübengraben. Doch mit dem Bau der Kühlwasserleitung zum geplanten Kernkraftwerk bei Arneburg wurde kurz vor der Wende der Graben auf 230 Metern Länge zugeschüttet. Sonst könnten dort keine Baumaschinen fahren, hieß es als Begründung. Und - so ganz nebenbei - wurde auch noch die naheliegende Aaskuhle zugeschüttet, ein recht großes Gewässer, in dem unter anderem Schilfrohrsänger und Moorenten lebten.

Kurz hinter Wulkau hört der Graben nun abrupt auf, das Oberflächenwasser aus großen Teilen Wulkaus kann nicht wie früher in den Trübengraben abfließen. Als das Wasser in Katzurs Keller lief, stand dieser Graben randvoll. Überdies hätte dieser auch eine Grundräumung dringend nötig, so der Wulkauer, der zu DDR-Zeiten selbst als Baggerfahrer in der Melioration tätig war. Durchlässe sind bereits versandet und arg marode, Weißdornbüsche aus einem wilden Garten wachsen in den Graben hinein, die Böschung ist teils abgesackt, in der Sohle stehen Binsen.

Drängwasser droht dem Wulkauer auch von der anderen Seite, hier hatte sich einst eine mehrfach größere Gänsekuhle befunden als sie sich heute präsentiert. Auf Veranlassung des damaligen LPG-Vorsitzenden sollte das Gewässer Mitte der 1970-er Jahre ganz verschwinden, doch hatte Walter Bathe sich in letzter Minute für dessen Erhalt eingesetzt. Früher hatten die Wulkauer hier Wasser für den Friedhof geholt, auch diente das Gewässer als Löschwasserspender. Heute ist der Rest-Teich kaum noch zu erkennen, so verlandet ist er. Auch als Sammler fürs Oberflächenwasser, was er früher ebenfalls war, kann er nun nicht mehr dienen. Vor einiger Zeit hatte die damals noch selbständige Gemeinde Wulkau die Renaturierung der Gänsekuhle geplant, doch fehlte bislang das Geld dafür. Allerdings ist das Projekt nicht aus den Augen verloren, versicherte Kamerns Bürgermeister Klaus Beck auf Nachfrage.

Zugeschoben wurden damals auch die zur Elbe führenden Gräben auf der Wiese von Konrad Ziemann. Hinter der Bundesstraße werden deren Reste noch gepflegt. Überhaupt wurde die Dorfstraße gut entwässert, wozu neben den Gräben in den Feldern auch Dränagerohre verlegt worden waren.

"Die Menschen früher wussten genau, wo die Gräben verlaufen müssen, das kann man heute doch nicht einfach ignorieren", so die Meinung von Heinz-Joachim Katzur. Weil dies aber leider so geschah, muss er nun sein Haus aufwändig isolieren und zusätzlich mit Dränagerohren sichern.

Am dringendsten für ihn ist die Wiederherstellung des zum Trübengraben führenden Grabens. Die dabei anfallende Muttererde könnte beim Deichbau sinnvoll verwendet werden, so seine Idee. Als Ausgleichsprojekt für den Naturschutz könnte zudem neben der Gänsekuhle auch die Aaskuhle wieder hergestellt werden - der Grundstücksbesitzer habe jedenfalls nichts dagegen.

Den Graben wieder durchgängig zu machen hat auch die Gemeinde beantragt. Drei Gräben um Wulkau sollen wieder ertüchtigt werden, beantragte der Rat in einem Antrag ans Land. Unklar ist derzeit aber noch, woher das Geld dafür kommen soll. Ein extra Förderprogramm wird es dafür nicht geben, hieß es von Seiten der Landesregierung. Statt dessen sollen es die Unterhaltungsverbände richten. Doch denen fehlt das Geld dafür.

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