Ergebnisse des Stadtentwicklungskonzeptes mit Blick auf den Einzelhandel speziell auf der Stadtinsel haben am Mittwochabend im Rathaussaal im Mittelpunkt gestanden. Die Stadt Havelberg hatte zum dritten Mal innerhalb von gut zwei Jahren solch eine Veranstaltung organisiert. Rund 30 Einzelhändler und interessierte Havelberger nahmen teil, etliche Stühle blieben - im Gegensatz zu vorherigen Veranstaltungen - leer.

Havelberg. Intensive Bewerbung der Oberstadt, Aufbau einer regelmäßigen Kommunikation der Einzelhändler, Abschaffung der Parkgebühren, Einrichtung eines Lebensmittelanbieters an der Uferstraße mit Durchgang zur Langen Straße und Festlegung des Einzelhandels im Bebauungsplan der Stadt, um Fachgeschäfte auf der Stadtinsel zu schützen. Das sind die Empfehlungen aus dem Stadtentwicklungskonzept, für das die Berliner Büros conceptfabrik und Consilium GmbH den Bereich Einzelhandel erarbeitet haben. Marc Schwade und Holger Scheibig hatten bereits Ende 2008 den sogenannten Quick Check zu diesem Thema gemacht. Am Mittwoch stellten sie Ergebnisse von Befragungen, Analysen und ihre Empfehlungen im Rathaus vor.

Sie zeigten die Stärken und Schwächen der Altstadtinsel auf. Im Vergleich zur Oberstadt punktet sie mit einer Vielzahl an Fachgeschäften, die durch guten Service Kunden anziehen. Magneten sind die beiden Banken und die Drogerie. Negativ ist, dass es keinen größeren Lebensmittelanbieter und Fleischer gibt.

Prozentual ausgewertet wurde, wo die Havelberger was kaufen und wie viele davon auf der Stadtinsel. Zum Beispiel kaufen 90 Prozent der Havelberger Gesundheits- und Pflegeprodukte in der Hansestadt, die Hälfte davon auf der Stadtinsel. Bei Bekleidung und Accessoires nutzen 30 Prozent der Havelberger die Angebote in der Stadt, davon wiederum die Hälfte die auf der Stadtinsel. Bei Uhren, Schmuck und Optik sind es immerhin 80 Prozent, die in der Altstadt einkaufen. Alleinstellungsmerkmal hat die Berufsbekleidung, was für eine Stadt wie Havelberg nicht typisch ist. Dagegen fehlt es an Sportbekleidung und einer größeren Schuhauswahl

Ein sehr hoher Wert wurde im Bereich Hobby und Verschenken erreicht. 60 Prozent der Havelberger kaufen dies in ihrer Stadt - auf der Stadtinsel. "Das erklärt sich daraus, dass in der Altstadt Lebensmittelspezialitäten, Spielsachen, Bücher, Telekommunikation, Foto und Computer Alleinstellung haben", so Marc Schwade.

Fachgeschäftskompetenz, hochwertige Produkte und guten Kundenservice gibt es auch zum Beispiel bei Bekleidung, Raumausstattung, Haushaltswaren, Kleinelektrowaren und Unterhaltungselektronik. Wichtig sei es für die Zukunft, die Magneten zu erhalten und einzelne Segmente auszubauen. Die Voraussetzungen vom Angebot her sind gut auf der Stadtinsel, bescheinigten Marc Schwade und Holger Scheibig. Wichtig sei es, Kunden auf die Angebote aufmerksam zu machen. Da spielt Marketing natürlich eine große Rolle.

"Ihre wichtigsten Kunden wohnen in der Oberstadt", sagte Holger Scheibig. "Die große Kunst ist es, sie wieder zu gewinnen." Zielgruppen sind außerdem Einwohner aus den Umlandgemeinden - auch im Brandenburgischen, Soldaten in der Bundeswehrkaserne und Touristen. "Im Sommer sollten Sie richtig Bambule machen und die Touristen nutzen. Sortimente für Touristen gehören schon in die Schaufenster."

"Fachgeschäfte mit Qualität, Beratung und Service sind das Alleinstellungsmerkmal hier."

Zu Marketinginstrumenten sagte Holger Scheibig, dass einzelne Werbeaktionen für die Stammkundenbindung gut sind, jedoch nicht dafür, Neukunden zu gewinnen. Anzeigen in der Presse, am besten als gemeinsame Werbung mehrerer Händler zu bestimmten Themen, seien wirksamer. Ganz wichtig sei das Internet. Am besten unter einem Design als Stadtinsel mit Verlinkung zur Stadtseite. Er riet zu Plakatwänden, um auswärtige Besucher auf die Stadtinsel aufmerksam zu machen, etwa an der Brache in der Uferstraße. Oder an einer Hauswand - zum Beispiel für Besucher auf dem Domplatz, die auf die Stadtinsel schauen und sehen "Ihr könnt hier auch einkaufen", so Holger Scheibig. Infotafeln an zentralen Stellen könnten ebenso über die Angebotspalette auf der Stadtinsel informieren wie Einkaufsführer, die etwa in Hotels, Pensionen, Gaststätten, Arztpraxen, Touristinfo, Kaserne ausliegen. "Für Havelberger und Besucher."

Feste zu nutzen und die Geschäfte zu öffnen, sei eine gute Möglichkeit, Kunden auf sich aufmerksam zu machen. "Ganz wichtig sind aber eigene Marketingaktionen des Einzelhandels. Zum Beispiel ein Abendshopping, da gibt es nur positive Resonanz aus Städten, die das machen", berichtete Holger Scheibig. "Der Umsatz an dem Abend ist nicht besonders groß, dafür aber in den nächsten ein, zwei Wochen." Verkaufsoffene Sonntage und einheitliche Öffnungszeiten sind weitere Empfehlungen. Ebenso die Bildung einer Marke mit der klaren Botschaft Einkaufen in der Innenstadt Havelberg und eines Logos mit hohem Wiedererkennungswert. "Fachgeschäfte mit Qualität, Beratung und Service sind das Alleinstellungsmerkmal hier."

Dienstag und Mittwoch hatten die beiden Fachleute genutzt, um sich nach den ersten Besuchen vor gut zwei Jahren wieder in der Stadt umzuschauen und mit Händlern zu sprechen. "Wir waren extrem positiv überrascht, dass Sie alle noch da sind", sagte Marc Schwade. In den Gesprächen damals habe sich das anders angehört. In der Diskussion (siehe nebenstehenden Text) war allerdings einiges an Frust und Resignation bei Händlern herauszuhören.