Nach aufwändiger Sanierung der Risse im Mauerwerk wird die Melkower Kirche in wenigen Tagen wiedereingeweiht. Würdiger Anlass sind zwei Jubiläen: 30 Jahre Marionettenbühne "Märchenvogel" und 20 Jahre Geschichtskreis im Kirchspiel Wust-Wulkow. Anfang Juni gibt es vier festliche Tage mit Angeboten nicht nur für GuM-Mitglieder, sondern für alle Geschichtsinteressierten aus nah und fern.

Melkow. Geschichtskreis und Marionettenbühne haben sich in den 90er Jahren zu "GuM" vereint, die Leitung hat Pfarrer i.R. Karl-Heinz Stephan aus Großwulkow inne. GuM hat es sich zur Aufgabe gemacht, sechs romanische Dorfkirchen im Kirchspiel Wust-Wulkow zu erhalten. Aktuelles Projekt ist die Sanierung der Risse in der Melkower Kirche. Nachdem Spezialfirmen hier bereits im vergangenen Sommer tätig waren, erfolgen gegenwärtig restliche Arbeiten wie das Verputzen der ausgebesserten Risse und abschließend das Weißen der Wände. Denn zur Wiedereinweihung am Sonnabend, dem 4. Juni, soll sich die Melkower Kirche wieder ansprechend und einladend zeigen und künftig für Veranstaltungen verschiedenster Art genutzt werden. Auch die Sommerschule wird dort im Juli mit Veranstaltungen zu Gast sein.

Vor 30 Jahren, als die Wuster Kirche nach einer von Jugendlichen begonnenen Rettungsaktion wiedereingeweiht werden konnte, fanden sich Konfirmanden zusammen, die mit Hannelore Stephan Marionetten bauten und vor ihren Eltern spielen wollten. Damit war die Marionettenbühne "Märchenvogel" aus der Wiege gehoben. Zehn Jahre später gründete sich aus den ersten Kirchenführern der Geschichtskreis, denn es kamen immer mehr Besucher nach Wust, um die gerettete Kirche anzuschauen.

Auftakt der Veranstaltungen anlässlich beider Jubiläen ist am 2. Juni in der Kleinwulkower Kirche ein Nachmittag, bei dem sich alles um die Missionare aus dem Jerichower Land des 19. Jahrhunderts und den Darjeeling-Tee dreht. Natürlich gibt es dazu den weltbekannten Tee und englisches Gebäck. Musikalisch geht es abends in der Sydower Kirche weiter, in der ebenfalls unter GuM-Regie die Risse im vergangenen Jahr saniert wurden. "Mystische Klänge zur Nacht" sind in einem Konzert unter Leitung von Toralf Klein mit Liedern alter Meister wie Bach und Schubert und ganz modernen Liedern von Popstar Sting zu hören. Am Freitag, dem 3. Juni, gibt es ab 15 Uhr in der Wuster Kirche einen Vortrag mit Bildern über den Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I.

Abends kann man in der Melkower Kirche das Theaterstück "Die Sprache der Vögel", aufgeführt vom "Ensemble Theatrum" aus Hohenerxleben, erleben.

Der Sonnabend beginnt am Vormittag mit der Vollversammlung des GuM, auf der wieder über ein Jahr ehrenamtlicher Arbeit Rechenschaft abgelegt wird und die Mitglieder auch die Pläne für die weitere Arbeit beraten.

Nachmittags geht es dann an der Melkower Kirche weiter. Ein Gottesdienst mit Pfarrer Enders eröffnet die Feierlichkeiten anlässlich der Wiedereinweihung. Anschließend gibt es ein Konzert des Rossini-Quartetts mit Gästen. Das Ensemble war bereits im November 2010 in der Kirche zu Wust aufgetreten und bekundete, gern wieder in eine der romanischen Kirchen des GuM kommen zu wollen.

Um 18 Uhr gibt es einen Empfang in der Kirche und drei Ausstellungen eröffnen. In der Ersten geht es um die Puppenbühne "Märchenvogel", die einen Einblick in 30 Jahre ihres Bestehens mit Puppen und Kulissen gibt. Ausstellung Nummer 2 stammt vom Sydower Hobbyfotografen Hartwin Ebel, der Bilder von den Bauarbeiten in der Melkower und auch in der Sydower Kirche gemacht hat und sie nun der Öffentlichkeit präsentiert. Sie sind ein gutes Zeugnis, wie aufwändig es ist, Kirchen zu sanieren. Bei der dritten Ausstellung handelt es sich um Bilder der Berliner Künstlerin Gudrun Möckelmann - bekannt von der Wuster Sommerschule.

Eine öffentliche Nachtvorstellung der Marionettenbühne ab 21 Uhr in Briest mit dem Märchen "Vom Fischer und seiner Frau" beschließt den festlichen Tag.

Auf den Abschluss am Sonntag freuen sich vor allem die Mädchen und Jungen der "Jungen Gemeinde" im Kirchspiel. Unter Leitung der Gemeindepädagogin Annett Komorowski studieren sie das Stück "Die grausame Tat - ein Historienspiel" ein. Darin geht es um den Raubmord am Großwulkower Pfarrer Sievert im Jahr 1828. Ihm zu Ehren hängt eine metallene Gedenktafel an der Südwand der Großwulkower Kirche St. Anna. Die Gedenktafel hat im Laufe der Jahre stark gelitten und wurde vom Rost zernagt. Dem Berliner Innensenator Dr. Erhard Körting fiel sie bei seinem ersten Besuch in Großwulkow auf. Mit Hilfe seiner Spende konnte die Tafel restauriert werden. Herr Dr. Körting wird sie am 5. Juni nach dem Historienspiel einweihen.

Die Organisatoren - GuM wird von den Bewohnern der sechs Orte, ansässigen Firmen und vielen freiwilligen Helfern unterstützt - hoffen, dass es ein Wiedersehen mit Mitstreitern aus vergangenen Tagen gibt und viele Interessenten aus nah und fern kommen, um gemeinsam mit den GuM-lern die Ergebnisse von 30 Jahren ehrenamtlichem Engagement zu feiern.