Aus den gelben Rapsfeldern schwindet langsam die Farbe - die Blütezeit geht zu Ende. Und damit auch die emsige Arbeit der Bienen, die nach dem Winterschlaf nun wieder von Blüte zu Blüte fliegen, um Honig zu sammeln. Der Umzug zu den Robinien steht nun an.

Klietz. Schlüpfschleier und Handschuhe schützen Imker Wolfgang Glaser, als er Mitte der Woche die Bienenkästen am Rapsfeld nahe Hohengöhren kontrolliert. Weil es in den letzten Wochen sehr trocken war, sind die Pflanzen schnell abgeblüht, "der Ertrag wird wohl nicht ganz so wie erhofft", vermutet der Klietzer.

Schon als Kind half er seinem Vater Franz und dem Onkel Johann, wenn sie sich um die Bienen kümmerten - es war für ihn auch eine Selbstverständlichkeit, dieses Hobby neben seinem Beruf als Bäckermeister auszuüben. Jetzt im Ruhestand hat er mehr Zeit dazu. Acht Völker besitzt er, "bis zum Jahresende will ich zwei weitere aufbauen. In den letzten zwei Jahren hatte ich Pech, denn von meinen 15 Völkern sind nur drei übriggeblieben, weil der Befall mit der Varroamilbe wie bei vielen anderen Imkern auch zum Absterben der Bienen geführt hat".

Während drei Völker vom Wagen in Glasers Garten in der Genthiner Straße direkt am Klietzer See aus zu ihren Ausflügen starten, werden die fünf Völker in Kisten dorthin gebracht, wo die gewünschte Blüte gerade ansteht. Nach Obstbäumen, Raps und Robinie folgen die Linde und ab August die Heide auf dem Schießplatz. "Der Heidehonig ist herb, aber beliebt. Der Raps dagegen ist ein recht heller Honig, der schnell hart wird und deshalb nicht ganz so viel gekauft wird", erzählt der 61-Jährige.

Zu DDR-Zeiten sei die Imkerei auch wegen der guten staatlichen Förderung ein lohnenswertes Zubrot gewesen, "heute ist das nicht mehr so. Und es ist auch ein zeitaufwändiges Hobby. Deshalb gibt es leider auch so wenig Nachwuchs". Mit Sorge betrachtet Wolfgang Glaser die Entwicklung bei den Imkern, "im Altkreis Havelberg gibt es etwa noch 15 Bienenzüchter, etliche davon sind über 80 Jahre alt". Ihn freut, wenn sich Naturfreunde für die Imkerei entschließen, so wie der Klietzer Wolfgang Neumann. Ob sein Sohn Cornelius einmal Vaters Bienen übernimmt? "Er hilft mir hin und wieder, wenn es die Arbeit in der Backstube zulässt. Aber wer Arbeit hat, hat kaum Zeit, sich der Imkerei zu widmen. Denn gerade im Frühling und Sommer ist das Hobby schon sehr zeitintensiv."

Wünschen würde sich der Klietzer, dass auch die Politik einsieht, wie wichtig die Bienen für das Leben der Menschen sind. "Wenn es keine Bienen mehr für die Bestäubung der Blüten gibt, hat das unabsehbare Folgen. Viel mehr Landwirte als bisher müssten beispielsweise an den Rändern der Äcker sogenannte Blühstreifen lassen, auf denen Kornblumen wachsen können."

Welcher Honig Wolfgang Glaser am besten schmeckt? "Linde und Heide. Morgens auf einem warmen Brötchen - einfach ein Gedicht! Und an den Kaffee kommt auch ein halber Löffel."