Überwältigend groß war das Interesse an der historischen Modenschau, zu der das Prignitz-Museum am Sonntag eingeladen hatte. Im Dom ließen Mitarbeiter und Freunde Personen aufleben und erklärten, wer was warum zu welcher Zeit getragen hat.

Havelberg. Ein weißes Kopftuch zu tragen, war der Wendin nicht erlaubt, schließlich war sie keine getaufte Christin. Und in den Dom hätte sie auch nicht gedurft. Doch am Sonntag war alles ein bisschen anders, als längst verstorbene Personen am und im Havelberger Dom wieder zum Leben erweckt wurden. Antje Reichel begrüßte das Volk auf dem Domplatz in der Kleidung einer Wendin. Ihr Volk hatte gegen den Dombau gekämpft, doch zog es den Kürzeren und 1170 wurde das Gotteshaus geweiht. Als Pilgerin mit Hut und Stock kam Sabine Ball des Wegs, gerade war sie in Bad Wilsnack und hatte schon viel über Havelberg und die Domherren gehört. Klar, dass sie in den Dom wollte.

Die beiden Museologinnen hatten anlässlich des Internationalen Museumstages am Sonntag unter dem Motto "Kleider machen Leute" zusammen mit Mitarbeitern und Freunden diese Modenschau vorbereitet. Rund 150 kleine und große Gäste erfuhren an verschiedenen Stellen im Dom viel Interessantes zur Bedeutung von Kleidung und drumherum noch anderes aus der Geschichte.

Am Grabstein auf der Westseite im Dom begrüßte der Propst, Prämonstratenser und Rechtsgelehrte Gerhard von Rodevoß (Lars Kripke), der bis 1463 lebte, die Besucher. Die Bischöfe hatten in Erlässen festgelegt, was die Domherren zu tragen hatten und was nicht. Rote und grüne Stiefel oder gar Holzschuhe waren verboten. In einem hübschen Renaissancekleid trat Sophia Hedwig von der Streithorst (Simone Techel), die "heilige Hausfrau" des Domherren Reimar von Karstedt, vors Publikum. Als Knabe aus der Glasmalerei "Hochzeit von Kana" um 1400 zeigte sich Robert Techel. Ein Lebemann war Ritter Christoph von der Schulenburg (Ralf Dülfer). 15 Kinder hatte er aus erster, 12 aus zweiter Ehe. Zwei seiner Söhne waren Domherren in Havelberg, sein erstgeborener Sohn Lewin sogar Propst.

Matthäus Ludecus beziehungsweise Matthias Lüdke (Thomas Friedrich) gab sich mit seiner Tochter Blandina (Michaela Weis) ein Stelldichein. Natürlich in der schwarzen Samtrobe eines Gelehrten, einem Barett und dem weißen Mühlsteinkragen. Er wurde 1573 evangelischer Dechant und führte neue Messbücher und Statuen ein.

Dass Jungfrauen im Gegensatz zu verheirateten Frauen ihr Haar offen tragen durften, zeigten Monika Hanitzsch und Simone Dülfer. Als Steinmetz-Geselle um 1400 zeigte sich Eyko Pohland. Sein Meister hat am Lettner mitgewirkt. Die Bildhauer durften sich dort mit verewigen. Juden mussten in dieser Zeit einen spitzen gelbfarbenen Hut tragen, Max Tietze zeigte dies.

Im Chorraum - früher dem normalen Volk nicht zugänglich, gab Bischof von Wöpelitz (Thomas Zohm) einen Blick auf seine mit 460 Edelsteinen verzierte Mitra. Und Klosterkoch Georg (Jürgen Zohm), im Dom ebenfalls in Stein gemeißelt, lud mit dem Burschen (Leo Zohm) zu Kostproben aus der Klosterküche ein.

Bevor im Museum der zweite Teil der Modenschau mit Pestarzt, Begine, Weinbauer, Fischer und Kleidung aus Renaissance, Rokoko und Biedermeier begann, ließen sich die Besucher Nonnenküsschen- und pfürzchen, Zar-Peter-Brot, Domherrnschmaus und Bettlersuppe schmecken.

   

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