Heute ist der 90. Geburtstag von Kurt Henschel. Der Havelberger Maler hat seine Stadt geprägt und war weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geehrt. Zu Ehren ihres vor drei Jahren verstorbenen Mannes hat Waldtraut Henschel ein Schaufenster in seinem Geburtshaus gestaltet. Das Prignitz-Museum zeigt ab 16. Juli eine Sonderausstellung.

Havelberg. "Dies Haus ist mein und doch nicht mein, wird nach mir eines andern sein, war vor mir eines andern schon und bleibet stehn, geh ich davon. Dies Haus sei all zu meiner Zeit dem Fleiße und der Kunst geweiht, und Liebe gehe für und für von Herz zu Herz durch jede Tür!..." Dieser Hausspruch des Österreichers Josef Weinheber war Leitfaden im Hause Henschel über viele Jahre. Gestern ergänzte Waldtraut Henschel die Ausstellung in einem der Schaufenster um eine Tafel mit diesem Spruch. Sie steht am Rande einer Sammlung, die die Geschichte des Hauses in der Langen Straße 34 ebenso widerspiegelt wie das Leben ihres im Juni 2008 verstorbenen Mannes Kurt Henschel.

Sein Handwerkszeug wie die Staffelei mit einem seiner Bilder und oben drauf sein Hut, Pinsel, Mischpalette und Farben sind ausgestellt. Zudem Fotos, die ihn als Maler, Museumsleiter und Lehrer sowie als Unterhalter am Klavier, der er gelegentlich war, zeigen. Fotos und Zeichnungen geben zudem Einblick in die Chronik des Hauses, das seit hundert Jahren der Familie Henschel gehört. Es ist das Geburtshaus des Malers. Ein Foto zeigt ihn 1928 mit seinem Bruder. Ein anderes das Fachwerkhaus zur 1000-Jahr-Feier Havelbergs 1948. Kurt Henschel hatte das Haus dafür gestrichen und festlich geschmückt. Danach wurde es "brutal umgebaut", wie Waldtraut Henschel berichtet. "Mein Mann war damals nicht zu Hause, er war in Berlin." Als Denkmalpfleger, der sich immer für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzte, erfolgte der Umbau nicht in seinem Sinne.

Die Lange Straße 34 war viele Jahre lang Fleischerei und Vorkosthandlung, in der sich auch eine Gastwirtschaft befand, später nutzte die HO die Räume. Nach der Wende zog ein Bekleidungsgeschäft ein, jetzt ist ein Optiker dort. Eines der Schaufenster hat Waldtraut Henschel gemeinsam mit Christine Rattay und Antje Reichel zu einer kleinen Ausstellung gestaltet.

Kurt Henschel hat sich in vielerlei Hinsicht für seine Stadt engagiert und hat sie mit seinen Bildern weithin bekannt gemacht. Er liebte die roten Ziegeldächer auf der Stadtinsel. Von seinem Atelier aus hatte er immer einen guten Blick auf die Altstadt. Die Leser der Havelberger Volksstimme hat er über viele Jahre zu Weihnachten und/oder Neujahr mit einem gemalten Gruß erfreut. Dabei vergaß er nie den kritischen Blick auf die Geschehnisse in der Stadt. Kunst und Kultur waren seine Wegbegleiter. Dabei hatte er auch immer den Denkmalschutz im Auge. Dom und Klosteranlage lagen ihm am Herzen. Zuletzt machte er sich für den Erhalt der Domkurie D8 stark.

Wo sein Lebenswerk, das neben einer Vielzahl an malerischen und zeichnerischen Werken sowie Grafiken auch schriftliche Selbstzeugnisse, museale Fachpublikationen und zahlreiche Fotografien umfasst, einmal endgültig aufbewahrt wird, steht noch nicht fest. Das Prignitz-Museum aber wird mit einer Sonderausstellung zum 90. Geburtstag des Malers sein Lebenswerk würdigen. Sie wird am 16. Juli eröffnet. "Die Bilder dafür sind bereits ausgesucht", sagt Waldtraut Henschel.

Heute Nachmittag gibt es am Grab von Kurt Henschel auf dem Stadtfriedhof ein Gedenken. Wer sich mit ihm verbunden fühlt, ist eingeladen, daran teilzunehmen. Treff ist um 14.30 Uhr, so Waldtraut Henschel.

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