Die Einheitsgemeinde hat an Einwohnern verloren. Während einige Ortschaften und Ortsteile hinzugewinnen, verliert die Mehrzahl. Und Klötze fällt erstmals unter die 5000er-Marke.

Klötze. Bürgermeister Matthias Mann hat während der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwoch die neuesten Einwohnerzahlen aus seiner Verwaltung vorgestellt. Wie in den Jahren zuvor hat sich der Trend auch mit Gründung der Einheitsgemeinde nicht geändert: Die Kommune verliert an Einwohnern (siehe Grafik).

Immerhin konnten einige kleinere Ortschaften und Ortsteile einen Einwohnerzuwachs oder wenigstens eine gleichbleibende Zahl an Bewohnern verzeichnen. Der Zuwachs an Einwohnern um 8,3 Prozent in Nesenitz relativiert sich aber beim Blick auf die Größe des Ortsteiles, wo statt 36 Einwohnern Ende 2009 nun 39 Einwohner gemeldet sind. Ebenso verhält es sich beim prozentualen Zuwachs um 7,7 Prozent in Altferchau – gewachsen ist die Bevölkerungszahl um zwei Einwohner von 26 Altferchauern auf 28 Altferchauer. In absoluten Zahlen am meisten Einwohner hinzugewinnen konnte Hohenhenningen mit neun Einwohnern mehr als im Vorjahr – das entspricht einem Zuwachs von 6,2 Prozent –, dicht gefolgt von Immekath, wo Ende 2010 acht Menschen mehr lebten als im Jahr zuvor. Das macht einen Zugewinn von 1,4 Prozent.

Ganz anders allerdings sieht das bei der Mehrheit der Dörfer und auch in der Stadt Klötze aus: Spitzenreiter ist in diesem Punkt Neuendorf: Von hier waren zum Jahresende 22 Einwohner weniger in der Stadtverwaltung gemeldet als noch ein Jahr zuvor. Damit hat das Dorf mit 12,2 Prozent nahezu ein Achtel an seiner Einwohnerschaft verloren.

Prozentual folgen in dieser Kategorie Rappin und Ristedt auf den Verliererplätzen mit Verlusten von 8,1 und 6,5 Prozentpunkten.

Vergleichsweise moderat wirkt der Rückgang der Einwohnerzahl in Klötze um 1,9 Prozent. Angesichts der Größe der Stadt ist dies mit 94 Einwohnern weniger dennoch der höchste Wert in der Einheitsgemeinde. Erstmals ist damit übrigens die Zahl der Klötzer unter die 5000er-Marke gefallen – was im Klötzer Ortschaftsrat am Donnerstag bei der Bekanntgabe für ein Raunen sorgte.

Ein gutes Abbild im Kleinen mag das Dreierdorf aus Wenze, Quarnebeck und Trippigleben bieten: Während die ersten beiden verlieren – um 3,4 und 0,5 Prozent – gewinnt Trippigleben gering um 0,6 Prozent hinzu.

Insgesamt machen diese Zahlen einen Bevölkerungsverlust von 1,6 Prozent in der gesamten Einheitsgemeinde aus. Grund für den Rückgang der Bevölkerung ist neben dem Wegzug von Menschen in erster Linie die Differenz zwischen Neugeborenen und Verstorbenen: Die Stadtverwaltung registrierte gegenüber 65 Geburten im vergangenen Jahr 138 Sterbefälle.

Dass der Trend sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen wird, legen die Prognosen des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt nahe (siehe Tabelle). In den kommenden 15 Jahren ist demnach mit einem weiteren Bevölkerungsrückgang um ein Fünftel für die Einheitsgemeinde zu rechnen.

Wie gravierend sich damit auch die Lebensbedingungen in der Einheitsgemeinde verändern werden, zeigen dabei weniger die absoluten Gesamtzahlen, als vielmehr andere Werte. Das Statistische Landesamt prognostiziert nämlich für das Jahr 2025 einen Rückgang des Bevölkerungsanteils derer, die jünger als 20 Jahre sind, um zwei Prozent im Jahr 2008 von 16,6 auf 14,6 Prozent. Ebenfalls abnehmen werde im gleichen Zeitraum der Anteil derer, die zwischen 20 und 65 Jahren alt sind: Dieser werde um 8,6 Prozent von 61,1 auf 52,5 Prozent sinken. Ansteigen werde im Vergleich von 2008 auf das Prognosejahr 2025 hingegen der Anteil derer, die 65 Jahre und älter sind: Von 22,3 auf 32,9 Prozent wird ihr Anteil an der Bevölkerung um 10,6 Prozent zulegen.

Weniger werden für mehr arbeiten müssen

Insgesamt wird laut den Statistikexperten damit der Anteil der Nichterwerbsfähigen im Verhältnis zu den Erwerbsfähigen zwischen 20 und 65 Jahren von 63,6 Prozent auf 90,4 Prozent steigen. Dieser Wert sagt aus, dass auf jeden im erwerbsfähigen Alter ein Mensch kommt, der aus dem Berufsleben ausgeschieden ist oder in dieses noch nicht eingetreten ist. Das Verhältnis von 1:1 wäre bei einem Wert von 100 Prozent erreicht. Nichts an dieser dramatisch wirkenden Entwicklung dürfte dabei der Umstand ausmachen, dass im Jahr 2025 der Prozess der Anhebung des Renteneintrittalters im vollen Gange ist: Nach den derzeitigen gesetzlichen Regelungen wird nämlich im Jahr 2025 jeder bis ins Alter von 66 Jahren und zwei Monaten als erwerbsfähig gelten.

Infokasten: Prognose für die Zukunft

Dass die Einheitsgemeinde Klötze auch in Zukunft an Einwohnern verlieren wird, wird an einer Berechnung des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt deutlich. Zuletzt wurden dessen Daten am 3. Januar aktualisiert. Nach den Landeszahlen wird Klötze bis zum Jahr 2025 insgesamt 2135 Einwohner verlieren, was einem weiteren Bevölkerungsrückgang von einem Fünftel entspricht.

Jahr gesamtM.F.

2011 10 65253095343

2012 10 50552305275

2013 10 36951565213

2014 10 23150825149

2015 10 09650095087

2016 995949345024

2017 982148604961

2018 968147854896

2019 954047104830

2020 939446344760

2021 924645564691

2022 909544764619

2023 893843934544

2024 877943104469

2025 865642484408

Quelle: 5. Regionalisierte Bevölkerungsprognose 2008 bis 2025 des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt