Seine 43. Auflage feierte das Männerfrühstück am Sonnabend und zum ersten Mal machte die Traditionsveranstaltung in Rohrberg Station. Mit Erfolg: Knapp 100 Männer aus der gesamten westlichen Altmark erlebten einen interessanten und unterhaltsamen Vormittag mit Vorträgen, Gesprächen, Musik und einem üppigen Frühstücksbüfett.

Rohrberg. Einen solchen Andrang wie am Sonnabendvormittag hat das traditionelle Männerfrühstück selten erlebt. Erstmals in der zehnjährigen Geschichte der Veranstaltung lud der Freundeskreis um den Ellenberger Jörg Bieber nach Rohrberg ein, wo der kleine Saal des Landgasthofs Alter Bahnhof aus allen Nähten platzte. 80 Anmeldungen lagen den Organisatoren vor, doch zu Beginn der Veranstaltung waren die Tische zwar fast komplett besetzt, die Schlange am Eingang nahm dennoch nicht ab. Zusätzliche Tische und Stühle mussten herangeschafft werden, damit alle der am Ende fast 100 Besucher Platz hatten.

Jörg Bieber begrüßte die Besucher und kündigte gleich mehrere Premieren an. "Wir sind zum ersten Mal in Rohrberg, einige von ihnen feiern ihre Premiere als Besucher des Männerfrühstücks und erstmals müssen wir das Treffen ohne Musik beginnen", erklärte der Ellenberger. Aufgrund eines Krankheitsfalls musste der vorgesehene Musiker absagen. Doch ganz brauchten die Besucher auf die auflockernden Klänge dann doch nicht verzichten. Boas Vogel und Jörg Bieber sprangen kurzerhand mit Trommel und Gitarre ein und intonierten den bekannten Gospel "Josua fought the battle of Jericho" ("Josua kämpfte die Schlacht von Jericho"). Später griff auch noch Peter Conzendorf zur Gitarre und präsentierte eines seiner Lieder, in denen es um das Überwinden von Grenzen und die Freiheit ging.

Bevor die Vorträge begannen, stand zunächst eine ausgiebige Stärkung auf dem Programm. Das Team des Landgasthofs hatte ein üppiges kalt-warmes Frühstücksbüfett vorbereitet, das für jeden etwas bereithielt. "Das Frühstück gehört bei unserer Veranstaltung dazu, ebenso wie die Gespräche und Diskussionen mit Freunden", erläuterte Jörg Bieber.

Moderne Schnitzeljagd mit GPS vorgestellt

Zu diskutieren gab es nach den beiden Vorträgen des Vormittags denn auch reichlich. Zum einen stellte Klaus Rose aus Dönitz sein außergewöhnliches Hobby vor, das er seit einigen Jahren zusammen mit seinem Sohn betreibt. Es nennt sich Geocaching und ist eine moderne Variante der aus Kinderzeiten bekannten Schnitzeljagd. In unterschiedlich großen Behältnissen werden kleine Schätze in der Natur versteckt, die dann mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden können. Die geografischen Daten, wo sich die Verstecke (die sogenannten Caches) befinden, sind im Internet veröffentlicht. "Allein in Deutschland gibt es bis zu 400 000 Caches, 125 000 davon in einem Umkreis von 100 Kilometern um meinen Heimatort Dönitz", berichtete Klaus Rose.

Auf die Schatzsuche kann jeder gehen, der angemeldet ist und über die entsprechende technische Ausrüstung verfügt. "Sinn ist es, den Leuten die Gegend schmackhaft zu machen und sie an Orte zu führen, wo sie mit einem normalen Reiseführer nicht hingelangen", so Rose. Zudem komme man raus in die Natur und sitze nicht nur stur vor dem Computer.

Über das Thema "Grenzen bewahren - oder grenzenlos sein" machte sich Dr. Günther Riedel in seinem Vortrag Gedanken. Der Uelzener Kinderarzt und Vater von vier erwachsenen Töchtern fragte zunächst nach dem Wert von Grenzen in Zeiten der globalen Vernetzung. "Man kann im Netz immer alles von überall aus machen. Doch wem geht man da womöglich ins Netz?", meinte der 57-Jährige angesichts der Flut von persönlichen Daten, die mancher im Internet von sich preisgibt und die nicht selten zu Werbezwecken missbraucht werden. Ziehe man für sich selbst Grenzen, könne man zwar nicht so viel machen, andere aber auch nicht mit einem selbst. "Grenzen definieren unsere Identität und Zuständigkeit, und zwar körperlich, seelisch, geistig und sozial betrachtet", erklärte Riedel.

Rohrberg künftig stets zweiter Gastgeberort

Aber auch die eigenen Grenzen an Kraft und Zeit sollten richtig eingeschätzt werden. Wer stets die Bedürfnisse anderer erfüllt, wird früher oder später "außer sich" sein, warnte der Referent. Sein Appell: "Sagen Sie ja zum Nein und das besten Gewissens!"

Besonders Männer würden sich neben dem Berufsalltag noch vielerlei Erwartungen gegenüberstehen, sei es in Familie, Haus, Garten und Ehrenamt. "Viele können nicht nein sagen, weil sie Angst haben, andere zu verletzen oder nicht mehr geliebt zu werden. So machen sie immer weiter, bis sie nicht mehr können", berichtete Riedel. Diese Abwärtsspirale könne durchbrochen werden, wenn es jemanden gebe, "für den ich bedeutend bin, auch wenn ich nein sage, der mich liebt, ohne dass ich etwas leiste". Das ist für den in einer christlichen Gemeinde und dem Verein "Christen im Gesundheitswesen" engagierten Arzt Gott. "Wer glaubt, kann im Wissen, geliebt zu sein, entspannter mit Erwartungen anderer umgehen und er sagt guten Gewissens ja zum Nein, wenn er eine Aufgabe nicht übernehmen will", ist sich Günther Riedel sicher.

Der Vortrag führte in der Männerrunde zu angeregten Diskussionen, in deren Rahmen etliche der Anwesenden von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Thema Grenzen und persönlicher Überforderung erzählten.

Fest steht schon jetzt: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass das Männerfrühstück in Rohrberg Station macht. "Künftig werden wir die Veranstaltung im Wechsel in Salzwedel und Rohrberg anbieten", kündigte Jörg Bieber an. Termin des nächsten Treffs ist der 9. April in der Gaststätte "Eisen-Karl" in Salzwedel. Rohrberg ist dann im Juni wieder Gastgeber.

   

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