Das Projekt "Rubin\'s Colors" und eine eigene Ausstellung unter dem Titel "17. Juni - Gemini": An diesen beiden Vorhaben arbeitet der Hilmsener Künstler Hans Molzberger derzeit.

Hilmsen l Salzwedeler Neuntklässler sind im Juni und Juli eingeladen, sich mit dem Projekt "Rubin\'s Colors" auseinanderzusetzen. Die Pestalozzi-, die Jeetzeschule und die Comenius-Ganztagsschule hätten ihr Interesse bereits signalisiert, sagt Künstler Hans Molzberger aus Hilmsen. Angefragt worden sei auch im Jahngymnasium und in der Lessing-Ganztagsschule. Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt unterstützt das Angebot, das der Verein Atelierhaus Hilmsen unterbreitet. In dieser Woche sei der Kooperationsvertrag unterschrieben worden, berichtet Hans Molzberger, der die Projekttage leiten wird. "Wir möchten mit Salzwedel anfangen, weil das meine Heimat ist", betont der Hilmsener.

Was verbirgt sich hinter "Rubin\'s Colors"? "Das Projekt ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen jüdischen Kinder gewidmet, die von den Nationalsozialisten ermordet worden sind", antwortet er. Die Geschichte, die sich hinter den Stolpersteinen in Salzwedel verberge, solle den Jugendlichen ebenso nahegebracht werden wie die gleichnamige Ausstellung, die der Künstler mit seinem Freund, dem Holocaust-Überlebenden Rubin Samelson, geschaffen hat.

Projekttage mit Schulen

Diesen lernte der Westaltmärker in den USA kennen, wo er seit November 2008 an der Houston Baptist University im Bundesstaat Texas lehrt. "Mich hat das Leben von Rubin Samelson tief beeindruckt. Als Jugendlicher musste er mit seinem Bruder in verschiedenen polnischen Fabriken Glas herstellen und Metall verarbeiten, ist dann zuerst ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt worden und hatte das Glück, die Strapazen zu überleben. 1945 ist er in Colditz befreit worden", erzählt Hans Molzberger. Im Januar 2013 sei Rubin Samelson 86-jährig verstorben. Jedoch habe er die Eröffnung der Ausstellung, die es in einer amerikanischen und einer deutschen Variante (in Deutschland war sie im Vorjahr in der Zeitkunstgalerie Halle und in Colditz zu sehen) gebe, noch erleben können.

Hans Molzberger hat sich von Rubin Samelson dessen Lebensgeschichte erzählen lassen und diese per Video aufgenommen. Diese spannende Erzählung sei Teil der Ausstellung - für Deutsche, die das Englische nicht hundertprozentig beherrschen, sogar mit Untertiteln versehen.

Sein Freund, der im Jahr 1996 zu den Mitbegründern des Holocaust-Museums in Houston gehörte, habe ihm zudem von den Schmetterlingen erzählt, die er und viele andere als Erinnerung an die ermordeten jüdischen Kinder geschaffen haben. Denn diese hätten, den Tod vor Augen, Schmetterlinge in die Wände geritzt, in der Hoffnung, aus der Hölle entfliehen zu können. "Mit den Salzwedeler Schülern möchte ich in Hilmsen solche Schmetterlinge herstellen. Diese können die jungen Leute selbst gestalten und als Erinnerung an den Projekttag mit nach Hause nehmen", blickt er voraus.

Ihm sei wichtig, dass sich die Heranwachsenden mit den Themen Holocaust und Nationalsozialismus aktiv auseinandersetzen. Ende Mai werde es übrigens eine Auftaktveranstaltung für "Rubin\'s Colors" geben, die dann vermutlich im Salzwedeler Hanseat stattfinden soll. Der Künstler hofft, dass das Projekt in den nächsten Jahren auch für andere Schulen angeboten werden kann.

Neben der Lehrtätigkeit an der Houston Baptist University, an der der Hilmsener Skulptur und Keramik unterrichtet, wird er intensiv an seiner Personalausstellung arbeiten. Diese heißt "17. Juni - Gemini" und soll am 17. Juni in der Salzwedeler Mönchskirche eröffnet werden. "Ich bin an einem 17. Juni geboren und dadurch Zwilling. Deshalb lag das Thema nahe", verrät er mit einem Schmunzeln.

Nicht identische Zwillinge

Er sei dabei, sich mit identischen und nicht identischen Zwillingen näher zu beschäftigen. So könnten sich die Besucher auf zwei Trabis freuen, die mit einem Opel Kadett auftreten, aber auch auf Ultraschall-aufnahmen von Zwillingen sowie Stadtnamen-Zwillinge, macht er neugierig. In den USA habe er beispielsweise die Orte Moskau und Weimar entdeckt, die es in Europa ebenfalls gebe. Hans Molzberger hat vor, zahlreiche großformatige Holzschnitte zu schaffen. Eine Technik, die ihn seit kurzem in ihren Bann gezogen hat. Die Möglichkeiten dafür hat er an der Houston Baptist University, die ihm die Freiräume dafür gern einräume, bedankt er sich.

Aber auch Video- und Audio-Installationen werde es geben. Und die Susus, zwei Tänzerinnen, werden zu sehen sein. Diese seien entstanden, nachdem der Westaltmärker das Musical Love Life von Kurt Weill gesehen habe. "Das hat mich fasziniert. Und zu meinem Ausstellungsthema passen die beiden ganz prima", schildert er.

Ende Mai werden wieder amerikanische Kunststudenten nach Hilm- sen kommen, um dort auf Zeit zu leben und zu arbeiten. "Sie studieren nicht nur an der Houston Baptist University, sondern auch am Tarrant Country College und wahrscheinlich auch am Kilgore Contry College, beides in der Nähe von Dallas gelegen", berichtet der Künstler.

Dann würden auch wieder verschiedene Vorlesungen angeboten. So werde Marén Haas ein kunsthistorisches Referat über Lyonel Feininger halten. Exkursionen zu drei Dorfkirchen in der Altmark seien ebenfalls geplant.

Diese würden immer wieder Anregungen für amerikanische Studenten liefern. "Solche alten Gebäude gibt es in den USA nicht", weiß Hans Molzberger.