In zweijähriger Projektarbeit wurde ein Werbekonzept mit reichlich EU-Mitteln entwickelt. Bald soll die Werbung in Berlin und Hamburg starten.

Stendal/Salzwedel l Die Werbekampagne für die Altmark hat Provokationspotenzial. Der Slogan "Grüne Wiese mit Zukunft" hat Ende der vergangenen Woche bei den Neujahrsempfängen in Stendal und Salzwedel nicht auf Anhieb jeden überzeugt. "Es ist gut, dass ein Diskussionsprozess in Gang kommt", sagt Gerhard Faller-Walzer von der Planungsgemeinschaft Altmark. Er selbst hat zwei Jahre lang an dem von der EU finanzierten Projekt mitgearbeitet. 360000 Euro wurden dafür ausgegeben, ein Teil des Geldes ist dabei allerdings auch in die Partnerregion Oststeiermark in Österreich geflossen. "Es muss nun eine Struktur gefunden werden, wie das Konzept in Zukunft umgesetzt werden kann", sagte Faller-Walzer.

Zunächst gebe es die Werbekampagne, die von der Kommunikationsagentur Boy in Kiel entwickelt worden ist. Die entworfenen Plakate (ein Teil davon sehen Sie hier auf der Seite) sollen demnächst in Großstädten wie Hamburg und Berlin auf die Altmark aufmerksam machen.

Während des Elbhochwassers im vergangenen Jahr habe sich Folgendes gezeigt: Als die Region überregionale Medienpräsenz gehabt habe, da seien Schwächen deutlich geworden, sagte Stendals Landrat Carsten Wulfänger (CDU) am Freitag beim Neujahrsempfang. Im Fernsehen seien umständliche und gelegentlich falsche Formulierungen gewählt worden, um überhaupt zu erläutern, wo sich die Altmark befindet. Der Landstrich sei vielfach einfach ein "weißer Fleck" auf der Landkarte. Mit dem "Grün" der Kampagne solle dies nun geändert werden.

"Der Slogan von der grünen Wiese hat viel Potenzial", sagt Faller-Walzer. Es werde die Weite des Raumes und die Vielfalt der Möglichkeiten betont. In einem koordinierten Prozess in Arbeitsgruppen und nach vielen Interviews sei der Slogan entwickelt worden. Dabei sei von vornherein klar gewesen, dass es auch Widerstand dagegen geben werde.

"Einwände aufgreifen"

"Man kann es nicht jedem recht machen", sagt der Projektmitarbeiter. Man müsse die Einwände "aufgreifen und positiv ummünzen". Der Diskussionsprozess sei wichtig. Die Kampagne solle schließlich nicht nur auf die Außenwirkung zielen, sondern auch ein altmärkisches Wir-Gefühl entwickeln. "Es gibt hier vieles, auf das man stolz sein kann", so Faller-Walzer.

Weitere Informationen unter www.gruene-wiese.altmark.eu

Pro Kampagne

Kommt in die Altmark
Von Philip Najdzion

Das Leben eines Großstädters ist stressig. Fast alles ist zubetoniert, überall sind Menschen um einen herum. Die vielen Autos machen ständig Krach und stinken. Da klingt grüne Wiese ganz schön entspannend! Es klingt nach Ruhe, frischer Luft, Natur und viel freiem Raum. Genau das, was es in Berlin oder Hamburg nur selten gibt.

Klar, der Werbeslogan klingt komisch: "Wenn Sie mal niemanden mehr sehen wollen". Oh, oh – hab ich im ersten Moment gedacht, ob das den Altmärkern gefällt? Aber dann wurde mir klar: Es muss die Altmärker nicht ansprechen. Das will die Kampagne nicht. Sie will die Altmark in den Großstädten bekannt machen, die Hamburger und Berliner anlocken. Dazu muss Werbung etwas wagen. Sonst hört einem dort keiner zu.

In Berlin soll eine grüne Wiese vor dem Hauptbahnhof ausgelegt werden. Darauf steht ein Liegestuhl, es gibt Drinks und Baumkuchen. Eine grüne Oase inmitten einer Betonwüste, eine Pause für die Hektik der Hauptstädter. So macht man auf sich aufmerksam!

Großstädter ticken nunmal ein wenig anders. Das gilt auch für den Wortschatz: Die Bezeichnung "grüne Wiese" kennt man in Hamburg kaum - auf den Friedhöfen heißt die Form der Beisetzung anonyme Bestattung.

Contra Kampagne

Eine Wiese gibt es überall
Von Christin Käther

Der Slogan ist alles andere als ansprechend gewählt. "Grüne Wiese mit Zukunft" – was soll das sein? Eine unterentwickelte Freifläche? Unter "Grüne Wiese" verstehe ich in erster Linie einen Friedhof für anonyme Bestattungen. Wenn es etwas auf dem Land nicht gibt, dann doch wohl Anonymität. Gerade in den Dörfern, in denen die Gemeinschaft groß geschrieben wird, in denen Vereine und Feuerwehren für den Zusammenhalt sorgen.

Eine grüne Wiese an sich ist nichts besonderes. Die kann ich überall haben. Der Slogan lässt sich auf jedes x-beliebige dünn besiedelte Gebiet anwenden. Die Altmark hat doch wohl mehr zu bieten als endlos weite Natur. Zum Beispiel historische Fachwerkhäuser, die Straße der Romanik, das Erholungsgebiet um den Arendsee, den Hochschulstandort Stendal und vieles mehr.

Eine grüne Wiese mag ja noch den ein oder anderen verkehrsgeplagten Großstädter ansprechen, der seinen Lebensabend oder das Wochenende im Grünen verbringen will. Doch ist das denn die Zielgruppe, die die Altmark braucht? Junge Leute und Familien müssen her, die die Region mit neuem Leben erfüllen. Die kann man nur mit erschwinglichen Baugrundstücken und Häusern ködern.

 

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