Auf dem Gebiet der Stadt Klötze sei Bauland knapp, ist in den politischen Gremien immer wieder zu hören. Anders als vielleicht erwünscht, wird die Stadt Klötze aber nicht selbst Flächen erwerben und erschließen.

Klötze l Sei es nun im Stadtrat, im Hauptausschuss oder in den Ortschaftsräten: In schöner Regelmäßigkeit wird im Bereich der Stadt Klötze die Forderung nach mehr Bauland laut. Schließlich, so das Argument, müsse ja irgendwie dem Bevölkerungsschwund, insbesondere der Abwanderung von jungen Leuten, begegnet werden. Und auch die Nähe zu Wolfsburg, mit Volkswagen als größtem Arbeitgeber der Region, könnte besser genutzt werden. Die im Vergleich zu Niedersachsen sicher günstigeren Bauplätze, so eine weitere These, sollten effektiver als Standortvorteil herausgestellt werden; sozusagen als werbewirksamer Anreiz auch für Auswärtige, sich hier in der Gegend niederzulassen. Erwähnt wird in diesem Zusammenhang gelegentlich auch, dass in Wolfsburg der Wohnraum knapp bemessen sei und die Autostadt zurzeit eine große Wohnungsbauoffensive starte, mitsamt der Schaffung weiterer Neubaugebiete. Hier, so heißt es, ergebe sich also eine Chance auf Zuwanderung, die nicht vertan werden dürfe.

"Die Stadt ist kein Wirtschaftsunternehmen."

Am Montagabend, bei der Sitzung des Kunrauer Ortschaftsrates, warf Ortsbürgermeister Uwe Bock einen Blick auf die Einwohner-Statistik. Demnach seien aktuell 810 Bürger in Kunrau zuhause. In Relation zum Vorjahr sei das ein Plus von 19 Personen. Der Wegzug der Jüngeren werde durch den Zuzug der Älteren kompensiert, sagte Uwe Bock, betonte aber, das jeder Fortzügler einer zu viel sei. Ein Grund dafür, warum es manche nicht in Kunrau hält, ist nach Ansicht von Uwe Bock der, dass es "kaum Bauplätze" gebe. Fast beiläufig erwähnte er noch, dass die Stadt Klötze, wenn es um das Bauland gehe, "sich nicht vor den Karren spannen lassen wird", also keine Flächen erwerben und erschließen werde. Stattdessen, so berichtete er aus der Bürgermeisterdienstberatung, sollen dies Investoren übernehmen.

Auf Nachfrage der Volksstimme bestätigte Klötzes Bürgermeister Matthias Mann diese Nachricht. Grund: Als öffentlich-rechtliches Gebilde könne die Stadt, auch mit Blick auf die Haushaltslage, nicht derart in Vorleistung gehen. Das finanzielle Risiko sei zu groß, Verlustgeschäfte könnten nicht ausgeschlossen werden. "Die Stadt ist kein Wirtschaftsunternehmen. Den Bürgern wäre es nicht zu vermitteln, wenn mit Steuergeldern Bauplätze subventioniert würden."

In den 1990er Jahren, in der "Sturm- und Drangzeit", als noch Geld vorhanden war, mag das anders gewesen sein, doch heutzutage, so betonte Matthias Mann, müsse man die Vernunft walten lassen. "Ruckzuck" seien weit mehr als 200000 Euro "verbrannt. Das rechnet sich nicht." Hinzu käme - dass, anders als in den politischen Gremien häufig kolportiert - das Interesse Bauwilliger zu wünschen übrig ließe. "Es gibt vereinzelt Anfragen. Aber die Leute stehen hier im Bauamt nicht unbedingt Schlange." Abzulesen sei das Desinteresse beispielsweise am alten Sportplatz in Klötze-Nord, wo es zwar genug Platz für Eigenheime, jedoch keine Bauherren gebe.

Zudem müsse laut Matthias Mann bei diesem "komplexen Thema" auch immer bedacht werden, dass ein Grundstückseigentümer sein Land stets so teuer wie möglich verkaufen will, ein Bauwilliger ein Grundstück jedoch so günstig wie möglich erstehen möchte. "Da besteht ein Interessenkonflikt, bei dem ein Kompromiss gefunden werden muss." Hier könne die Stadt gerne als Vermittler agieren. "Wir sind auch gerne bei der ganzen Planung behilflich, aber wir können nicht in Vorleistung gehen", beteuerte er. Das müsste schon ein Investor sein, sei es eine Bank oder eine Baufirma.

Noch dazu ist Matthias Mann der Auffassung, dass es sinnvoller sei, Bestehendes umzunutzen, also eventuell Gebäude abzureißen und dann auf dieser Fläche neu zu bauen, oder Baulücken zu schließen, als irgendwo auf der "grünen Wiese" Bauland auszuweisen.