Den Seniorenvereinen geht der Nachwuchs aus. Dabei fehlt es nicht an Frauen und Männern passenden Alters.

Klötze l Es wird Kaffee getrunken, manchmal werden Karten und Brettspiele gespielt und eigentlich immer Weihnachten und Fasching gefeiert: Die meist monatlich stattfindenden Treffen der Seniorenvereine, -klubs oder -gruppen in den Ortschaften rund um Klötze bieten vielen älteren Menschen Unterhaltung, aber auch die Gelegenheit, unter Leute zu kommen. Allerdings beobachten alle Vorsitzenden, die die Seniorennachmittage organisieren, dasselbe Phänomen: Häufig fühlen sich heutige Neurentner zwischen 60 und 65 Jahren noch zu jung, um an den Seniorennachmittagen teilzunehmen.

Mittlere Jahrgänge sind nicht abgeneigt

Das berichtet etwa Elisabeth Herrmann, die Chefin des Klubs Sonnenschein aus Neuferchau, dem ausschließlich Frauen angehören. "Unsere Mitglieder sind bis auf eine Ausnahme älter als 70 Jahre. Zwei sind sogar schon 90 Jahre alt", berichtet Elisabeth Herrmann, die vor 26 Jahren Neuferchaus Klubchefin wurde. "Wenn wir 63-Jährige ansprechen und fragen, ob sie nicht bei uns mitmachen möchten, wollen viele noch keine Rentner sein." Dadurch fehle der Nachwuchs im Klub, zumal Neuferchau auch nicht so viele Einwohner habe. Doch Elisabeth Herrmann hofft auf die Zukunft: "Es gibt drei Frauen, die noch arbeiten gehen und in einigen Jahren bei uns mitmachen wollen." Vor nunmehr fünf Jahren seien zuletzt drei Frauen eingetreten. Für die 25 Frauen, die in Neuferchau regelmäßig an den monatlichen Treffen teilnehmen, werde sie diese auch weiter organisieren: "Ich möchte sie nicht im Stich lassen."

"Neue Mitglieder zu finden ist für uns kein Problem", sagt hingegen Rosemarie Beckmann, Vorsitzende des Immekather Seniorenvereins. Während Jungrentner schwieriger für das Vereinsleben zu begeistern sind, würden sich viele deutlich jüngere Immekather durchaus angesprochen fühlen.

"Wir haben etwa 30 Mitglieder, die noch keine Rentner sind", sagt die Vorsitzende. Weitere 100 Mitglieder stünden in keinem Arbeitsverhältnis mehr. "Doch die 60-Jährigen trauen sich wohl noch nicht, zu uns zu kommen. Dabei wäre es schön, wenn jüngere Mitglieder nachrücken würden." Bei der nächsten Vorstandsstitzung im Februar wolle man sich in Immekath mit dieser Problematik beschäftigen.

Gleich fünf neue Mitglieder konnte der Seniorenklub in Kusey 2010 begrüßen. Unter ihnen auch die aktuelle Klubchefin, Doris Giggel, die seit Mitte Januar die Geschicke der Gemeinschaft lenkt. "Unsere Gruppe ist altersmäßig gut gemischt. Die älteste Teilnehmerin ist 92, die jüngste 63 Jahre alt. Sorgen um den Nachwuchs machen wir uns eigentlich noch keine", erklärt die 66-Jährige. Trotzdem solle weiter die Werbetrommel für den Klub gerührt werden. Das gestaltet sich in allen Ortschaften ähnlich: Gezielt werden jüngere angesprochen.

"Jungrentner haben vielleicht einfach Angst."

"Wir kennen uns ja alle untereinander", sagt Doris Giggel. Zu den monatlichen Treffen in Kusey kommen meist 27 Frauen, aber keine Männer. Nach Ansicht der Klubchefin hätten "viele Jungrentner vielleicht auch einfach Angst, zu der Gruppe, in der man sich oft schon über Jahre kennt, dazuzustoßen". "Wenn sich zwei oder drei zusammentun, fällt es leichter."

Gut gemischt ist nach Aussage von Ilona Schultze auch die Altersstruktur bei den Mitgliedern, die seit Oktober an den Rentnernachmittagen im Jahrstedter Saal teilnehmen. "Es gibt zwei Frauen, die noch 60 sind, vier weitere Teilnehmer sind noch keine 65", so Schultze. Zu den Veranstaltungen würden regelmäßig etwa 40 Senioren kommen. 30 Prozent sind, so schätzt Ilona Schultze, nicht älter als 65 Jahre. Älter als 80 sei keiner der Teilnehmer.

Als sie die Gruppe ins Leben rief, habe sie bei allen potenziellen Teilnehmern ein selbstgestaltetes Faltblatt in den Briefkasten geworfen. Und auch heute habe sie auf dem Schirm, wer noch alles dazukommen könnte. "Allerdings fühlen sich manche noch zu jung. Denen sage ich, dass es nichts mit dem Alter zu tun hat, unsere Treffen sind ein Anziehungspunkt."

"Wer über 70 ist, fängt auch nicht mehr im Verein an", meint Erich Fischbeck, Vorsitzender des Seniorenvereins in Kunrau. Im Schnitt seien die Kunrauer Rentner bei den Treffen 73 Jahre alt. Meist würde ein harter Kern von etwa 35 Rentnern zusammenkommen. Insgesamt zähle der Verein aktuell 62 Mitglieder. "Im Januar haben vier Neue angefangen", so Fischbeck und ergänzt: "Noch sehe ich die Nachwuchsgewinnung gelassen. Problematischer ist es, wenn wir keine Jüngeren finden, die die Leitung übernehmen."

Seit 25 Jahren steht Ingrid Hoppe der Steimker Seniorengruppe vor. Zu den Höhepunkten im Kalender, etwa wenn das Grillen, die Weihnachtsfeier, Fasching oder Kegeln auf dem Programm stehen, kämen bis zu 40 Teilnehmer. Sonst seien es um die 30. "Etwa zehn davon sind jünger als 70 Jahre", so Ingrid Hoppe. Bei Veranstaltungen im Dorf werde der Nachwuchs geworben: "Dann fragen wir gezielt, ob Interesse besteht, an einer unserer Tagesfahrten teilzunehmen. Das hat bisher gut geklappt." Auch zehn Männer seien regelmäßig dabei: "Die setzen sich dann zusammen, trinken ein Bier und unterhalten sich."

40 Steimker besuchen die Höhepunkte

Mit einer neuen Gruppe für jüngere Rentner möchte Margrit Schnüber vom Seniorentreff Alte Feuerwehr in Klötze den Nachwuchssorgen begegnen. "Derzeit erstelle ich einen Plan, wie eine solche Gruppe aussehen könnte. Mit Interessenten habe ich schon gesprochen um zu erfahren, was sie gern machen wollen. Viele würden sich gern zwanglos unterhalten", so Margrit Schnüber.

Besonders bei der Plattdeutschgruppe, deren sechs Teilnehmer über 75 Jahre seien, wären jüngere Mitglieder willkommen. Auch bei den übrigen Treffs liege der Altersdurchschnitt bei 75 Jahren, schätzt Schnüber. Besser sehe es in der Schwimmgruppe aus: Die Sportler seien zwischen 60 und 85 Jahren alt.

 

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