Bis vor zweieinhalb Jahren war die Braunbärin Tapsi im Klötzer Tierpark zuhause. Dann zog sie in den Bärenwald Müritz um. Dort starb im Vorjahr ihr Vater Bummi. Doch mit Michal hat die 23-Jährige einen neuen Freund gefunden.

Stuer/Klötze l Seit Sommer 2012 lebt die Braunbärin Tapsi, die früher im Klötzer Tierpark daheim war, nun schon im Bärenwald Müritz bei Stuer am Plauer See. Im Frühling vergangenen Jahres musste die 23-Jährige einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Ihr nur um ein paar Jahre älterer Vater Bummi wurde infolge einer Querschnittslähmung eingeschläfert (Volksstimme berichtete). "Nach seinem Tod war Tapsi sehr traurig, fast schon depressiv", berichtet Sabine Steinmeier vom Bärenwald im Gespräch mit der Volksstimme.

"Tapsi und Michal sind ein Herz und eine Seele"

Wenig später hatte Tapsi die nächste Prüfung zu überstehen: Eine Zahn-OP. "Wir haben die Narkose gleich dazu genutzt, sie in ein anderes Gehege umzusetzen", erzählt die Cheftierpflegerin. Schließlich sollte die Bärin nicht allein bleiben, sondern Gesellschaft bekommen. Jetzt hat Tapsi in Michal einen neuen Spielgefährten an ihrer Seite. "Die beiden verstehen sich super. Sie waren von Anfang an ein Herz und eine Seele", freut sich Sabine Steinmeier. "Die benehmen sich wie ein altes Ehepaar. Das ist herrlich zu beobachten."

Nachdem das Bärenwald-Team lange darauf warten musste, halten Tapsi und Michal, der 11 Lenze zählt, seit rund zwei Wochen gemeinsam in einer mit Stroh ausgelegten Box Winterruhe. "Als der erste Schnee gefallen ist, haben sie sich zurückgezogen."

Bei der Winterruhe, so erklärt Sabine Steinmeier, schlafen die Bären nicht, sondern schlummern bei geringerem Herzschlag und verminderter Atemfrequenz lediglich vor sich hin. Je nach Temperatur kann die Winterruhe von Oktober bis April dauern. In der Regel nehmen die Bären während dieser Zeit weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Dazu sind sie in der Lage, weil sie zuvor ein tüchtiges Fettpolster anfuttern.

"Tapsi hat in der Beziehung die Hosen an

Auch Tapsi war zuletzt kugelrund, informiert die Cheftierpflegerin. Im Bärenwald Müritz haben die Bären aber die Möglichkeit, jederzeit nach draußen zu gehen. Tapsi macht von diesem Angebot regen Gebrauch. Doch jede Bewegung kostet Kraft. Deshalb müssen die Energiereserven wieder aufgefüllt werden. Tapsi bekommt ein Kilo Leckereien pro Tag, zurzeit vor allem vitaminreiche Kost in Form von Äpfeln, Birnen und Möhren. Ansonsten mag sie Weintrauben, Honig und Nüsse recht gern.

Streit ums Futter gibt es zwischen ihr und Michal, der einst aus einem polnischen Zoo in de Bärenwald kam, nicht. Zumal Tapsi in der Beziehung "die Hosen anhat", wie Sabine Steinmeier schmunzelnd sagt. Dass Michal nur noch drei Beine hat - er hatte als Jungtier im Kampf gegen einen Artgenossen den Kürzeren gezogen - spielt in der Hierarchie aber keine Rolle.

Für die Zukunft, so verrät die Cheftierpflegerin, ist geplant, dass Tapsi und Michal weitere Gesellschaft bekommen. So sollen sie mit Kascha und Bascha, zwei Bärendamen, in einem Gehege wohnen. Ein Testversuch musste allerdings abgebrochen werden, da sich Tapsi mit Bascha und Kascha nicht unbedingt verstanden hat. Ganz anders verhielt sich Michal. Obwohl er, wie alle männlichen Bären in der Einrichtung kastriert ist, machte er den Damen Avancen, da er vom Kopf her weiter zur Paarung bereit ist, wie Sabine Steinmeier ausführt.