Oebisfelde | Deutlicher geht es nicht: Mit nur einer Gegenstimmt haben sich 15 Ortschaftsräte bei der jüngsten Zusammenkunft des Oebisfelder Gremiums gegen die Pläne der Telekom ausgesprochen, vier noch bestehende öffentliche Telefonstellen in der Allerstadt und zwei Ortsteilen zurückzubauen. Vorbei sei sie laut dem Telekommunikationsunternehmen schon lange - die glorreiche Zeit der öffentlichen Fernsprecheinrichtungen. Längst hätten das Handy und das heimische Festnetztelefon ihnen den Rang abgelaufen.

Ortsräte lehnen den Abbau der Telefonstellen nicht zum ersten Mal ab

"Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen nimmt dementsprechend ab. Der Kunde entscheidet über die Dichte des Telefonzellennetzes", sagt Georg von Wagner, Pressesprecher der Telekom für den Bereich Sachsen-Anhalt. Gemäß einer Übereinkunft mit der Bundesnetzagentur und der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände sei es der Deutschen Telekom AG gestattet, Gemeinden um den Abbau extrem unwirtschaftlicher öffentlicher Fernsprecher zu bitten, teilt Georg von Wagner mit. Sofern die Zustimmung der Kommune verweigert werde, sei das Unternehmen berechtigt, die vorhandene Einrichtung zumindest durch ein kostengünstigeres Basistelefon zu ersetzen.

Im Visier hat die Deutsche Telekom in Oebisfelde die Telefonzelle vor dem Rathaus sowie das öffentliche Telefon in der Bahnhofstraße. Auch die Telefonstellen am Bauernende in Breitenrode und in der Drömlingsstraße in Weddendorf sollen beseitigt werden. Dieses Vorhaben lehnen die Ortschaftsräte der Allerstadt nicht zum ersten Mal ab.

Wer kein Handy hat, braucht die öffentlichen Telefone

Vier Jahre hintereinander hat der Kommunikationsdienstleister schon bei der Kommune angefragt und jedes Mal eine Abfuhr bekommen."Es gibt immer Leute, die kein Handy bei sich haben und auf ein öffentliches Telefon angewiesen sind", erklärte Ortsrätin Bogumila Jacksch (UWG) bei der neuerlichen Aufarbeitung des Themas. "Ich bin absolut dagegen, die Telefone zurückzubauen", erklärte sie. "Es gibt ältere Damen, die zum Rathaus gefahren werden müssen und von dort aus jemanden anrufen, der sie wieder abholt", bemühte Frank Häber (UWG) ein Beispiel. Sabine Bastigkeit (Die Linke) erinnerte an Diskussionen aus vergangenen Jahren: "Ich finde, wir sollten bei dem bleiben, was wir schon damals gesagt haben. Wenn die Telefone kaputt gehen, können sie ja abgeschafft werden. Aber sie einfach zu beseitigen, das sollten wir nicht zulassen." Ortsrat Karsten Schindler (CDU) ging noch einen Schritt weiter: "Wenn die Telefone kaputt gehen, sollen sie ruhig wieder repariert werden", sagte er. "Den Bürgern wird immer mehr von dem entzogen, was sie gewohnt sind. Das sollte man stoppen", erklärte er weiter.

Einzig Oebisfeldes Bürgermeister Sven Groneberg (SPD) lenkte ein und ging auf die Unwirtschaftlichkeit der öffentliche Telefone ein. "Ich bin mir nicht so sicher, ob Telefonzellen heutzutage noch so wichtig sind. Einzig das Telefon in Bahnhofsnähe würde ich behalten wollen", erklärte er.

Telefone werden nahezu nicht mehr genutzt und sind unwirtschaftlich

Die Ablehnung des Telefonzellen-Rückbaus wird nun der Telekom übermittelt. Wie das Unternehmen dann weiter verfährt, ist noch unklar. Pro Monat bringe der Kommunikationsdienstleister zwischen 50 und 100 Euro für die Instandhaltung jeder einzelnen Telefonzelle auf, so Pressesprecher Georg von Wagner. Genaue Zahlen dazu, wie oft die Oebisfelder Telefonstellen noch genutzt werden, halte das Unternehmen ihm zufolge nicht vor. "Die Telefone werden aber nahezu nicht mehr genutzt und sind extrem unwirtschaftlich", erklärte der Telekom-Mitarbeiter.

Eine flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Telefonen werde sichergestellt, nur wirklich unwirtschaftliche Standorte würden abgebaut werden, so Georg von Wagner.