Es geht wieder los. Die Volksstimme-Aktion "Blumenstrauß des Monats" geht in eine neue Runde. Für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, soll das ein kleines Dankeschön sein. Die erste Kandidatin ist Lotti Scholkmann aus Röwitz.

Röwitz l Lotti Scholkmann hat ein gutes Herz. Davon sind die Röwitzer Senioren überzeugt. Seit nunmehr 15 Jahren treffen sie sich an jedem ersten Dienstag im Monat zum geselligen Beisammensein. Und wenn nicht gerade ein Ausflug auf dem Programm steht, dann finden die Zusammenkünfte der "fröhlichen Runde" stets am gleichen Ort statt: Im Partyraum von Charlotte Scholkmann, die seit Kindertagen "Lotti" genannt wird. Sie stellt ihren Partyraum eben gern für die monatlichen Treffen der Senioren zur Verfügung.

"Wenn die sich freuen, dann freue ich mich auch. Das hält mich jung und in Bewegung."

"Lotti", so berichtet Gisela Schulz, "sorgt für einen reibungslosen Ablauf." Pünktlich um 14 Uhr erwartet sie ihre Gäste mit einem Lächeln im Gesicht. "Der Tisch ist bereits gedeckt, der Kuchen aufgeschnitten, die belegten Brote geschmiert und die Kaffeemaschine läuft", erzählt Gisela Schulz. Alles will vorher organisiert sein und die Speisen und Getränke müssen besorgt werden. Auch darum kümmert sich "unsere Lotti". Natürlich trägt sie die Kosten nicht allein, daran beteiligen sich alle Senioren mit einem Obolus.

Die Zeit im Partyraum vergeht immer wie im Fluge, bedauern die Rentner. Kaum hat man sich die Hand zur Begrüßung gereicht, verabschiedet man sich auch schon wieder. Dazwischen liegen selbstverständlich mehrere Stunden voller Kurzweil. Doch wenn es nach Hause geht, müssen sich die Senioren um nichts kümmern. Denn Lotti Scholkmann, die das Stricken zu ihren Hobbys zählt, macht den Partyraum auch wieder sauber und übernimmt den Abwasch.

"Das macht mir nichts aus", sagt die 76-Jährige. "Die anderen packen ja auch mit an. So ist das nicht. Aber ich möchte, dass sie sich wohl und wie zu Hause fühlen. Wenn die sich freuen, dann freue ich mich auch. Ich übernehme das sehr gerne. Das hält mich jung und in Bewegung."

Lotti Scholkmann genießt die Gesellschaft anderer. "Ich mag es, viele Leute um mich zu haben." Und besonders gerne ist sie mit den Röwitzer Senioren zusammen. "Wir sind wie eine Familie. Wir lachen zusammen und manchmal weinen wir auch zusammen. Wir liegen uns vor Freude in den Armen und manchmal trösten wir uns. Die meisten von uns sind verwitwet." Auch Lotti Scholkmann. Ihr Mann Karl-Heinz, mit dem sie den Senioren schon zu DDR-Zeiten eine Heimstatt gab, ist schon verstorben.

Doch allein ist Lotti Scholkmann selten. Sie hat eine große Verwandtschaft, sieben Kinder, sieben Enkel und 26 Urenkel. "Bei Feiern sind wir so um die 50 Personen", informiert sie. Das war auch ein Grund, warum der Partyraum einst gebaut wurde. Früher war das Gebäude ein Schuppen, indem Dünger gelagert wurde. Heute bieten die Räumlichkeiten ausreichend Platz für die durchschnittlich 18 bis 20 Senioren, die an den monatlichen Klön-Nachmittagen der fröhlichen Runde teilnehmen. Auch eine Küche gibt es dort. Darin kann geschnippelt und gekocht werden.

Lotti Scholkmann wurde übrigens am 15. August 1937 im ostpreußischen Osterode geboren. Der Zweite Weltkrieg zwang ihre Familie zur Flucht. Diese führte zunächst in den Harz und weiter nach Güsten, das zwischen Bernburg und Aschersleben liegt. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, der für die Staatseisenbahn Schienen verlegte. Sie folgte ihm nach Klötze. Später, ihr Mann war nun als Industriearbeiter angestellt, zogen Scholkmanns weiter nach Rohrberg, Zichtau und 1966 schließlich nach Röwitz, wo der Bruder ihres Mannes lebte.

"Ich finde, jeder sollte sich in irgendeiner Art und Weise für andere einsetzen."

Lotti Scholkmann fügte sich schnell in die Dorfgemeinschaft ein. Sie wurde Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Später, bis sie an der Bandscheibe operiert werden musste, gehörte sie auch der Kuseyer Tanzsportgruppe an.

Auch beruflich hat Lotti Scholkmann viel erlebt. Bevor sie mit ihrem Mann eine Gaststätte führte, arbeitete sie 20 Jahre lang als Melkerin. Schon damals kümmerte sie sich um andere Menschen und insbesondere um eine Frau, die fast blind war. Lotti Scholkmann putzte deren Haus und lud sie täglich zum Essen zu sich nach Hause ein. Für dieses Engagement erhielt sie von der Gemeinde in den 1970er Jahren die "Goldene Rose." Für die Röwitzerin ist ehrenamtliches Wirken nichts Außergewöhnliches. "Ich finde, jeder sollte sich in irgendeiner Art und Weise für andere einsetzen. Das macht die Welt ein bisschen schöner." Das finden die Röwitzer Senioren auch und sagen ihrer Lotti an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Kennen auch Sie Ehrenamtliche, die für ihr Engagement einen Blumenstrauß verdient haben? Dann melden Sie sich bei uns, Telefon 03909/402920 oder per E-Mail an redaktion.kloetze@volksstimme.de.