Auch die Erzieherinnen der Kindertagesstätten Ahlum, Rohrberg und Tangeln haben ihr 100-Stunden-Programm absolviert. Im Rahmen eines Infoabends erfuhren die Eltern jetzt, welche Schwerpunkte bei der künftigen Bildungsarbeit in den Einrichtungen gesetzt werden sollen.

Ahlum l Einige der Anregungen, die Referent Norbert Vollmer den Erzieherinnen der Kindertagesstätten Ahlum, Rohrberg und Tangeln im Rahmen ihres 100 Stunden umfassenden Kurses zum Landesprogramm "Bildung elementar" mit auf den Weg gegeben hat, sind in den Einrichtungen längst von selbst aufgegriffen worden. "Wir gehen mit den Kindern regelmäßig in den Wald und entdecken die Natur", wusste etwa Heike Köhler von der Ahlumer Kita zu berichten. Auch Besuche in Betrieben, etwa in einer Milchviehanlage, gehören für die Tangelner "kleinen Strolche" und die Rohrberger Schoorbergzwerge zum festen Programm.

Und doch nahmen die Kita-Mitarbeiterinnen bei ihrer Weiterbildung etliche neue Gedanken und Tipps mit. "Einiges davon können wir sicherlich umsetzen", meinte Rohrbergs Kita-Leiterin Andrea Johansen beim Elternabend im Ahlumer Dorfgemeinschaftshaus, zu dem alle drei Kitas eingeladen hatten. Wichtig sei, die Eltern mit ins Boot zu holen und über den neu eingeschlagenen Weg zu informieren.

Im Mittelpunkt des Bildungsprogramms sollen die Kinder und ihre Bedürfnisse stehen, betonte Norbert Vollmer. "Sie haben ein angeborenes Neugierverhalten sowie das Bedürfnis nach Autonomie und Individualität. Das gilt es zu berücksichtigen", so der Referent. Kinder würden anders lernen als Erwachsene und zwar durch Beobachtung, einfaches Ausprobieren und auch über das Spiel. Gerade letzterem müsse in der Kita mehr Raum gegeben werden. "Kinder im Vorschulalter sollten sechs Stunden am Tag spielen, davon drei an der frischen Luft, sagen Entwicklungspsychologen", erklärte Vollmer. In den Kitas sollte der strukturierte Tagesablauf deshalb ruhig aufgebrochen werden, um die Kinder nicht aus dem Spiel zu reißen.

Das Spielen sei die beste Vorbereitung auf das richtige Leben. Zudem würden die Kinder dabei ihre kleinen Sorgen und Irritationen des Alltags verarbeiten. "Das ist Seelenhygiene", ist sich der Referent sicher.

Auf die Spielzeugmenge in den Einrichtungen komme es dabei überhaupt nicht an. Im Gegenteil: Entscheidend sei, ob die Kinder damit kreativ umgehen und ihrem Forscherdrang nachgehen können. "Reifen, Bretter, Kartons, Verpackungsmaterialien, Werkzeug sind besser als jedes stupide Spielzeug", betonte Vollmer. Daraus würden sich die Kinder selbst etwas bauen. So könnte in den Einrichtungen etwa eine kleine Werkstatt entstehen oder auf dem Spielplatz ein Geschicklichkeitsparcours.

Kindern mehr Freiraum zur Bewegung und Vertrauen schenken

Auch für die Bewegung müsse genügend Freiraum vorhanden sein. "Es geht nicht ums Toben, sondern um Herausforderungen für die Kinder. Sie wollen springen, klettern und ihre eigenen Erfahrungen machen", erklärte der Referent. Dabei könne es schon mal die eine oder andere Schramme oder Beule geben. "Doch das gehört einfach dazu", meinte Norbert Vollmer, der vor Überbehütung warnte. Stattdessen solle man den Kindern mehr Vertrauen schenken.

Die während des 100-Stunden-Programms gesammelten Erkenntnisse wollen die Erzieherinnen in ihrer künftigen Arbeit berücksichtigen. "Sie werden in die neue Konzeption unserer Einrichtungen mit einfließen", kündigte Andrea Johansen an. Von den Eltern, die zum Infoabend nach Ahlum gekommen waren, gab es dafür Rückendeckung.