Zweieinhalb Jahrzehnte waren die Müllers in Kunrau für die Zeitung zuständig: Seit 1985 hat Gisela Müller, seit Anfang der 90er Jahre unterstützt von ihrem Mann Heinz, in dem Dorf die Volksstimme ausgetragen. Zum Jahreswechsel haben sie diesen Zusatzverdienst aufgegeben und geben sich jetzt dem Garten, dem Reisen und der Familie hin. Gudrun und Wolfgang Lenz haben sich mit einem kleinen Präsent für die Zuverlässigkeit der beiden bedankt.

Kunrau. Eine Flasche Sekt und eine Schachtel mit edlen Pralinen – es waren keine nachträglichen Weihnachtsgeschenke, die Gudrun und Wolfgang Lenz am Morgen des Silvestertages bei Gisela und Heinz Müller in Kunrau vorbeigebracht haben. Die Präsente waren Gruß und Anerkennung zum Abschied. Denn seit 1985 hat Gisela Müller in Kunrau die Volksstimme ausgetragen, seit Anfang der 90er Jahre unterstützt von ihrem Mann. Jetzt ist Schluss damit. Denn die 70-Jährige und der 74-Jährige haben ihre Arbeit aufgegeben, werden sich in Zukunft allein dem Rentnerdasein widmen.

"Wir werden ja nicht jünger, und wegen einer Operation am Knie ist mir die Tour jeden Morgen durch unser Dorf jetzt einfach zu beschwerlich geworden." Das bedeutet jetzt nicht mehr, jeden Morgen um halb vier aufzustehen und um vier die morgendliche Tour durch Kunrau zu beginnen. Gudrun Lenz sagt: "Auf Sie konnten wir uns immer verlassen, deshalb auch ein kleines Dankeschön von uns für Ihre zuverlässige Arbeit!" Und Wolfgang Lenz ergänzt: "Bei Ihnen konnte man immer die Uhr danach stellen, wenn die Volksstimme früh morgens kurz nach fünf im Briefkasten landete."

Dass die Arbeit als Zusteller nicht immer einfach ist, das haben Gisela und Heinz Müller in all den Jahren erfahren. Bei Eis und Schnee mussten sie raus. Ebenso wenn es im Sommer über Nacht kaum abgekühlt war oder es in Strömen regnete. Dabei allerdings habe sie auch die schönen Seiten des Morgens kennengelernt. "Bei schönem Wetter hat es schon Freude bereitet, im Dorf unterwegs zu sein", erzählt sie. Nach ihrer Runde gab es um 6 Uhr Frühstück, danach wurden die Kaninchen und Hühner mit Futter versorgt.

Ein Jahr lang hatten die beiden auch in Röwitz die Volksstimme ausgetragen. Das bedeutete jeden Morgen: Die Fahrräder auf den Hänger und los mit dem Volkswagen ins Nachbardorf. Reich geworden sind die Müllers mit dem Nebenverdienst nicht, aber immerhin konnten sie die Rate für das Auto damit jeden Monat finanzieren.

Heinz Müller sagt: "Das Austragen der Volksstimme hält einen natürlich fit und mobil. Man bleibt immer in Bewegung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das auch etwas für viele wäre, die nichts zu tun haben oder denen sonst zu Hause die Decke auf den Kopf fällt."

Dies jedenfalls dürfte für die Müllers in Kunrau kein Problem werden, obwohl sie nun die Tasche des Zeitungsausträgers an den sprichwörtlichen Nagel gehängt haben. Zum Ersten ist da nämlich der Garten, den die beiden bewirtschaften. "Noch ist ja Winter und deshalb nicht so viel dort zu tun", sagt Gisela Müller. Aber zuverlässig zum Frühjahr müssen die beiden dann wieder ran und sich um Blumen, Obst und Gemüse kümmern.

Zum Zweiten ist da "das Kollektiv", wie Gisela Müller ihre Familie nennt. Und die ist umfangreich: Die Müllers haben 6 Kinder, 13 Enkel und 2 Urenkel. Auch dieses Kollektiv hält die beiden Müllers in Bewegung.

Zum Dritten wären da in Sachen anhaltender Mobilität der Müllers deren Reisen nach Dänemark. Jedes Jahr fahren die beiden schon seit Jahren dorthin, um ein paar Tage in einem Ferienhaus zu verbringen. "Jetzt haben wir dafür ja noch mehr Zeit, und im neuen Jahr ist dieser Urlaub auch schon wieder fest eingeplant", sagt Heinz Müller.

Übrigens: Wer ein Frühaufsteher ist wie Gisela und Heinz Müller und sich als Zeitungsausträger etwas Geld hinzuverdienen möchte – der Vertrieb der Volksstimme sucht derzeit zuverlässige Mitarbeiter.