Über aktuelle Probleme der Landwirtschaft informierten sich Vertreter des Kreisbauernverbandes und Landtagsmitglied Jürgen Barth (SPD) am Dienstag in der Bierstedter Agrar GmbH. Dort werden gerade zwei Ställe umgebaut und mit Melkrobotern bestückt.

GroßBierstedt l Aus drei mach zwei heißt das Motto der Bierstedt Agrar GmbH. Seit vergangenem Jahr laufen dort die Umbauarbeiten an den beiden Milchviehställen im Dorf, die künftig eine Einheit bilden sollen. Vier moderne Melkroboter werden dort demnächst eingebaut, pro bisherigem Stall zwei, die von den Tieren nach Bedarf selbst aufgesucht werden können. "Wir erwarten uns vom Umbau Synergieeffekte bei der Gruppenzusammenstellung im Stall und weniger Zeitaufwand bei der Fütterung", erläuterte Geschäftsführer Christian Nieber am Montag beim Rundgang mit SPD-Landtagsmitglied Jürgen Barth, Kreisbauernverbands-Vorsitzenden Raimund Punke und Geschäftsführerin Annegret Jacobs. Bis zum Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Nieber: Zellzahl liegt deutlich unter dem Landesdurchschnitt

Der seit 2007 in dieser Form existierende Agrarbetrieb bewirtschaftet eine Fläche von 770 Hektar, davon 150 Hektar Grünland, und hat rund 750 Rinder in seinen Ställen. "Wir gehören zu den leistungsstärksten Betrieben im Milchkontrollverein Salzwedel", verwies Christian Nieber stolz auf die Auszeichnungen mit vier und fünf Sternen, die das Unternehmen seit 2009 ununterbrochen erhält. So liege man bei der Zellzahl, einem Indikator für die Milchqualität und die Eutergesundheit der Kühe, deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Jürgen Barth und die Vertreter des Kreisbauernverbandes nutzten die Stippvisite zum Gedankenaustausch über aktuelle Fragen der Landwirtschaft. So wies der Lockstedter auf die Bemühungen hin, die Förderung des Landes für die Tierkörperbeseitigung auch für die nächsten Jahre zu erhalten. "Es ist im Interesse einer ordnungsgemäßen Entsorgung wichtig, dass sich das Land, das bisher 25 Prozent trägt, nicht zurückzieht und die Landwirte mit den Kosten allein lässt", betonte Barth.

Kreisbauernverbands-Chef Raimund Punke trat Befürchtungen entgegen, durch die vielerorts entstehenden neuen Biogasanlagen drohe eine Vermaisung der Landschaft in der westlichen Altmark. "Das ist nicht der Fall", versicherte er. Im Altmarkkreis gebe es derzeit 50 Biogasanlagen, die oftmals mit der anfallenden Gülle aus viehhaltenden Betrieben beschickt werden. "Der Anteil der landwirtschaftlichen Grundfläche, auf der Mais angebaut wird, liegt im Altmarkkreis bei 17 Prozent, 2002 waren es 15 Prozent", untermauerte Geschäftsführerin Annegret Jacobs die Aussagen mit Zahlen. Mit dem Mais werde auch der gesamte Rinderbestand gefüttert. "Wir sind eine Region, die auch auf Milchwertschöpfung setzt und wollen das, was wir den Tieren füttern, auch regional anbauen", so Jacobs.

Auch das immer wieder kolportierte massenhafte Umbrechen von Grünlandflächen gebe es zumindest in der westlichen Altmark nicht. "Das geht auch gar nicht so einfach, ohne gleichzeitig die Förderung zu verlieren", betonte Raimund Punke. Zudem sei Gras für die Bauern ein wertvolles Gut, was zur Fütterung der Tiere benötigt wird. "Grünlandumbruch gab es hier in Bierstedt bisher nicht. Im Gegenteil: Wir bauen sogar zusätzlich Feldfutter an, weil die Flächen nicht ausreichen", wusste auch Christian Nieber zu berichten.

Wegfall der Milchquote könnte zu weiterem Preisverfall führen

Mit gemischten Gefühlen sieht der Bierstedter den Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015. Damit könnte es zu einem weiteren Preisverfall kommen. Derzeit gebe es für die Landwirte 40 Cent je Liter Milch. "Aufgrund des verhältnismäßig hohen Kostendrucks müsste der Preis allerdings schon jetzt deutlich über 40 Cent liegen", meinte Nieber.