Wie ein Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet - diesen Eindruck könnte gewinnen, wer das Pilotprojekt "Dreibeine" zwischen Klötze und Schwiesau verfolgt. Denn trotz weiterer Wildunfälle an dieser Schwerpunktstrecke sind nach wie vor nur vier "Dreibeine" aufgestellt worden.

Klötze/Schwiesau l Diese signalroten Holzgestelle stehen exakt dort, wo es einen Wildunfall gab. Sie sollen Autofahrern die Gefahr durch Wildtiere in diesem Straßenabschnitt deutlich machen und sie zu langsamerem Fahren bewegen.

Im März 2013 sind die ersten Dreibeine aufgestellt worden. Mitte Juli trafen sich noch einmal alle Beteiligten an der Strecke. Mit im Boot sitzen die Polizei des Altmarkkreises, die beiden Forstämter, der ADAC, die Straßenmeisterei sowie die Jägerschaften Klötze und Schwiesau.

Bereits im Juli 2013 bedauerte André Kriegbaum vom Revierverkehrsdienst im Altmarkkreis: "Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht." Und heute? Fakt ist, die Anzahl der Wildunfälle konnte an diesem Unfallschwerpunkt leicht reduziert werden. Jährlich registrierte die Polizei dort um die 20 Kollisionen mit Wildtieren. Wie Gerd Schönfeld vom Polizeirevier Salzwedel informierte, kam es in diesem Abschnitt der L19 zwischen dem 11. Juli 2012 und dem 11. Juli 2013, dem Tag des Treffens vor Ort, zu zwölf Wildunfällen. Allein vom 13. Juli 2013 bis gestern stießen zwischen Klötze und Schwiesau zehn Fahrzeuge mit einem Tier zusammen. Und dabei ist die Jahresfrist noch nicht einmal um, gab Gerd Schönfeld zu bedenken. "Die Hauptzeit der Wildunfälle liegt in den nächsten Wochen", sagte er. Doch noch immer stehen nur vier Dreibeine beiderseits der Straße. Die warnenden Banner hängen neben und nicht über der Straße.

Während der Kreis-Jägerkonferenz vor einer Woche in Zichtau ging Landrat Michael Ziche ebenfalls auf das Pilotprojekt ein. Er informierte, dass sich Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung inzwischen zu einer der Hauptunfallursachen entwickelt haben. "Wie die Unfallstatistik der Polizei ausweist, waren in der Westaltmark im Jahr 2013 insgesamt 1159 Wildunfälle zu verzeichnen", hatte Michael Ziche berichtet. "Das sind drei Prozent weniger als im Jahr davor mit 1195 Wildunfällen." Auch im Bereich zwischen Klötze und Schwiesau sei die Zahl der Kollisionen mit Wild seit Beginn des Pilotprojekts im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, hatte der Landrat informiert.

Das bestätigte Kreisjägermeister Hans-Ulrich Brückner. Er machte aber "auf den großen Gewöhnungseffekt bei Menschen und Tieren" aufmerksam: "Wenn ich 100 Mal an den Dreibeinen vorbeigefahren bin, haben sie auf mich nur noch die Wirkung wie ein normales Schild, das vor Wildwechsel warnt".

Und wie geht es weiter mit dem Pilotprojekt "Dreibeine"? Kreis-Sprecherin Birgit Eurich stellte am Donnerstag in Aussicht, dass das Projekt Ende April mit einem Treffen vor Ort noch einmal angeschoben werden soll.