Um noch einmal alle Fakten auf den Tisch zu bringen, die mit der geplanten Schließung der Kindertagesstätte "Wassensdorfer Rabauken" einhergehen, hat die Stadtelternvertretung der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen eine Sondersitzung einberufen. Dabei zeigten die Eltern wenig Hoffnung, dass sich an dem Vorhaben noch etwas ändert.

Wassensdorf l "Wir können doch daran jetzt sowieso nichts mehr ändern. Wir müssen akzeptieren, dass die Kita geschlossen wird", sagte Rositha Franke. Die Weddendorferin, deren Enkelin derzeit noch in der Kindertagesstätte "Wassensdorfer Rabauken" betreut wird, war zu einer Versammlung gekommen, die der Stadtelternrat der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen organisiert hatte.

Auf den winzigen Stühlen und Bänken, auf denen sonst die Kinder sitzen, hatten Vertreter des Stadtrates und des Oebisfelder Ortschaftsrates, der Stadtverwaltung sowie Mitarbeiterinnen und Leiterinnen aus anderen Kindertagesstätten der Einheitsgemeinde Platz genommen. Vor allem waren es aber die anwesenden Eltern und Großeltern, für die Stadtelternrats-Vorsitzender Marco Sobotta das Treffen einberufen hatte. Diese hatten - wie Rositha Franke es auf den Punkt brachte - aber von Anfang an wenig Hoffnung, dass an der geplanten Kita-Schließung noch irgendetwas zu ändern sei. Immerhin hätten sie, so erzählten einige Eltern, bereits vor zwei Jahren Gerüchte über die Schließung des Wassensdorfer Kindergartens gehört. "Als ich damals einen Platz für meine Enkelin gesucht habe, wurde mir in der Stadtverwaltung mitgeteilt, dass alles voll ist", erklärte Rositha Franke. Von dem Wassensdorfer Kindergarten hätte sie kein Wort erzählt bekommen.

Den Vertretern des Stadtelternrates ging es bei dem Sondertreffen in dem Flachbau in Wassensdorf vor allem um Schadensbegrenzung. Besonders mit der Art und Weise, wie die Informationen zu den Beteiligten vorgedrungen waren, zeigten sich Marco Sobotta und sein Stellvertreter Torsten Wagner nicht einverstanden. "Diese Runde, in der wir gerade sitzen, hätte viel früher zustande kommen müssen. Man hätte die Eltern, die Räte und auch uns viel früher informieren müssen", erklärten beide.

Den Werdegang der geplanten Kita-Schließung versuchte Einheitsgemeindebürgermeisterin Silke Wolf für alle Anwesenden zu rekonstruieren. "Wir haben uns vor über einem Jahr mit Frau Heidemann getroffen und auf die kritische Lage in Wassensdorf aufmerksam gemacht", erklärte Silke Wolf und erntete ein zustimmendes Nicken von der Wassensdorfer Kita-Leiterin Stefanie Heidemann.

Schon damals hätte die Stadt der Leiterin Vorschläge unterbreitet, die die Schließung der Einrichtung abwenden sollten, "zum Beispiel, dass sich der Kindergarten mehr in das Ortsleben einbringt und dass gezielt Eltern angesprochen werden, die ihre Kinder in die Einrichtung geben sollen", so Silke Wolf. Die Situation hätte sich danach jedoch nicht verbessert.

Auch Angela Leuschner als Vorsitzende des Sozialausschusses meldete sich noch einmal zu Wort, um die Eltern aufzuklären. "Die Einrichtung mit sechs Kindern zu betreiben, wäre den anderen Eltern gegenüber nicht zu verantworten", sagte sie. Nachdem in diesem Sommer acht Kinder den Kindergarten verlassen werden und in die Schule wechseln, blieben nur noch sechs Kinder in der Wassensdorfer Einrichtung übrig. Die Elternbeiträge würden aber nicht nur für die Wassensdorfer steigen, sondern auf alle Eltern umgelegt werden. "Kosten und Kinder erwähnt man nicht gerne in einem Zusammenhang", sagte Angela Leuschner. "Aber wenn wir realistisch bleiben wollen, müssen wir das tun." Den Eltern, so Leuschner, könne man zumuten, ihre Kinder für die Betreuung von Wassensdorf nach Oebisfelde zu bringen.

Wie genau es nun mit der Wassensdorfer Kindereinrichtung weitergeht, wollte die Oebisfelder Ortschaftsrätin Andrea Bogner erklärt bekommen. "Was passiert denn, wenn der Stadtrat sich gegen die Schließung entscheidet?", fragte sie. Dann, so antwortete Silke Wolf, werde ab dem 1. Januar 2015 der Landkreis der Träger der Einrichtung sein und über ihre Zukunft entscheiden müssen. Weil Stefanie Heidemann zum 1. Juli dieses Jahres gekündigt hat, müsse zudem schnellstens Ersatz für sie gefunden werden. "Außerdem befinden wir uns in der Haushaltskonsolidierung", so Silke Wolf. "Die Kosten für die Kita muss zu 50 Prozent die Einheitsgemeinde tragen, die anderen 50 Prozent werden auf die Kinder umgelegt." Andrea Bogner hakte weiter nach und bekam auch heraus, was nach der Schließung mit dem Haus der "Wassensdorfer Rabauken" geschehen würde. "Wir würden hier ab 31. September wortwörtlich abschließen und den Betrieb praktisch auf die Notkosten herunterfahren", erklärte Silke Wolf. Ob das Gebäude verkauft werde, könne indes nur der Ortschaftsrat entscheiden.

Was passieren wird, nachdem die Schließung der Kita beschlossene Sache ist, hatten auch einige Eltern schon gedanklich durchgespielt. "Ich bitte nur darum, dass eine einigermaßen vernünftige Regelung getroffen wird, damit die Kinder noch ihre letzte Zeit im Kindergarten in guter Erinnerung behalten", sagte Kristin Harenberg. Als Mutti eines baldigen Schulkindes bedauerte sie es vor allem, dass die Kinder ständig neue Erzieherinnen zu Gesicht bekämen. Zwar arbeiten Stefanie Heidemann und ihre Kollegin Anke Jungnickel als feste Mitarbeiterinnen in der Einrichtung. Bei Urlaub, Krankheit oder ähnlichen Engpässen kommt jedoch eine dritte Erzieherin dazu, die stets aus verschiedenen Einrichtungen kommt.

Mit der Art und Weise, wie mit den Eltern in der Frage der Schließung umgesprungen wurde, wollte sich auch bei dem Sondertreffen keiner der Anwesenden zufrieden geben. "Mich bewegt das sehr, obwohl ich keine kindergartenpflichtigen Kinder mehr habe", sagte beispielsweise Stadtrat Steffen Wetterling. Er wollte nicht nur wissen, warum eine Versammlung mit allen Beteiligten erst "einen Tag vor Ultimo" zustande gekommen war, sondern auch, ob im Falle der Kita-Schließung Fördermittel zurückgezahlt werden müssten. "Nein", antwortete Silke Wolf kurz und knapp. Auf Wetterlings Frage, zu welchem Zeitpunkt Stefanie Heidemann ihre Kündigung eingereicht habe, antwortete die Kita-Leiterin selbst. "Meine Kündigung hat nichts mit der geplanten Schließung zu tun", erklärte sie. Für die Art und Weise der Informationsübertragung entschuldigte sich unterdessen Angela Leuschner. So sei es ein klarer Fehler gewesen, erklärte die Sozialausschuss-Vorsitzende, die Kita-Schließung im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Gremien-Sitzung zu diskutieren.

Mit dieser Antwort wollte sich Frank Hintersdorf allerdings nicht zufrieden geben. "Es tut mir leid wenn ich das so sagen muss, aber das hier alles ist für mich ein handfester Skandal", erklärte der Wassensdorfer. Als Chef der Ortsfeuerwehr war er oft für die Einrichtung im Einsatz gewesen, hatte gemeinsam mit seinen Kameraden und auch als Vater zweier Kinder viel für den Kindergarten geleistet. Fassade, Wärmedämmung, neue Fenster und Baumfällungen nannte er nur als einige Beispiele von Arbeiten, die erst in den vergangenen Jahren an dem Gebäude gemacht wurden. "Nun soll hier die Wassensdorfer Kita zugunsten der Haushaltskonsolidierung unserer Stadt geopfert werden. Das finde ich nicht richtig", empörte sich Hintersdorf. Er warf der Stadtverwaltung eine bewusste Geheimhaltung und die Manipulation der Lage vor, um die Schließung der Kita durchzusetzen. Auch Kurt Scharnhorst meldete sich zu Wort und fragte: "Gehören wir nicht zu Oebisfelde?" Der Wassensdorfer, der 1965 einen erheblichen Anteil am Bau des Kindergartens hatte, bezeichnete diesen als sein Lebenswerk und erklärte, er wolle nicht zugucken, wie in seinem Ort alles zunichte gemacht werde.

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