Drei Mitglieder der legendären Leipziger Pfeffermühle gastierten am Freitagabend in Quarnebeck. Manja Kloss, Rainer Koschorz und Dieter Richter präsentierten im Saal das Stück "Drei Engel für Deutschland". Das Publikum war begeistert.

Quarnebeck l Jedes Jahr im Frühling hebt sich auf Einladung des örtlichen Heimatvereins im Quarnebecker Saal der Vorhang für eine besondere Veranstaltung. Den Anfang machten Tabea und Tobias Wollner. Es folgten die Zwickmühle Magdeburg und das Theater Wolfsburg. Am Freitag gaben sich nun Darsteller der "Leipziger Pfeffermühle", die seit 1954 besteht, die Ehre. Die Schauspieler Manja Kloss, Rainer Koschorz und Dieter Richter präsentierten das Stück "Drei Engel für Deutschland".

Zwei Geschlechter - "eine Scheißidee"

Darin reift in dem gelangweilten Gott der abstruse Wunsch, noch einmal zu heiraten. Und genau damit nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn schnell steht Gott unter der Fuchtel seiner Gattin. Während er kocht und bügelt, lackiert sie sich die Fingernägel. Gott erkennt: "Zwei Geschlechter - das war eine Scheißidee." Und: "Wenn die Liebe das Licht des Lebens ist, dann ist die Ehe die Stromrechnung." Außerdem muss sich Gott mit dem nervigen Luzifer herumschlagen, der sich zwar für den besten Installateur des Universums hält, der aber unfähig ist, Gottes Bad zu reparieren und zudem horrende Rechnungen stellt. Die Ausrede: "Der Teufel steckt im Detail." Trotzdem. Gott hat genug, verbannt Satan aus dem Himmel und verfügt, dass der Leibhaftige fortan "Handwerker" heißen soll.

Doch das ist noch nicht alles. Zu allem Übel verlangt seine Angetraute von ihm, eine neue Welt zu erschaffen. Gesagt, getan. Im Handumdrehen kreiert Gott eine grundsanierte Erde mitsamt der Bundesrepublik. Diese BRD ist jedoch alles andere als perfekt. Sie wimmelt nur so vor seltsamen Gestalten, wie etwa Thilo Sarrazin, der alle Türken für dumm hält. Ihn, so lautet die Empfehlung der Darsteller, sollte man mal nachts durch Kreuzberg schicken mit einem Schild, auf dem steht: "Türken sind doof." Dann werde der Neo-Schriftsteller sicher schmerzlich registrieren, dass Türken ziemlich gut lesen können.

Wie dem auch sei. Es muss gehandelt werden. Daher sieht sich Gott gewzungen, den HÖD, den Himmlischen Öffentlichen Dienst, einzurichten. Die frisch von den Wolken hinabgestiegene und kaffeesüchtige Belegschaft besteht aus drei Engeln. Es sind Frau Peters, Herr Pollmann und Herr Paschke, der übrigens ständig zu spät zur Arbeit kommt. Aber nicht wegen eines Staus auf der viel befahrenen Milchstraße, sondern weil der Große Wagen immerzu einen Platten hat. Die drei haben den Auftrag, das Land vor dem Absturz zu retten. Doch angesichts von Nazis im Verfassungsschutz oder Steuergesetzen mit der Verständlichkeit nordkoreanischer Gebrauchsanleitungen ist das gar nicht so einfach.

Als HÖD-Beamte nehmen Manja Kloss, Rainer Koschorz und Dieter Richter alles und jeden aufs Korn und schlüpfen in unterschiedlichste Rollen. Das Trio Infernale wettert mit Wortwitz und Kühnheit gegen unfähige Politiker, All-Inclusive-Reisen und die Gelbe Tonne. Sie beschimpfen erbarmungslose Politessen, die dafür sorgen, dass Parken mittlerweile teurer ist als Tanken und lassen auch an Investmentbankern kein Gutes Haar. Beispiel gefällig? "Was sind zwei Banker in einem Auto, das gegen einen Baum kracht. Verschwendung. Es hätten vier hereingepasst!" Auch der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan wird nicht vergessen. So seien die Soldaten einzig und allein zum Saufen dort. Warum sonst kreisen stundenlang Awacs-Aufklärungsflugzeuge über dem Hindukusch? - Auf der Suche nach der nächsten Leergutannahme.

Aus dem Elend können wir uns nur selbst retten

Allein, es nützt nichts. Der HÖD muss vor dem Chaos kapitulieren und es zeigt sich die tiefe Wahrheit der alten Volksweise, in der es heißt: "Es rettet uns kein höh` res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun."

Fazit: Nicht mal brilliant aufspielende, wenn auch bisweilen zu schnell sprechende Engel wie Manja Kloss, Rainer Koschorz und Dieter Richter können Deutschland vor Schlimmerem bewahren. Aber wenigstens haben sie die Zuschauer im restlos ausverkauften Quarnebecker Saal zwei Stunden lang bestens unterhalten und quasi im Sekundentakt zum Lachen gebracht.

Wer dabei war, war begeistert. Manfred Bessing, Vorsitzender des Schützenvereins, hob den Daumen und schwärmte: "Toll." Ortsbürgermeister Marco Wille schloss sich diesem Lob an: "Spitzenmäßig."

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