Wer bis ins Detail etwas über die 675-jährige Geschichte Kuseys aus berufenen Munde erfahren möchte, der sollte morgen zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten ins Festzelt kommen. Nur dort können auch die 120 Exemplare der limitierten Chronik erworben werden.

Kusey l Der Kuseyer Landwirt Andreas Zerneke hat in unverkennbar präziser Art die Geschichte des Dorfes aufgearbeitet. Er nutzte dafür keine bessere Vorlage als die umfangreiche Faktensammlung vom Kuseyer Kaufmann, Bürgermeister und Förderer des Dorfes, Martin Schulz (*9. November 1883 / * 11. März 1967) und das beachtliche historische Werk über Kusey von Landwirt und Dorfchronist Horst Fehse (* 11. Mai 1928 / * 24. Februar 1994).

Zum 675-jährigen Bestehen gehört eine Festschrift, darin waren sich die Organisatoren einig. Nach dem Andreas Zerneke mit Hans-Joachim Fehse, dem Sohn des Dorfchronisten, ins Gespräch gekommen war, erfuhr Zerneke, dass noch unbekanntes Material über Kusey bei den Fehses lagerte. Und das könne er für die Festschrift gern verwenden. Aus der Festschrift wurde im Verlauf einer halbjährigen Fleißarbeit eine neue, moderne, so noch nie dagewesene Chronik.

"Durch die Nutzung moderner digitaler Methoden können sich Leser aktiv in der Ortsgeschichte zurechtfinden."

Erstmals sind die Fakten über die Geschichte Kuseys in einem Gesamtwerk zu finden, viele weitere Quellen konnten geöffnet werden, und die detaillierten Aussagen sind mit Bildern sowie Kartenausschnitten dokumentiert. Zudem hat Andreas Zerneke diese Detailansichten mit Koordinaten versehen. Diese können im virtuellen Globus Google Earth eingegeben und so am Computer angesehen werden können.

"Durch die Nutzung moderner digitaler Methoden, unter Mithilfe des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, und bildgebenden Verfahren von Internetportalen können sich Leser aktiv in der Ortsgeschichte zurechtfinden. Und das bis ins frühe Erdzeitalter zurück", gibt Andreas Zerneke im Gespräch mit der Volksstimme einen Vorgeschmack auf diese moderne Chronik.

Im Vorfeld der Eröffnung verriet Zerneke, dass die Siedlung Kusey im Juli 1636 durch schwedische Heerscharen gebrandschatzt und dem Erdboden gleich gemacht wurde. Erst am 17. April 1645 war es der Dorfschulze Carsten Hallmann, der den Landesfürsten bat, die Ortschaft im Schutze der Köbbelitzer Kirche wieder aufzubauen.

Die Köbbelitzer Kirche ist wohl der älteste stumme Zeitzeuge. Weitaus jünger, jedoch historisch wertvoll für Kusey, ist der Schulzenstein im Alt Kuseyer Bullenwinkel.

Beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses wird bereits die Lust geweckt, Kusey und die umliegende Region zu entdecken. Die geschichtliche Zeitreise beginnt mit der Urgeschichte des norddeutschen Tieflandes, beleuchtet die Entstehung der Altmark und der Bauernschaft.

Eine verlockende Passage finden Leser dann im sechsten Kapitel: "Als Kusey noch im Birkenbusch lag." Nicht weniger interessant ist das neunte Kapitel, das über die zwölf Höfe und ihre Bewirtschafter Auskunft gibt. Aus der jüngeren Geschichte bis zum Jahre 1952 ist der Chronik zu entnehmen, welche Handwerksleute und Gewerbetreibenden ihr gutes Auskommen in Kusey hatten.

Aufregend und fesselnd ist auch die Beschreibung über das Experiment des Quellensuchens. Und auch die Versorgung des Ortes mit einer Schule ab dem Jahre 1714 oder die Geschichte über Ärzte, Pfarrer oder die Spar- und Darlehnskasse sind in der Chronik nachzulesen. Diese multi-mediale Chronik ist auch eine Besonderheit für Sammler.