Etwa 90 000 junge Männer leisten derzeit ihren Zivildienst ab und unterstützen damit viele soziale Einrichtungen. Doch mit dem Ende der Wehrpflicht im Juli soll auch der Zivildienst in Deutschland entfallen. Irritationen gibt es schon jetzt. Die Zivildienststelle in der Oebisfelder Tagesgruppe des Paritätischen konnte bisher nicht besetzt werden.

Oebisfelde (gri). "Die Kinder fragen schon, wann der neue Zivi kommt", erzählt Anja Schmidt, die Leiterin der Tagesgruppe. Dabei stehe gar nicht fest, ob überhaupt ein Zivildienstleistender kommt. "Wir hatten sonst immer mindestens zwei Bewerbungen, in diesem Jahr noch keine. Ich vermute, dass das mit den neuen Regelungen zum Zivildienst zusammenhängt. Viele warten vielleicht jetzt erst mal ab und hoffen, dann weder in der Bundeswehr noch als Zivi loszumüssen", so Schmidt.

Derzeit unterstützt auch die Oebisfelderin Claudia Christinnecke die Arbeit in der Tagesgruppe. Nicht nur sie selbst, sondern das ganze Team hofft, dass sie bleiben kann. "Sie ist ein Glücksgriff", sind sich die Kolleginnen einig. Ob die Stelle aber verlängert wird und in welcher Form, das sei noch nicht endgültig sicher.

Florian Konkiel, der vom 1. Juni vergangenen Jahres bis zum 31. Dezember als Zivi die Tagesgruppe unterstützte, steht nun nicht mehr zur Verfügung. "Er war einer der besten Zivis, die wir je hatten. Er war verlässlich und toll im Umgang mit den Kindern", lobte Anja Schmidt. Auch die Übernahme des Fahrdienstes durch den jeweiligen Zivildienstleistenden habe in der Vergangenheit immer eine große Entlastung bedeutet. Jetzt holen und bringen die Angestellten selbst die Kinder, dadurch gehe aber immer Zeit von der Arbeit in der Tagesgruppe selbst mit den Kindern verloren, so Schmidt.

Florian Konkiel war gern Zivi in der Tagesgruppe. "Das war eine lehrreiche Zeit für mich, ich habe aus diesen Monaten viel mitgenommen und außerdem hat es Spaß gemacht", erzählt er. Die Erfahrungen, die er in der Zeit in der Tagesgruppe dank der erfahrenen Kolleginnen gesammelt habe, könne er später auch in seinem Leben gebrauchen, in der Familie. "Der Umgang mit den Kindern war toll, zu wissen, wie in bestimmten Situationen reagiert werden sollte", erinnert er sich. Der Fahrdienst, die Arbeit in der Küche und eben vor allem der direkte Kontakt zu den Kindern seien eine Bereicherung gewesen. Er halte es für einen Verlust, den Zivildienst für junge Menschen komplett zu streichen. "Das ist ja auch eine Schule fürs Leben", sagte er.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht ab Juli dieses Jahres und der damit verbundenen Aussetzung des Zivildienstes soll nun, so die Vorstellung des Familienministeriums, ein Bundesfreiwilligendienst eingeführt werden. Dadurch sollen die "negativen Effekte auf die soziale Infrastruktur minimiert" werden, heißt es dazu. Der freiwillige Dienst soll in der Regel zwölf Monate dauern, mindestens aber sechs Monate. Er kann auf maximal 24 Monate verlängert werden. Bis zum Alter von 27 Jahren soll er in Vollzeit abgeleistet werden, bei älteren Freiwilligen soll auch Teilzeit möglich sein, mindestens 20 Stunden pro Woche. Für die Freiwilligen wird Arbeitskleidung, Unterkunft und Verpflegung gestellt, die Sozialversicherung übernommen und ein Taschengeld gezahlt. Wie hoch das ausfällt, handeln die Kandidaten direkt mit ihrer Einsatzstelle aus. Der Bund will insgesamt etwa 300 Millionen Euro bereitstellen.

Wer sich als Zivildienstleistender noch kurzfristig bewerben will, kann sich bei Anja Schmidt in der Tagesgruppe an der Oebisfelder Karlstraße melden.

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