In der Mittwochsausgabe der Klötzer Volksstimme ging es in einem Interview mit Andreas Kriebel, Leiter des Forstbetriebs Altmark im Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt, und mit Dietmar Schulze, Leiter des zu diesem dazugehörigen Reviers Klötze, um die Wildtiere in der Region. Doch auch zu zugewanderten Tierarten und insbesondere zum Wolf gaben die beiden Experten in dem Gespräch Auskunft.

Volksstimme: Die Zahl der seit Jahrzehnten in unseren Wäldern heimischen Tiere wie Reh- und Schwarzwild wächst. Wie sieht es mit Neuankömmlingen aus? Zuwandern können ja aber auch Tierarten, die es hier in den vergangenen Jahrhunderten gegeben hat und die dann ausgerottet wurden. Wie sieht es mit dem Wolf aus?

Andreas Kriebel: Der Wolf ist natürlich nicht zu vergleichen mit wirklich fremden Tierarten von anderen Erdteilen – er gehört im Prinzip zu unserer Fauna dazu.

Dietmar Schulze: Ohne Zweifel ist die westliche Altmark ein Gebiet, in dem sich in den kommenden Jahren Wölfe ansiedeln werden. Denn die menschenscheuen Tiere werden sich hier in den weitläufigen Wäldern und in einer nur dünn besiedelten Region wohl fühlen. Allerdings gibt es in der westlichen Altmark im Gegensatz beispielsweise zu Gebieten in Brandenburg und im Jerichower Land noch keine Nachweise dafür, dass sich hier im Raum Klötze Wölfe angesiedelt hätten.

Das schließt aber nach meiner Einschätzung längst nicht aus, dass es keine altmärkischen Wölfe gibt. Denn wie bereits erwähnt handelt es sich beim Wolf ja um ein sehr scheues Tier, das dem Menschen sehr wohl aus dem Weg zu gehen versteht. Und auch können Laien die Spuren von Wölfen leicht mit denen von großen Hunden verwechseln. Es würde mich also nicht wundern, wenn Wölfe das Gebiet bereits durchzogen und wir dies einfach nicht bemerkt haben.

Kriebel: Noch jedenfalls ist der Wolf für uns kein wesentliches Thema. Denn klar ist natürlich auch, dass der Wolf in der Viehwirtschaft vereinzelt Schäden anrichten kann. Damit müssen wir uns rechtzeitig auseinandersetzen. Und ebenso ist die Frage bedeutsam, ab wann Wölfe wieder bejagt werden sollten. Um aber ganz deutlich zu sein: Da es bei uns noch nicht einmal Nachweise für einzelne Tiere gibt, sind wir von der Notwendigkeit, diese beiden Fragen abschließend beantworten zu müssen, noch viele Jahre entfernt. Bis auf Weiteres steht der Wolf jedenfalls bei uns unter strengem Schutz.

Volksstimme: Dies also zu den bei uns heimischen Tierarten. Wie sieht es mit den zugewanderten Arten aus?

Schulze: Bedeutsam sind da vor allem der Marderhund aus Asien und der Waschbär aus Nordamerika. Die Waschbären schaden insbesondere als Nesträuber der heimischen Vogelwelt.

Kriebel: Die Zuwanderung und Ansiedlung von Tierarten, die wir in unseren Wäldern bislang nicht kennen, dürfte in Zukunft ein noch bedeutsameres Thema sein. Das betrifft mit Blick auf den Klimawandel natürlich nicht nur das Wild, sondern beispielsweise auch eine Vielzahl von Insekten.