"Lebendiger Friedhof" heißt das Pilotprojekt, in dessen Rahmen auch auf dem Apenburger Gottesacker eine pflegeleichte Grünfläche mit heimischen Wildpflanzen angelegt wurde. Diese sollen schon bald in allen Farben blühen.

Apenburg l Noch ist im hinteren Teil des Apenburger Friedhofs, dort wo das Areal an das Betonwerk grenzt, nichts von blühender Wildkräuterwiese zu sehen. Doch auf der öden Sandfläche wächst bereits jede Menge Grün, ausgesät im vergangenen Oktober im Rahmen des Pilotprojekts "Lebendiger Friedhof" der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Sandra Mann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Anhalt in Bernburg, kennt die meisten der Pflanzen mit Namen, die ihre Köpfe aus der Erde strecken. "Hier haben wir Kornblumen, da Rittersporn und Mohn und da hinten finden wir Ferkelkraut, einen gelben Korbblütler", erläuterte sie den Teilnehmern des Fachtages "Lebendige Friedhöfe" auf Gut Zichtau, die sich am Dienstagnach- mittag bei einem Abstecher die Demonstrationsfläche ansahen.

Zwei verschiedene Wildsaatmischungen hat Stefan Schreiter, der über das Thema "Anlage blütenreicher und pflegeextensiver Grünflächen im öffentlichen Bereich - Begrünungskonzepte für Friedhöfe in der Altmark" seine Masterarbeit in Bernburg schreibt, in Apenburg ausgesät. Vorn auf dem Sandboden wachsen genügsame Arten, die wenig Nährstoffe benötigen und eine hohe Toleranz gegen die Sommertrockenheit aufweisen, hinten auf dem nährstoffreichen Boden entsprechend empfindlichere Pflanzen. Wiesenmargerite, Lichtnelke, Sandstrohblume, verschiedene Flockenblumen, Wiesen- salbei, Ackerwitwenblume, Grasnelke und Hopfenklee sollen für einen Blütenteppich sorgen.

"Im Juli/August wird der Blüheffekt eintreten", schätzte Sandra Mann ein. Die einzelnen Arten würden unterschiedlich keimen, so dass bis in den Herbst hinein immer wieder andere Blüten zu sehen sein werden. In voller Pracht werde man die Fläche jedoch wohl erst im nächsten Jahr erleben können, wenn sich die Pflanzenteppiche fester in der Erde verankert haben.

Fläche muss künftig nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden

Ziel des Projektes, an dem auch der Kirchenkreis Salzwedel, das Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der EKM und die Gartenakademie Sachsen-Anhalt beteiligt sind, ist es, den derzeitigen Pflegeaufwand auf Friedhofsflächen zu minimieren. "Das Areal braucht dann nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden", erläuterte Sandra Mann. Ein erster Schröpfschnitt könnte in zwei bis drei Wochen erfolgen, wobei das Mähgut dann auf der Fläche liegen bleibt.

Gerade für große Friedhöfe wie in Apenburg mit riesigen ungenutzten Flächen ist die Wildpflanzenwiese eine Lösung, die Aufwand und Kosten spart. Zumal demografiebedingt die Zahl der Beerdigungen und damit auch die Einnahmen sinken.

"Zudem werden neben bunten Blühaspekten auch für in unserer Landschaft selten gewordene Tiere wie Wildbienen und Schmetterlinge neue Lebensräume geschaffen und so ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt geleistet", betonte EKM-Umweltbe- auftragter Hans-Joachim Döring.

Neben Apenburg gibt es im Kirchenkreis Salzwedel zwei weitere Friedhöfe in Zethlingen und Jeggeleben, die für das Pilotprojekt ausgewählt wurden. Zudem ist auf dem Gut Zichtau eine Demonstrationsfläche angelegt worden. Es wird ausschließlich in der Region vermehrtes Saatgut in den Boden gebracht, dessen Mischung gezielt den örtlichen Verhältnissen angepasst ist.