Zum allerersten Mal war Jübar am Sonnabend Gastgeber der Frühjahrstagung des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. Die historisch interessierten Mitglieder hörten Vorträge und lernten den Ort bei einem Rundgang kennen.

Jübar l Seit 178 Jahren gibt es den Altmärkischen Verein für vaterländische Geschichte zu Salzwedel, doch in Jübar machten die Mitglieder für ihre traditionelle Frühjahrstagung bisher noch nie Station. Grund genug für Hartmut Bock, Hobbyhistoriker, Heimatforscher und Chef der Jungen Archäologen der Altmark, seinen Heimatort am Sonnabend bei der Premiere im Rahmen eines Rundgangs vorzustellen.

Ausgangspunkt war die alte Linde in der Dorfmitte, das Jübarer Wahrzeichen und Wappensymbol. "Hier befand sich der alte Schulzenhof, wo der Dorfschulze wohnte", zeigte Bock auf den heutigen Schwiegerschen Gasthof. Das historische Gemäuer hat schon viele Besucher gesehen, darunter den dänischen König Friedrich VI., der auf seiner Fahrt zum Wiener Kongress 1814 mit seinem Gefolge in Jübar übernachtete. "Inkognito als Graf Falster", berichtete Hartmut Bock.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Jübar 1240. Doch das Rundlingsdorf hatte anfangs nicht einmal eine richtige Kirche. Die befand sich im Nachbarort Lüdelsen. "In Jübar befand sich nur eine kleine Kapelle, die wahrscheinlich einem kleinen Adligen gehörte", erzählte Bock.

Erst Ende des 15. Jahrhunderts, als Lüdelsen wüst wurde, verlegte der Pfarrer seinen Sitz nach Jübar und das dortige Gotteshaus wurde zur Pfarrkirche erweitert. Den heutigen Fachwerkturm erhielt das Gebäude allerdings erst viel später.

Hirten- und Armenhaus besichtigt

"Im 19. Jahrhundert explodierte das Dorf förmlich", wusste der Jübarer zu berichten. Bahnhofstraße, Bromer Straße und Frachtstraße wurden neu bebaut, die Höfe des Rundlings wurden zerteilt. "Nur die Kleine Gasse war schon im 18. Jahrhundert bebaut. Das war Kirchenland und die Grundbesitzer mussten ihren Obolus an die Kirche zahlen", so Bock.

Der Heimatforscher zeigte den Besuchern beim Rundgang nicht nur die Kirche, sondern auch das ehemalige Hirtenhaus und das Armenhaus des Dorfes. Aber auch neuere Einrichtungen wie das moderne Dorfgemeinschaftshaus und Zeugnisse der Jübarer Industriegeschichte waren Stationen. "Jübar erhielt 1895 eine Molkerei, 1907 wurde das Fibrolawerk errichtet, außerdem gab es seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Sägewerk im Ort", erklärte Hartmut Bock.

Exkursion führte auf die Bromer Burg

Vor der Dorfbesichtigung berichtete der Bromer Jens Winter den Tagungsteilnehmern über historische Grenzverläufe und -markierungen im Bereich Brome seit 1543 (mehr dazu in einer unserer nächsten Ausgaben). Der Vorsitzende des Bromer Museums- und Heimatvereins nahm die Besucher auch mit zu einer kleinen Exkursion, die über Gladdenstedt und Nettgau nach Wendischbrome führte.

Auf dem Dorfplatz gab Winter, dessen Familie einst im Ort ansässig war, Erläuterungen zum Rundling, ehe es nach Brome weiterging. Hier besichtigten die Vereinsmitglieder die Burg, die sich derzeit im Umbau befindet und folgten der Einladung von Museumsleiter Andreas Wallbrecht zu Kaffee und frisch gebackenem Blechkuchen im Museumscafé.