Mit einem Trick hat eine Diebesbande am Montag in einem Klötzer Blumenladen eine dreistellige Geldsumme erbeutet. Im Gespräch mit der Volksstimme erinnert sich Verkäuferin Anja Jürges an die Tat. Und die Polizei gibt Tipps, wie man sich in solchen Fällen verhalten sollte.

Klötze l Ein komisches Gefühl hatte ich von Anfang an, als ich die Leute gesehen habe", sagt Anja Jürges. Sie ist die Angestellte des Blumenladens an der Bahnhofstraße in Klötze, der am späten Montagnachmittag das Ziel von Dieben gewesen ist. Gegen 17.20 Uhr hatten ein Mann - südländische Erscheinung, kräftig, zirka 1,90 Meter groß und 40 bis 50 Jahre alt ("den würde ich sofort wiedererkennen") sowie eine knapp 1,60 Meter kleine Frau mit blonden Haaren und vorstehenden Zähnen - sie nach draußen an die Auslage gebeten. "Die wollten Pflanzen für ihren Balkon haben. Ich bin Verkäuferin. Natürlich helfe ich, wenn ich darum gebeten werde", betont Anja Jürges. Doch diese Gutmütigkeit sollte von der Bande eiskalt ausgenutzt werden.

"Die Typen waren mir nicht geheuer"

Denn die Bitte um eine Beratung war nur ein Vorwand. In der Zeit, in der sich Anja Jürges vor dem Laden unterhielt, betraten nämlich zwei Männer, 1,80 Meter beziehungsweise 1,65 Meter groß und mit Jeans und T-Shirts bekleidet, den Innenraum und entwendeteten einen dreistelligen Betrag. "Die Typen waren mir nicht geheuer. Ich hatte schon so eine Vorahnung", entsinnt sich Anja Jürges. Grund zur Annahme, in dem Moment bestohlen zu werden, hatte die 40-Jährige dennoch nicht, "weil auf dem Display der Kasse lauter Nullen erscheinen, wenn man auf eine Taste drückt. Das war nicht der Fall. Darauf habe ich geachtet."

Erst später, als ein Kunde, "der hat die noch weggehen sehen", seinen Rosenstrauß bezahlen wollte, fiel ihr die Tat auf. Die Kasse war leer. Sofort verständigte Anja Jürges die Polizei. Deren Ermittlungen haben bis dato allerdings noch zu keinem Erfolg geführt, wie Pressesprecher Frank Semisch auf Anfrage mitteilte (siehe Interview).

Übrigens arbeitet Anja Jürges erst seit August vorigen Jahren im "La Rose". Dass sie in so einem beschaulichen Städtchen wie Klötze mal Opfer eines Verbrechens werden könnte, "damit hätte ich nie gerechnet."

"Vier Wochen Urlaub, dann geht es schon"

Die Tat hat die Apenburgerin scheinbar schon verdaut. Zumindest äußerlich lässt sie sich nichts anmerken. Im Gespräch mit der Volksstimme ist sie überaus freundlich und ausgesprochen witzig. Nur fotografieren lassen möchte sie nicht. "Ich nehme jetzt erstmal vier Wochen Urlaub, der Chef bezahlt und ich darf mir das Reiseziel aussuchen. Dann geht es schon wieder", meint sie lachend.

Nur am Abend nach dem Vorfall, als sie im Bett lag, "habe ich wie verrückt gezittert und mir überlegt, was alles hätte passieren können. Man weiß ja nicht, ob die nicht vielleicht sogar eine Pistole dabei hatten."

Doch diese düsteren Gedanken hat Anja Jürges umgehend wieder verworfen. "Mir geht es gut", beteuert sie und wundert sich, warum sie alle für diese Gelassenheit und Tapferkeit loben. "Das ging ja alles so schnell. Und mir ist ja zum Glück nichts passiert. Das war nur der erste Schreck."

Trotzdem werden sie und die Geschäftsführung aus der ganzen Sache ihre Lehren ziehen. "Unter dem Tresen habe ich jetzt einen Baseballschläger", scherzt Jürges und hebt drohend die Hand.

Spaß beiseite: "In der Kasse haben wir jetzt nur noch ein paar Münzen zum Wechseln. Ein Diebstahl würde sich also nicht mehr lohnen."

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