Um bessere Gehälter kämpfen derzeit die Erzieherinnen der Weddendorfer Kindertagesstätte "Wiesenhüpfer". Weil das DRK und nicht die Stadt Träger der Einrichtung ist, bekommen die Mitarbeiterinnen weitaus weniger Lohn, als Kolleginnen in kommunalen Einrichtungen, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten.

Weddendorf l "Wir sind es wert!" stand auf den Karten der Gewerkschaft ver.di, die die "Wiesenhüpfer"-Erzieherinnen vor einiger Zeit mit zu einer Versammlung des Stadtrates der Einheitsgemeinde gebracht hatten. Dort wollten sie auf ihre verfahrene Situation aufmerksam machen. So kämpfen die Erzieherinnen bereits seit über drei Jahren um die Anhebung ihrer Gehälter und um Änderungen im Tarifvertrag ihres Trägers, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Der lässt die "Wiesenhüpfer"-Mitarbeiterinnen gegenüber dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes, nach dem die Erzieherinnen in kommunalen Einrichtungen der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen bezahlt werden, nämlich wesentlich schlechter dastehen.

Im Jahr 2003 wurde die einzige integrative Kindertagesstätte in Oebisfelde vom DRK gebaut. Damals gab es für die Erzieherinnen, die zuvor größtenteils in kommunalen Einrichtungen gearbeitet hatten, einen Betriebsübernahmevertrag, der beinhaltete, dass ein Jahr lang ein Tarifausgleich an die Mitarbeiterinnen gezahlt wurde. Erst nach einem Jahr griff für sie der Tarif des DRK Kreisverbandes Altmark West. Damals gab es lediglich geringfügige Abweichungen zwischen den Gehältern des öffentlichen Dienstes und denen der DRK-Erzieherinnen. "In der Zwischenzeit hat sich im Tarifgefüge des öffentlichen Dienstes für die Erzieherinnen viel verändert, doch hat sich diesbezüglich beim DRK wenig getan", schrieben die Mitarbeiterinnen der Kita "Wiesenhüpfer" in einer Stellungnahme an die Stadträte.

"Wir machen die gleiche Arbeit und sind mit viel Herzblut tätig"

Dem fügten sie eine Anlage hinzu, die Aufschluss über die Differenzen zwischen den Gehältern gab. Demnach verdient eine Erzieherin im öffentlichen Dienst 3289,06 Euro, nach dem Tarifvertrag des DRK in Sachsen-Anhalt hingegen 2539,72 Euro - was eine Differenz von 749,34 Euro ergibt. Die Differenz zwischen den Leitungen der kommunalen Kitas und der des freien Trägers liegt laut der Aufstellung, die die Erzieherinnen von der Gewerkschaft ver.di erhalten haben, sogar bei 1058,34 Euro.

Ihren Kolleginnen gönnen die "Wiesenhüpfer"-Mitarbeiterinnen das Geld natürlich, fragen sich gleichzeitig jedoch, warum nicht auch sie für die gleiche Arbeit mit einem angeglichenen Gehalt entlohnt werden. "Wir machen die gleiche Arbeit und sind mit viel Herzblut tätig", sagen die Erzieherinnen. Zudem ist die Kindertagesstätte "Wiesenhüpfer" die einzige integrative in der Region. Deshalb haben sich im Laufe der Jahre zwei Erzieherinnen zu Heilpädagoginnen ausbilden lassen, vier von ihnen haben eine heilpädagogische Zusatzausbildung absolviert. Zudem hat Kita-Leiterin Simone Strauß berufsbegleitend ein Studium absolviert. Bezahlt haben die Erzieherinnen all diese zusätzlichen Ausbildungen aus eigener Tasche, eine Anrechnung der Qualifikationen auf ihren Lohn erfolgte nicht.

"Nur das DRK als Träger kann eine Veränderung bewirken"

Bereits seit 2011 kämpfen die Mitarbeiterinnen aktiv gegen die ungleiche Bezahlung, in diesem Jahr hat sich das gesamte Team gewerkschaftlich organisiert und lässt sich derzeit über weitere Schritte beraten. Ein Schreiben an Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Reiner Haseloff konnte keinen Erfolg bringen. Mit Verweis auf die geltende Tarifautonomie heiß es aus dem Landesministerium, dass erst eine Änderung des Tarifvertrages des freien Trägers eine Veränderung für die Erzieherinnen bewirken kann. Für diese könne nur der Betriebsrat des DRK eintreten.

Bis vor kurzem war stets eine Erzieherin der "Wiesenhüpfer" im Betriebsrat des DRK Mitglied. Jana Streck wurde jedoch vor kurzem herausgewählt. Für die Angleichung ihrer Gehälter kämpfen die Mitarbeiterinnen weiter. Während einige Stadträte ihren Frust zwar nachvollziehen konnten - Steffen Wetterling (UWG) und Bernd Schuster (SPD) hatten die Kita wegen des Hilfeersuchens extra besucht - konnten sie wie das Landesministerium aber nur darauf verweisen, dass sie für eine bessere Entlohnung nicht zuständig seien.

Für die Erzieherinnen war es indes schon allein wichtig, angehört und verstanden zu werden. Einige Kolleginnen haben im Laufe der Jahre bereits gekündigt. Nun will das Team darum kämpfen, dass die ungleiche Bezahlung nicht noch weitere Konsequenzen nach sich zieht.