Gehrendorf (gri). In gemütlicher Runde verfolgten am Sonnabend die Gehrendorfer Senioren einen interessanten Vortrag. Sie hatten Diplombiologin Antje Weber eingeladen, die viel über die Aller, die unmittelbar an Gehrendorf vorbeifließt, zu berichten wusste. Aber auch die Gehrendorfer konnten so manche Anekdote beisteuern, zum Beispiel, wo sie als Kinder in der Aller immer baden gegangen sind.

Auch wenn sie schon lange fast täglich mit der Aller zu tun haben, waren einige der Zahlen und Fakten, die Weber mitgebracht hatte, neu für die Senioren. "Die Aller ist 263 Kilometer lang, das Quellgebiet liegt in der Börde und wird aus fünf Quellbächen gespeist", erklärte die Biologin. Drei davon lägen am Nordrand des Hohen Holzes – Wormsdorf, Ovelgünne und Eggenstedt –, zwei kämen aus Richtung Seehausen und Segersleben. Bei Verden mündet die Aller in die Weser. "Das Gesamtniederschlagsgebiet der Aller beträgt 15 600 Kilometer, das ist eine ganze Menge", so Weber. Die bedeutendsten Nebenflüsse Oker und Leine fließen in Niedersachsen.

Die Aller diene als Abflussgewässer für den Lappwald und die Börde, weitere Zuläufe in Sachsen-Anhalt seien der Bruchgraben bei Wefensleben, der Krautwiesenbach bei Bartensleben, die Riole bei Walbeck, die Schölecke bei Siestedt, die Osterie mit Renngraben bei Everingen sowie die Spetze südlich von Lockstedt und die Lapau bei Gehrendorf. "Die Bändigung der wilden Aller hat mit ersten Begradigungen schon um 1906 begonnen. Eine massive Begradigung, die auch mit einer Vertiefung der Aller verbunden war, hat ab 1960 begonnen", erklärte sie. Ab Döhren seien dann Grenzanlagen gebaut worden, die Intensivierung der Landwirtschaft in der Börde, die Bodenverdichtung und Ableitung der Oberflächenwasser hätten insgesamt zu einer Veränderung der Aller geführt. Um der Sommertrockenheit zu begegnen, seien im Laufe der Jahre fünf Wehre zwischen Bartensleben und Oebisfelde entstanden. Die Abflussgeschwindigkeit der Aller betrage durchschnittlich 0,8 Kubikmeter pro Sekunde, bei starken Hochwasserereignissen wie Schneeschmelze in Harz und Börde werde das auch mehr.

In der vergangenen Woche hatte der Unterhaltungsverband Obere Ohre mitgeteilt, dass dem Mittellandkanal über drei Entlaster aus Aller und Ohre sowie über die beiden Schöpfwerke am Allerkanal maximal 24 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zugeleitet werden können. Diese enorme Wassermenge werde dann bei Glindenberg aus dem Mittellandkanal in die Elbe geleitet.

Derzeit seien der Ohrehochwasserentlaster und die beiden Schöpfwerke in Betrieb. Die Nachbarn in Niedersachsen würden nördlich von Grafhorst über den Allerentlaster I Wasser aus der Aller in den Mittellandkanal einleiten. In Summe seien dies etwa 15 Kubikmeter pro Sekunde, die dem Mittellandkanal zufließen würden, hatte Verbandsgeschäftsführer Hagen Müller erklärt.

Die Aller, so berichtete Weber den Gehrendorfer Senioren weiter, habe an der Quelle eine Höhe von 169 Metern über dem Meeresspiegel, bei Weferlingen an der Schwelle zum Flachland seien das noch 86 Meter über null, bei der Mündung in Verden noch 34 Meter über dem Meeresspiegel. "Die Aller hat also ein ganz schönes Gefälle", so Weber.

Auch mit Blick auf die Hochwässer in der Zukunft sei eine Revitalisierung nötig. Es müssten sowohl eine Auenbelebung als auch die Schaffung von Überflutungsflächen ins Auge gefasst werden. Eine Renaturierung diene außerdem dem Erhalt wichtiger Tier und Pflanzenarten wie Fischotter und Biber.

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