Am 11. April 1945 endete für Oebisfelde mit dem Einmarsch von amerikanischen Truppen der Zweite Weltkrieg und damit die Herrschaft der verbrecherischen Nationalsozialisten. Unter den US-Soldaten, die in die Stadt an der Aller einrückten, befand sich auch der damals 24 Jahre alte Artillerie-Sergeant Albert John De Napoli aus New York.

Oebisfelde l Fast 69 Jahre nach diesem Ereignis ist wieder ein De Napoli aus New York in der Allerstadt - Matthew De Napoli. Er ist der 19 Jahre alte Enkel von Albert John De Napoli. Der junge Mann aus dem New Yorker Stadtteil Manhattan besuchte am Donnerstag das Burg- und Heimatmuseum des Oebisfelder Heimatvereins auf dem großen Burghof. "Matthew, der in New York Geschichte und Regiearbeit studiert, war mit seinen Kommilitonen für eine Woche in Berlin. Er hat sich entschieden, noch einige Zeit in Deutschland zu bleiben, um sich auf Spurensuche mit Blick auf seinen Opa zu begeben", erklärte Sven Groneberg. Der Ortsbürgermeister hatte am Donnerstag als Mitglied des Heimatvereins Dienst im Museum und sprang als Dolmetscher ein. Dienst hatte dort auch Käte Staade. Die 83-jährige, geborene Oebisfelderin fungierte als Zeitzeugin und erzählte Matthew, was sich am 11. April 1945 in Oebisfelde abspielte: "Ich war damals 14 Jahre alt. Die Amerikaner rückten von Büstedt kommend in die Stadt ein. Zum Glück gab es keine Kämpfe. Fanatische SS-Einheiten oder zum Kampf entschlossene Truppen der Wehrmacht waren nicht in der Nähe. Die Amerikaner wurden von den meisten Oebisfeldern freudig und friedlich begrüßt. Aus vielen Fenstern hingen weiße Fahnen."

Soldaten beziehen Quartierin der Goethestraße

Wie Matthew erfahren hat, habe sich sein Opa mit seiner Einheit für ­zirka eine Woche in Oebisfelde aufgehalten, ehe es weiter in Richtung Elbe ging. Untergebracht ­gewesen seien sie unter anderem in Wohnhäusern in der Goethestraße, wie sich Käte Staade erinnerte. Während seiner kurzen Zeit in Oebisfelde habe er auch ein junges Mädchen mit Vornamen Freta (möglicherweise auch Petra) kennengelernt. Die junge Frau habe später Oebisfelde, das ab 1. Juli 1945 zur sowjetischen ­Besatzungszone beziehungsweise ab 7. Oktober 1949 zur DDR gehörte, offenbar verlassen. Denn sie habe zu Beginn der 50er Jahre im Konsulat der Bundesrepublik Deutschland in New York gearbeitet.

Matthews Großvater, der am 6. Juni 1944 die Landung der Alliierten in der Normandie mitgemacht habe, sei unversehrt aus dem mörderischen Krieg zurückgekehrt. Viele seiner Kameraden nicht. Opa Albert John ging nach seiner Demobilisierung seinem Beruf als Bauarbeiter in New York nach und heiratete seine Angelina, Matthews Oma. Sie ist inzwischen 88 Jahre alt. Albert John De Napoli ist indes 2004 im Alter von 83 Jahren verstorben.

"Unsere Familie interessiert sich sehr für Geschichte. Dass mein Opa dabei einmal eine Rolle spielen würde, war eigentlich vorbestimmt", sagte Matthew De Napoli.

Der 19-Jährige suchte am Donnerstag nicht nur nach Spuren seines Opas - er hatte zum Beispiel ein Foto zur Hand, das seinen Großvater vor einem Haus zeigt, das in Oebisfelde stand oder noch stehen soll -, sondern er unternahm auch einen ausgedehnten Spaziergang durch Oebisfelde.

Besonders von der Altstadt zeigte sich der New Yorker beeindruckt. "Solche Städte gibt es bei uns in Amerika aufgrund der noch relativ jungen Geschichte meines Landes natürlich nicht. Die Oebisfelder Altstadt mit der wunderschönen Burg als Mittelpunkt versprüht sehr viel Charme. Auch die Einwohner. Sie waren alle sehr freundlich", sagte Matthew De Napoli.